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Wissen „Eine tickende Zeitbombe“: Masern weiter auf dem Vormarsch
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14:14 25.04.2019
Eine Frau erhält eine Masern-, Mumps- und Röteln-Impfung im Rockland County Health Department. Die US-Gesundheitsbehörde CDC registriert eine Rekordzahl von Masern-Fällen. Quelle: Seth Wenig/AP/dpa
Hannover

Die US-Gesundheitsbehörde CDC meldet einen neuen Rekord an Masernzahlen. Die Zahl der gemeldeten Krankheitsfälle aus 22 Bundesstaaten ist auf 695 gestiegen. „Das ist die höchste Zahl von Fällen, die seit der Eliminierung der Masern in diesem Land im Jahr 2000 in den Vereinigten Staaten gemeldet wurde“, teilte die Behörde mit. Die hohe Zahl sei vor allem auf größere Ausbrüche im US-Staat Washington sowie in der Stadt und im gleichnamigen Bundesstaat New York seit Ende 2018 zurückzuführen. Je länger die Ausbrüche andauerten, desto größer sei die Wahrscheinlichkeit, dass die Krankheit wieder in den USA Fuß fassen könne, hieß es.

Masernfälle als Importproblem

Die jetzt aufgetretenen Masernfälle in den USA sind ein Importproblem. Denn eingeschleppt wurde die Krankheit Ende September, Anfang Oktober durch ungeimpfte Reisende, die aus Israel zurückkamen. Sie gehörten einer besonders religiösen Gruppe orthodoxer Juden an, die sich – entgegen den religiösen Vorgaben – nicht impfen lassen wollten. So wurden die Masern in den New Yorker Bezirk Brooklyn und orthodoxe Wohnviertel wie Williamsburg eingeschleppt. Die USA hatten sich im Jahr 2000 als frei von Masern erklärt.

Auch die weitere Ausbreitung der Krankheit führte die US-Gesundheitsbehörde CDC auf einen unzureichenden Impfschutz zurück. Schuld daran seien unter anderem Fehlinformationen über die Sicherheit von Impfstoffen. „Impfstoffe sind eine sichere und höchst effektive Lösung (...) zur Vorbeugung gegen die Krankheit“, betonte Gesundheitsminister Alex Azar in einer Mitteilung. Radikale Impfgegner machen jedoch aus religiösen oder ideologischen Gründen mobil gegen Impfungen, besonders bei Kindern.

Mehr als eine halbe Million britischer Kinder ohne Impfschutz

Auch Großbritannien meldet eine Rekordzahl an Masernerkrankungen. Allein in Manchester wurden 47 Fälle gemeldet. 2018 gab es drei, 2017 sieben Erkrankungen. Auch die Zunahme der englischen Fälle sei auf fehlenden Impfschutz zurückzuführen, Will Welfare, Manchester für Gesundheitsvorsorge zuständig, sagte er der BBC. „Völlig unbegründete Ängste, der Mumps-Masern-Röteln-Impfstoff (MMR) könne Autismus auslösen, haben dazu geführt, dass viele Menschen der Impfung misstrauen.“ Die Zahl der Masernfälle habe sich innerhalb eines Jahres vervierfacht. Und für Simon Stevens, den Chef der britischen Gesundheitsbehörde NHS sind Menschen, die eine Impfung verweigern, „eine tickende Zeitbombe für die öffentliche Gesundheit“.

Mehr als eine halbe Million Kinder in Großbritannien hatten zwischen 2010 und 2017 keinen ausreichenden Impfschutz gegen Masern, wie eine Analyse des UNO-Kinderhilfswerks Unicef belegt. Weltweit waren im selben Zeitraum 169 Millionen Kinder ohne Impfschutz. Im Durchschnitt erhalten nach Schätzungen von Unicef jährlich 21,1 Millionen Kinder weltweit nicht die erste Dosis ihrer Masern-Impfung. In Deutschland hätten zwischen 2010 und 2017 insgesamt 168.000 Kinder ihrer erste Masern-Impfung versäumt, so Unicef.

Dramatische Situation in Entwicklungsländern

Besonders dramatisch ist die Situation in der Dritten Welt, vor allem in großen Teilen Asiens und Afrikas sowie in Osteuropa. Für einen vollständigen Schutz sind Unicef zufolge zwei Masern-Impfungen nötig. Die globale Impfrate habe im Jahr 2017 bei der ersten Dosis bei 85 Prozent, bei der zweiten bei 67 Prozent gelegen. Mangelnde Kühlmöglichkeiten für den Impfstoff in vielen Regionen Afrikas stellen eine zusätzliche Bedrohung dar.

So starben im Südsudan mehrere Kinder, obwohl sie geimpft worden waren. Offensichtlich war die Kühlkette der Medikamente unterbrochen worden. Die Impfstoffe gegen Masern müssen bei Temperaturen zwischen zwei und acht Grad Celsius gelagert werden. Im Südsudan breitet sich deshalb die Krankheit aus, obwohl in den zwölf besonders betroffenen Bezirken eine Notimpfkampagne gestartet wurde.

Tödliche Gefahr auch in Europa

Doch auch in Europa können Masern eine tödliche Gefahr darstellen. Bei 80.000 Maserninfektionen in Europa habe es 2018 mehr als 70 Todesfälle gegeben, erklärten die WHO und das EU-Präventionszentrum ECDC zum Start der Europäischen Impfwoche, die noch bis zum 30. April läuft. Deshalb werben die WHO und die EU gemeinsam für das Impfen. Das Impfen und die Vorbehalte dagegen werden auch in Deutschland heftig diskutiert.

„Überzeugungsarbeit besser als Impfpflicht“

Gesundheitspolitiker fordern vermehrt die Einführung einer Impfpflicht hierzulande. Das halten aber gerade Befürworter einer flächendeckenden Impfprävention, darunter auch das Robert-Koch-Institut, für den falschen Weg.

Historiker Malte Thießen erinnerte im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland daran, dass es schon im Kaiserreich eine Impfpflicht – seinerzeit gegen Pocken – und wütende Proteste dagegen gegeben hätte. „Die Reflexe gegen die Impfpflicht waren damals dennoch dieselben wie heute. In erster Linie ging es um die Angst vor Impfschäden“, sagt Thießen.

Aus der Geschichte gelte es die richtigen Schlüsse zu ziehen: „Sobald etwas zur Pflicht wird, mobilisiert es die Gegner und schürt Ängste. Überzeugungsarbeit und kostenlose Impfungen waren schon immer der bessere Weg“, sagte Thießen.

Von Daniel Killy/Sonja Fröhlich/RND

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