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Wissen Ecotherapie: Warum achtsames Spazieren glücklich macht
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09:00 23.06.2019
Helmut Nowak ist Coach und Lehrer für Achtsamkeit und Stressbewältigung und schildert hier regelmäßig, wie man lernt, bewusster zu leben. Quelle: privat
Hannover

Schon vor geraumer Zeit machte ich eine interessante Beobachtung: Mir war aufgefallen, dass ich nach einem Gang durch die Natur besser drauf war als vorher. Irgendwie fühlte ich mich danach leichter, entspannter und fröhlicher. Diese Erfahrung war wiederholbar. Fast jedes Mal, wenn ich mich in belegter Stimmung irgendwo im nahen Park oder Stadtwäldchen zu einem Spaziergang aufgemacht hatte und mich nach einer knappen Stunde wieder anderen Dingen zuwandte, konnte ich erfreut feststellen: meine Stimmung war deutlich besser. Dieser Effekt war dann besonders ausgeprägt, wenn ich den Gang durch die Natur mit Meditation verband. Ich bezeichne diese Art der Meditation als „offenes Gewahrwerden der Natur“. Das könnte man in etwa beschreiben mit: Alles darf sein, Keine-Erwartung-Haben nichts wollen, präsent und gegenwärtig sein. Und sich selbst mal in Ruhe lassen.

Zugegeben, das mit dem keine Erwartung haben, stimmt bei mir manchmal nur etwas eingeschränkt. Ich gehe ab und zu schon los mit der heimlichen Hoffnung, dass sich dadurch mein Wohlgefühl verbessert. Ja und meistens wird’s auch was. Wenn nicht, dann wird daraus eine Übung im Annehmen und Akzeptieren, dass es so ist, wie es ist.

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Wahrnehmungen und Gedanken ziehen lassen

Wie geht nun diese Naturmeditation? Ganz einfach: Man ist für alle Eindrücke offen. Daher auch die Bezeichnung „offenes Gewahrsein“. Es ist so eine Art frei schwebende Aufmerksamkeit. Alle Wahrnehmungskanäle und Sensoren sind offen. Alles, was sich in den Vordergrund schiebt, kommt ins Bewusstsein, nehmen wir wahr, ohne daran kleben zu bleiben, sondern lassen es wieder ziehen. Wir bemerken zum Beispiel die zarte Grünvielfalt der Bäume. Innerlich sagen wir etwa: „Aha“, und öffnen uns wieder für einen anderen Eindruck, dessen wir uns bewusst werden. Für den Gesang eines Vogels, einen Gedanken, die Empfindung des Windes im Gesicht oder die Wärme der Sonnenstrahlen. Egal, was wir wahrnehmen, auch Gedanken, alles lassen wir wieder ziehen und weiten unsere Aufmerksamkeit – lassen zu, was als Nächstes auf der Bühne unserer Bewusstheit erscheint. Toppen lässt sich das zusätzlich, wenn man es mit einem Gefühl der Dankbarkeit verbindet.

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Gang durch die Natur hat heilende Wirkung

Ecotherapie heißt der heilsame Genuss der Natur. Eine Studie der Universität in Essex hat gezeigt, dass 90 Prozent der Probanden mit Depression ein höheres Selbstbewusstsein nach einem Spaziergang durch die Natur verspürten, und fast drei Viertel fühlten sich weniger depressiv. Eine weitere Studie wurde von der University of Queensland durchgeführt mit dem Ergebnis, dass der regelmäßige Gang in der Natur mit einem geringeren Risiko von Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Stress und Angst belohnt wird.

10.000 Schritte für mehr Gesundheit und Glück

Selbst wenn man nur den Gesundheitseffekt des Gehens untersucht, kommt man auf erstaunliche Ergebnisse. So hat Peter Schwarz, Professor für Medizin an der Uni Dresden, herausgefunden: Wer täglich 10 000 Schritte geht, kann sein Risiko, an Alzheimer zu erkranken, um 50 Prozent reduzieren. Je mehr Schritte man täglich geht, desto mehr verringert sich das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Das Gehen senkt den Blutzuckerspiegel bei Diabtikern – und zwar in einer eindrucksvollen Größenordnung. Ganz allgemein gilt, so betont Peter Schwarz, dass das Gehirn von Menschen, die viel gehen, besser durchblutet ist und vermehrt Endorphine ausschüttet. Zusammengefasst lautet die Erkenntnis: Wer viel läuft, ist selbstbewusster, gesünder und glücklicher.

Das wusste offensichtlich auch schon der berühmte griechische Arzt Hippokrates von Kos (um 460 bis 370 v. Chr.). Er wurde schon zu Lebzeiten sehr verehrt und gilt als Vater der „modernen“ Medizin. Sein Credo: „Gehen ist des Menschen beste Medizin.“ Und die aktuelle Forschung belegt klar, dass all diese Effekte noch ausgeprägter sind, wenn man nicht nur irgendwie, sondern mit Achtsamkeit und in der Natur geht.

Der Autor ist zu erreichen unter www.achtsamkeit-und-co.de.

Von RND/Helmut Nowak

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