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11:17 20.01.2020
Beim Co-Parenting ziehen oftmals auch mehr als zwei Menschen ein Kind gemeinsam groß. Quelle: sewcream - stock.adobe.com
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Hannover

Ob für Singles, homosexuelle Paare oder Alleinerziehende: Co-Parenting wird in Deutschland immer beliebter. Das Modell: Frauen und Männer, die sich einen Kinderwunsch erfüllen wollen, suchen sich einen oder mehrere Partner, mit dem sie in enger Abstimmung arbeitsteilig ein Kind großziehen, ohne in einer Beziehung zu sein oder sich zu lieben. „Familie ist nicht nur das traditionelle Modell, sondern eine Zusammenstellung von Menschen, die sich gern haben und unter Umständen miteinander verwandt sind“, sagt Christine Wagner, Gründerin der ersten deutschen Co-Parenting Plattform familyship.

Co-Parenting: Die Nachfrage steigt

Das im deutschsprachigen Raum noch relativ neue Familienmodell kam in den 1960er-Jahren erstmals in den USA auf und ermöglicht Menschen, die in keiner Liebesbeziehung miteinander sind, die gemeinsame Erziehung eines Kindes. Dabei suchen zwar viele homosexuelle Paare nach einem passenden Vater oder einer Mutter. Ausschlaggebend ist die sexuelle Orientierung allerdings nicht. „Die größte Nutzergruppe bei uns sind Frauen Mitte 30“, erzählt Wagner. „Die suchen zum Beispiel ein schwules Paar, weil sie nicht alleinerziehend oder emotional gebunden sein wollen.“

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Wer nutzt Co-Parenting-Plattformen?

Von klassischen Samenspendern bis hin zu Menschen, die eine Elternschaft wollen und den passenden Partner dafür in ihrer Nähe suchen: Auf der Plattform familyship gibt es verschiedene Arten der Co-Elternschaft. „Es ist zum Beispiel auch möglich, ein Vater mit Onkelfunktion zu werden – also jemand, der nicht jeden Tag an der Erziehung beteiligt ist“, so Wagner. Außerdem suchen viele Alleinerziehende nach einem passenden Partner, weil sie sich ein Geschwisterkind für den Nachwuchs wünschen. „Dazu zählen auch viele Männer, die nicht wollen, dass die Frau im Zweifelsfall mit dem Kind verschwindet“, meint die Expertin.

Die Kategorien werden nicht genau definiert. In einem Textfeld kann man sich und seine Wünsche als Nutzer der Plattform beschreiben.

Arrangiertes Familienglück: Unerwartete Konstellationen

Durch das Co-Parenting, oder auch Co-Elternschaft, kommen zahlreiche, individuelle Konstellationen zustande – beispielsweise zwei Frauen, die ein Kind gemeinsam mit zwei Männern großziehen. „Die Vier haben sich zwei Reihenhäuser nebeneinander gekauft“, erzählt Wagner. „Ich kenne zum Beispiel auch ein homosexuelles Paar, das mit einer Heterofrau in einer Wohngemeinschaft lebt.“

Vor- und Nachteile einer Co-Elternschaft

Die Co-Elternschaft ist keine Entscheidung, die über Nacht getroffen wird. Für Familienforscher gilt als klarer Vorteil, dass sich gleich mehrere Erwachsene, die sich bestenfalls allesamt gut verstehen und respektvoll miteinander umgehen, gleichermaßen um ein Kind kümmern. „Eine Freundschaft ist außerdem oft stabiler als eine Partnerschaft“, meint Gründerin Christine Wagner. Dass der Nachwuchs auf dem Schulhof gehänselt werden könnte, denkt sie nicht: „Ich glaube, die neue Generation ist inzwischen aufgeklärter.“

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Experten weisen aber darauf hin, dass sich Eltern in einer Beziehung ohne Emotionen selten oder gar nicht streiten. Das Kind könnte so unter Umständen nie richtig lernen, mit Konflikten umzugehen. „Der Nachteil, den ich sehe, bezieht sich eher auf die Eltern: Manchmal gibt es ganz viel Trubel und an anderen Tagen ist man plötzlich ganz allein, weil das Kind bei dem anderen Elternteil ist. Da fühlt sich der ein oder andere einsam“, meint Wagner.

Eltern sein – auch ganz ohne Freundschaft?

Ganz ohne eine Verbindung sei eine Co-Elternschaft laut Gründerin Christine Wagner nicht möglich: „Das kann durchaus ein bisschen zweckmäßiger sein – das Kind wird dennoch gelegentlich einen gemeinsamen Ausflug oder einen Urlaub einfordern.“

Von Jessica Orlowicz/RND

Der Artikel "Co-Parenting: Wie Singles ohne eine Beziehung Familien gründen" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

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