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Wissen Demografischer Wandel bedroht Solidarität der Generationen
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20:30 11.04.2010
Wer Kinder und Enkelkinder hat oder Letztere von seinen erwachsenen Kindern erhoffe, unterstützt staatliche Transfers von älteren an jüngere Generationen deutlich mehr als dies Kinderlose.
Wer Kinder und Enkelkinder hat oder Letztere von seinen erwachsenen Kindern erhoffe, unterstützt staatliche Transfers von älteren an jüngere Generationen deutlich mehr als dies Kinderlose. Quelle: dpa (Archiv)
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Der Autor, Harald Wilkoszewski vom internationalen Wissenschaftsverbund Population Europe in Berlin, hat zwei Befragungen von insgesamt 14.000 Bundesbürgern daraufhin untersucht, ob Einstellungen zur Familien- und Rentenpolitik davon abhingen, wie alt die Befragten seien und ob sie Kinder oder Enkelkinder hätten, wie die „Welt am Sonntag“ schreibt.

Je älter die Menschen sind, umso weniger heißen sie es demnach gut, dass öffentliche Gelder an Familien und Kinder fließen und umso mehr fordern sie zusätzliche Mittel für Rentner. Wer Kinder und Enkelkinder hat oder Letztere von seinen erwachsenen Kindern erhoffe, unterstütze dagegen staatliche Transfers von älteren an jüngere Generationen deutlich mehr als dies Kinderlose täten.

Wilkoszewski wertete laut der Zeitung zwei umfangreiche Datensätze aus den Jahren 2003 und 2005 neu aus. Beide Male wurde unter anderem erhoben, was die Menschen über staatliche Zahlungen für Familien denken, etwa Kindergeld oder Steuernachlässe, wie sie Maßnahmen zur zeitlichen Entlastung junger Eltern finden, etwa öffentliche Kleinkinderbetreuung, und ob die Rentenkassen höhere Steuerzuschüsse erhalten sollten, damit die Zahlungen nicht sinken.

Den Erkenntnissen zufolge ist die Zustimmung eines 65-Jährigen zu einer Kindergelderhöhung um 85 Prozent weniger wahrscheinlich als die eines 20-Jährigen. Das Einverständnis mit flexibleren Arbeitszeiten für Eltern sinkt demnach zwischen dem 20. und dem 65. Lebensjahr um 50 Prozent.

Umgekehrt sprächen sich Ältere sehr viel stärker für Änderungen des Rentensystems zulasten der Jüngeren aus: Menschen ab 55 missbilligten die Erhöhung des Rentenalters und die Kürzung der Bezüge, sie befürworteten Steuererhöhungen zur Finanzierung der Rente. Bei 65-Jährigen sei die Zustimmung zu solchen Änderungen um gut 70 Prozent häufiger als bei 20-Jährigen, ergab die Auswertung dem Bericht zufolge.

Ältere und kinderlose Befragte seien „weniger geneigt, öffentliche Transfers für Familien mit Kindern zu unterstützen, sind aber mehr geneigt, eine Rentenpolitik zu bevorzugen, die der jüngeren Generation eine größere Last aufbürdet“, resümiert Wilkoszewski laut der Zeitung.

apd