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Wissen Experte fordert Spezialkurse für Ersthelfer auf dem Land
Mehr Welt Wissen Experte fordert Spezialkurse für Ersthelfer auf dem Land
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09:15 12.09.2009
„Leider gibt es keine gesetzliche Pflicht zum Auffrischen. Daher wissen viele nach Jahren nicht mehr, was sie tun sollen, wenn sie gebraucht werden." Quelle: Handout
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Um Verletzten in abgelegen Gebieten, Verunglückten in einer Güllegrube oder ins Eis eingebrochenen Kindern zu helfen, sei eine besondere Ausbildung nötig. Zwar sollten landesweit die Rettungskräfte nach dem Notruf innerhalb von 15 Minuten am Unfallort sein. „Liegt der Einsatzort abgelegen, kann es aber auch schon mal länger dauern.“

„Der Erstretter auf dem Land muss sich darauf einstellen, dass seine lebensrettenden Maßnahmen länger andauern“, betonte der Leiter der Johanniter Akademie in Hannover. Normalerweise sollten sich Ersthelfer bei Wiederbelebungsmaßnahmen wie die Herz-Druck-Massage alle drei Minuten ablösen, um die Effektivität zu erhalten. „Wer aber alleine ist muss durchhalten“, sagte der 49-Jährige. Ebenso sollte der Retter in ländlichen Gebieten in der Lage sein, bei Knochenbrüchen eine Schiene aus Stöcken und Decken, oder eine provisorische Trage zu bauen.

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„Schlecht oder gar nicht ausgebildete Ersthelfer bringen sich oft selbst in Gefahr“, erläuterte der Diplom-Gesundheitslehrer. Nur in speziellen Outdoor-Kursen könne das richtige Verhalten auf dünnem Eis oder bei der Rettung eines bewusstlosen Menschen aus einer Güllegrube gelernt werden. „Wer ohne Atemschutz in eine solche Grube geht, schwebt in Lebensgefahr, weil auf dem Grund meist kein Sauerstoff mehr ist“, sagte der Ausbilder für das Rettungsfachpersonal bei den Johannitern.

Outdoor-Kurse kosten mit rund 60 Euro etwa doppelt so viel wie herkömmliche Erste-Hilfe-Kurse. „Sie haben aber einen ganz speziellen erlebnispädagogischen Ansatz und können auch eine Menge Spaß machen“. Außerdem werde damit die Sicherheit im Umgang mit Verletzten gesteigert. „Oftmals hält nämlich die Angst, etwas falsch zu machen, die Menschen von den Rettungsmaßnahmen ab.“ Zwar lernen alleine bei den Johannitern bundesweit jedes Jahr 340 000 Menschen die lebensrettenden Handgriffe. „Leider gibt es keine gesetzliche Pflicht zum Auffrischen. Daher wissen viele nach Jahren nicht mehr, was sie tun sollen, wenn sie gebraucht werden“, sagte Enke.

lni