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Wissen Es juckt und zuckt: Wenn Mütter an Läuseparanoia leiden
Mehr Welt Wissen Es juckt und zuckt: Wenn Mütter an Läuseparanoia leiden
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11:26 10.09.2019
Nicht schon wieder: Ein Lausbefall ist nicht nur unangenehm, sondern stellt vor allem Mütter betroffener Kinder vor die eine oder andere nervliche Herausforderung. Quelle: Grafik: Patan
Hannover

Es ist dieser Satz, der mir in schöner Regelmäßigkeit immer wieder die Schweißperlen auf die Stirn treibt – Phantomjucken inklusive: „Mama, in der Schule sind schon wieder Läuse.“ Wer gedacht hat, dass das Läuseelend nach Kuschel-Kita und unzähligen Grabenkämpfen in Sachen Laus mit der Leitung eben jener Einrichtung endlich ein Ende nehmen würde, der wird schnell eines Besseren belehrt.

Hat sich da nicht gerade etwas bewegt?

Tag eins an der Grundschule im Dorf, voller Vorfreude gebe ich das Kind am Eingang ab und erstarre nur Millisekunden später: An der Tür hängt ein großes Hinweisschild, das mich innerlich erschaudern lässt: „Lausalarm“ steht da in fetten schwarzen Lettern drauf – es folgt ein Automatismus, der sich eingeschliffen hat, seit die Läuse das erste Mal bei uns Einzug hielten. Ganz unbewusst wandert meine Hand an meinen Hinterkopf und mein Blick über den meiner Tochter. In Windeseile scanne ich ihr Haupthaar ab, sehe hier ein kleines weißes Pünktchen und dort eine Unregelmäßigkeit an der Strähne über dem rechten Ohr. Und, oh Schreck, hat sich da nicht gerade sogar etwas bewegt? Ein Adrenalinschub folgt dem anderen, innere Unruhe macht sich breit. Und hat sich die beste Freundin des Kindes nicht neulich noch so ausgiebig am Kopf gekratzt? Es ist ein Drama, zumal ich meiner Tochter kaum noch liebevoll über den Kopf streichen kann, ohne dabei die dicken Haarsträhnen auseinanderzuteilen und einen prüfenden Blick auf ihre zauselige Haarpracht zu werfen. „Mama, lass das!“, zetert sie dann immer mit empörter Miene in meine Richtung – zu Recht natürlich, denn ein bisschen schäme ich mich auch für meine ausgeprägte Lausparanoia.

Die Entlausung – ein martialischer Akt

Doch wer einmal die dicken und langen krausen Haare eines kleinen Mädchens unter lauten Protesten per Läusekamm bearbeitet hat, der weiß, wovon ich rede, und hat vielleicht ein klein wenig Verständnis. Auf der Liste der Dinge, die die Elternwelt nicht braucht, steht der martialische Akt der Entlausung direkt hinter „die Spuren der nächtlichen Magen-Darm-Attacke entfernen“. Nicht schön – für keinen! Mal ganz abgesehen von der Scham, die einen trotz Reinlichkeit immer wieder befällt, wenn eins der hässlichen kleinen Krabbeltierchen auf das weiße Handtuch auf den Schultern plumpst oder nach Leibeskräften im Läusekamm strampelt. Oder aber spätestens dann, wenn der Kinderarzt bei der fünften Packung Läusemittel, die er binnen eines halben Jahres aufschreibt, die ungläubige Frage stellt, ob denn wohl die ganze Familie mit dem Läusemittel versorgt wird.

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Unvergessen ist in diesem Zusammenhang auch der Moment, als tatsächlich die ganze Familie im Campingurlaub mit frisch entlausten und mit Handtuchturbanen umwickelten Schädeln vorm Zelt die Stellung hielt. Läuse und keine Waschmaschine in der Nähe, das Urlaubsfiasko hätte kaum größer sein können. Da kommen unweigerlich Fragen auf wie: Wer hat uns die Plage dieses Mal eingebrockt? Und: Hätten wir vielleicht doch einmal mehr die Haare waschen müssen oder die Mützen? Auch wenn’s nicht hilft. Denn die Laus scheut weder warmes Wasser noch den Wiederbefall nach erfolgreicher Antilausbehandlung – selbst wenn noch so akribisch Strähne für Strähne bearbeitet wurde, die obligatorische Nachbehandlung selbstredend inklusive.

Wird die Laus schlicht ignoriert, ...

Und genau da steckt die teuflische Laus im Detail: Während ich so dasitze und mal wieder Strähne für Strähne mit dem Läusemittel bearbeite – allein der Geruch des Mittelchens löst bei mir inzwischen Aggressionen aus –, macht sich noch mehr Ärger in mir breit. Aus Frust rechne im Stillen mit all jenen Müttern (und Vätern) ab, die noch nicht von der Lausparanoia befallen sind – und allzu gleichgültig mit dem Thema umgehen. Frei nach dem Motto „Wird die Laus schlicht ignoriert, lebt es sich ganz ungeniert“ („Ihr habt Läuse? Ihhh, die hatten wir noch nie!“). Eine Lösung ist das natürlich nicht.

Mehr lesen: Was wirklich gegen Läuse hilft, nicht alle Mittel sind wirksam

Mit Läusen scheint es mir wie mit Mücken zu sein: Manche Menschen ziehen sie einfach magisch an. Ich werde mich wohl damit arrangieren müssen – immerhin gibt es ein zartes Lichtlein am Ende des laaaangen Läusetunnels: Bald wechselt auch Kind Nummer zwei auf die weiterführende Schule. Ein Lausalarm-Schild habe ich da noch nicht gesichtet. Folglich wird das Elend also – zumindest für uns – ein baldiges Ende finden. Und dann werden wir der Laus samt Paranoia feierlich Lebewohl sagen – möge sie eine neue behagliche Heimat finden. Vielleicht bei all jenen, die sie sowieso ignorieren. Dann juckt es zumindest keinen!

Von Carolin Burchardt/RND

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