Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wissen Erste deutsche Mondlandung in Gefahr – Berliner Start-up meldet Insolvenz an
Mehr Welt Wissen Erste deutsche Mondlandung in Gefahr – Berliner Start-up meldet Insolvenz an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:16 15.07.2019
Das Berliner Raumfahrt-Start-up „PTScientists“ ringt um seine Mondpläne. Quelle: Daniel Karmann/dpa
Berlin

„Auf dem Mond geht das dann nicht so einfach.“ Es ist Ende Juni, Karsten Becker von den PTScientists steht in einem großen Kasten, in dem surrend ein Roboterfahrzeug seine Kreise zieht. Das rote, grobkörnige Vulkangestein unter den Rollen knirscht, während der Rover flink die Richtungen wechselt. Hier, im Firmengebäude in Berlin-Marzahn, kann Becker ihn noch ganz unkompliziert mit einem Tablet steuern. Doch der Rover soll nicht auf der Erde fahren, er soll zum Mond. Und das ist eben nicht ganz so einfach.

Das Berliner Raumfahrt-Start-up PTScientists hat große Ambitionen: Die von ihnen entwickelte Raumsonde „Alina“ soll in den kommenden Jahren auf dem Mond aufsetzen – nicht allzu weit entfernt von der Landestelle von Apollo 17. An der Seite sollen sich die Klappen öffnen und zwei Rover in die leere Weite des Mondes entlassen. Ihre Aufgabe: Zurück zur Apollo-17-Landestelle fahren und herausfinden, was noch übrig ist vom vorerst letzten Besuch zweier Menschen auf dem Mond. Es wäre die erste eigene europäische Mondmission – und die erste deutsche überhaupt.

PTScientists melden Insolvenz an

So weit zumindest der Plan. Doch am 5. Juli meldete das Unternehmen Insolvenz an. Es sei nicht gelungen, rechtzeitig die notwendigen Investitionen und Fördergelder zu bekommen, sagte ein Unternehmenssprecher. Das Ende der Mondpläne – oder nur ein kurzzeitiger Rückschlag? Die PTScientists glauben, dass sie das nötige Geld bald generieren können.

Allerdings: „Der Insolvenzantrag wirft uns zeitlich etwas zurück, weil wir zunächst gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter die weitere Finanzierung des Unternehmens sichern müssen“, räumte Firmenchef Robert Boehme in einer Stellungnahme ein. Geschäftsbetrieb und Forschungsprojekte sollen aber ohne Einschränkungen weiterlaufen. An den Plänen der PTScientists ändert sich erst mal nichts, heißt es.

PTScientists wollen mit dem Mond Geld verdienen

Von außen sieht die Zentrale der PTScientists unscheinbar aus. Niemand würde auf die Idee kommen, dass hinter den Rolltoren des lang gezogenen Gebäudes an Rovern geforscht und Mondlandegeräten getüftelt wird. Das Geschäft nebenan verkauft Autos. Die PTScientists dagegen wollen auf dem Mond Geld verdienen. Der erste Flug zur Landestelle von Apollo 17 soll eigentlich nur beweisen, dass sie das können. Die PTScientists wollen nicht nur einmal, sondern immer wieder zum Mond fliegen – und so eine Mitfahrgelegenheit für andere schaffen.

Der Mond in Zahlen

Lesen Sie hier:
Der Weg zum Mond: Als Kennedy ein Ultimatum stellte

Eine Million Euro für ein Kilogramm Gewicht – das ist der Preis, den man für einen Platz auf Alina zahlen müsste. Einige Universitäten und Forschungsinstitute, die gerne auf dem Mond Experimente machen möchten oder Unternehmen, die dort ihre Produkte testen wollen, hätten schon gebucht oder ihr Interesse bekundet, erklärt Becker. Mit einer möglichen Nutzlast von 300 Kilogramm pro Flug wollen die PTScientists die Entwicklungskosten für Alina und die Rover wieder einspielen, wenn es denn weitergeht. Darüber hinaus ist der Aufbau einer Infrastruktur geplant, etwa die Installation des neuen Mobilfunkstandards LTE gemeinsam mit Vodafone. Die Idee: Wenn der große Run auf den Mond startet, ist das Netz – und damit ein wichtiger Teil der Infrastruktur – schon da.

