Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wissen Deutsche Roboter kämpfen bei Fußball-WM um Titel
Mehr Welt Wissen Deutsche Roboter kämpfen bei Fußball-WM um Titel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:20 14.06.2010
Drei Roboter pro Team spielen in zwei Halbzeiten von je zehn Minuten, dazwischen gibt es vom Trainer eine Ladung Strom. Quelle: dpa
Anzeige

Vom Verletzungspech, das jüngst die deutsche Fußballnationalmannschaft plagte, kann Thomas Röfer vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Bremen ein Lied singen. Bei seiner Mannschaft gehen öfter Arme, Beine und sogar Nacken zu Bruch. Manchmal sackt ein Spieler auf dem Feld zusammen und wird weggetragen. Aber das ist halb so schlimm. Seine Roboter sind hart im Nehmen. Und erfolgreich: Das Roboter-Fußballteam „B-Human“ des DFKI und der Universität Bremen fährt nach seinem Sieg bei den diesjährigen German Open vom 19. bis 25. Juni zur „RoboCup“-Weltmeisterschaft nach Singapur. Die 55 Zentimeter hohen, zweibeinigen High-Tech-Geräte verteidigen dort den Titel.

Von künstlicher Intelligenz spreche man bei Systemen, die den Menschen nachahmen, erklärt Röfer. Dazu gehöre auch die Fähigkeit zur Bewegung. Die Schnellsten sind Howard und Stuart, zwei der acht Roboter aus Röfers Kader, aber nicht. „Was uns fürchterlich leicht fällt, fällt Computern unheimlich schwer“, erklärt der Informatiker. Laufen und dabei die Balance halten zum Beispiel. Stuart, endlich am Ball, tänzelt unentschlossen herum, dreht seinen Kopf unter leisem Surren nach oben, zur Seite, wieder zum Ball, und irgendwie sieht er dabei ein wenig hilflos aus. Doch dann geht er leicht in die Knie, holt aus und schießt.

Anzeige

Während eines Spiels sind die Roboter auf sich gestellt. Über ein drahtloses Netzwerk verständigen sie sich aber untereinander und erfahren von den Entscheidungen des Schiedsrichters. Drei Roboter pro Team spielen in zwei Halbzeiten von je zehn Minuten, dazwischen gibt es vom Trainer eine Ladung Strom.

Bis zum Jahr 2050 soll es möglich sein, dass die Roboter gegen eine echte Fußballmannschaft antreten, sagt Röfer. Vorher müsse noch viel passieren. „Aber irgendwann geht technische Entwicklung unheimlich schnell.“ Die entsprechenden Technologien haben auch andere Anwendungen. Sich räumlich zu orientieren oder stabil und sicher zu bewegen, sind Fähigkeiten, die auch für Rettungsroboter oder automatisierte Rollstühle nützlich sind.

Die Software dazu schreiben unter anderem Röfers Studenten. Neben dem wenige Meter langen Spielfeld arbeiten mehrere angehende Informatiker an ihren Laptops. Das Training besteht darin, neue Schüsse zu programmieren und das Tempo zu erhöhen. Judith Müller, ehemalige Studentin Röfers, versucht, Howard und Stuart das Passspiel beizubringen.

Die Software, mit der das DFKI vergangenes Jahr den Titel holte, steht dieses Jahr allen anderen Mannschaften zur Verfügung. „Wir wollen nicht nur gewinnen“, sagt Judith Müller. „Wir wollen auch Forschung betreiben.“ Deshalb sollen Fortschritte in der Softwareentwicklung allen zugänglich sein. „Das zwingt uns jetzt, besser zu sein als letztes Jahr“, sagt Röfer. Das Ziel ist der Titel, ein Ausscheiden vor dem Halbfinale wäre „sehr enttäuschend“. Das respektable Torverhältnis (54:2) bei den German Open lässt hoffen.

dpa