BDI: Deutschland soll bei der Rückkehr zum Mond zentrale Rolle spielen

Nicht nur die PTScientistst glauben, dass sich mit dem Mond-Business Geld verdienen lässt. Jüngst forderte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) in einem Grundsatzpapier: „Bei der Rückkehr zum Mond sollte die Bundesrepublik eine zentrale Rolle spielen.“ Deutschland solle mehr Geld in den Zukunftsmarkt Weltraum stecken, um sich ein Stück vom Kuchen „New Space“ zu sichern. Die Angst, abgehängt zu werden, ist groß.

Lesen Sie auch:
DLR: „Mars und Mond stehen wieder auf der Tagesordnung“

Die PTScientists galten da als gutes Beispiel, wie so ein Geschäftsmodell aussehen könnte. Und wie man in Europa mit China oder den USA in der „Lunar Economy“ mithalten könnte. Sie haben diese Rolle gerne eingenommen: Man wolle zeigen, dass Europa ein fruchtbarer Boden sein könne, schrieb das Unternehmen im Juni in einer Erklärung. Das sei jedoch „eine Leistung, die wir nicht alleine erreichen können“. Europa müsse sich zur Erforschung des Mondes verpflichten – oder werde zurückgelassen.

Raumfahrt ist ein langsames Business

Doch nicht alle sind von den Erfolgsaussichten der neuen „Lunar Economy“ überzeugt. So glaubt Marco Fuchs, Vizepräsident Raumfahrt beim Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie und Chef des Bremer Raumfahrtunternehmens OHB, nicht, dass man auf diese Weise schnelle Geschäfte machen kann. „Mit Mondflügen verdienen Sie kein Geld. Das macht man aus ideellen oder Prestigegründen“, sagt er der Nachrichtenagentur dpa. Solange es keinen privaten Verkehr zum Mond gebe, bleibe der Markt überschaubar, prognostiziert er.

Lesen Sie auch:
Goldrausch im All

Tatsächlich ist die Raumfahrt ein schwieriges, langsames Business. Einfach mal losfliegen, ausprobieren und es beim nächsten Mal besser machen, ist angesichts der Kosten quasi unmöglich. Die Tatsache, dass es die Amerikaner vor 50 Jahren mit – aus heutiger Sicht – Steinzeittechnik zum Mond geschafft haben, täuscht auch schnell darüber hinweg, wie schwer es noch immer ist, zum Mond zu kommen. Das musste im April auch die israelische Nonprofit-Organisation SpaceIL erfahren. Ihre privat finanzierte Sonde „Beresheet“ zerschellte bei der Landung auf dem Mond – und mit ihr der israelische Traum, als vierte Nation überhaupt auf dem Mond zu landen.

Startet Alina schon in zwei Jahren?

Auch die PTScientists haben einsehen müssen, dass der Start zum Mond wohl doch nicht so schnell geht wie erhofft. Der geplante Starttermin hat sich schon mehrfach herausgezögert. Ursprünglich gründeten sich die PTScientists – wie auch SpaceIL –, um den Google Lunar X Prize zu gewinnen. Damit lobte der Suchmaschinen-Konzern bereits seit dem Jahr 2007 satte 20 Millionen Dollar aus. Das Geld sollten private Unternehmen erhalten, die es vollbrachten, bis zum 31. März 2018 ein Raumschiff auf dem Mond zu landen.

50 Jahre Mondlandung

Doch der Termin kam und verging, ohne dass ein Team auch nur in die Nähe des Mondes gekommen wäre. Der Preis wurde schließlich abgesagt. Die PTScientists machten trotzdem weiter, planten etwa erst einen Start im Jahr 2018, dann 2019 und nun – zumindest vor der Insolvenz – für 2021. Es sei noch zu früh, um zu sagen, ob sich der Zeitplan der ersten Mission verschieben werde, teilte der Unternehmenssprecher nun mit.

Lesen Sie auch:
US-Astronauten sollen 2024 wieder auf dem Mond landen

Von Anna Schughart/RND

Mehr Luftverschmutzung, mehr Lungenschäden – das ist das Ergebnis einer neue Studie. Doch die Schäden, die die Luftverschmutzung anrichtet, sind nicht bei allen Menschen gleich.

13.07.2019

Politische Einstellungen in der Arbeit – ein heikles Thema. Denn wenn verschiedene politische Meinungen aufeinandertreffen, kann der Betriebsfrieden gestört werden. Ab wann drohen Arbeitnehmern wegen ihrer politischen Ansichten Konsequenzen?

12.07.2019

Das Mittelmeer ist für Haie und Rochen ein unsicherer Lebensraum geworden. Bereits 39 Arten gelten als bedroht, vor allem durch Überfischung. Tierschützer fordern konkrete Maßnahmen.

12.07.2019