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Wissen Businessmode für Männer: Lässig ist das neue Seriös
Mehr Welt Wissen Businessmode für Männer: Lässig ist das neue Seriös
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16:14 02.09.2019
Es geht auch ohne Krawatte. Quelle: Krystian Krzewins/Unsplash

Früher war die Welt noch in Ordnung: Perfekt sitzende Anzüge, maßgeschneiderte Hemden und handgenähte Schuhe waren zum Beispiel ein sicheres Zeichen für die oberen Chefetagen. Doch die alten Statussymbole geraten ins Wanken. Seit beispielsweise David Salomon auf dem Chefsessel des traditionsreichen Geldhauses Goldman Sachs Platz genommen hat, ist der Dresscode der Geschäftswelt sogar an der Wall Street Makulatur. Nicht nur, dass Salomon gern mal selbst in Jogginghose und Turnschuhen im New Yorker Headquarter auftaucht – wenn der Chef Feierabend macht, geht er seinem Hobby als DJ im Nachtleben der Metropole nach.

Die alten Codes sind Geschichte, das neue Seriös heißt Lässig. Auch bei den deutschen Sparkassen. „Unter dem Motto ,Gute Beratung braucht weder Anzug noch Kostüm’ haben wir bereits vor rund drei Jahren einen legeren Dresscode eingeführt: den Haspa Business Casual“, sagt Stefanie von Carlsburg, Unternehmenssprecherin der Hamburger Sparkasse (Haspa). Die Schlipspflicht wurde abgeschafft. Und zwar vom Vorstandsvorsitzenden bis zum Auszubildenden. „Das war damals einmalig in der Bankenlandschaft“, sagt Carlsburg. Der Look der New-Economy-Symbolik hat es bis in die Kassenhalle geschafft. Und das kommt an.

Chinos, Sakko, Hemd: In vielen Firmen bestimmen die Mitarbeiter den Dresscode

Die Frankfurter Sparkasse zum Beispiel ließ ihre Kunden über den Dresscode der Mitarbeiter abstimmen. Mithilfe von Befragungsterminals konnten die Kunden entscheiden, von welchem Team sie sich am liebsten beraten lassen würden. Ergebnis: Die Frankfurter Kunden sprechen am liebsten mit einem Berater im sogenannten Business-Casual-Outfit. Für weibliche Mitarbeiter heißt das: Kleid, Blazer und sportliche Schuhe. Das männliche Pendant trägt Chinohose, Sakko und Hemd. Knapp dahinter lag die Casual-Variante, die dunkle Jeans und einen hellen Pullover vorsah. Die Business-Version landete in der Abstimmung weit abgeschlagen auf dem letzten Platz.

Die Vorbilder für die neue Lockerheit sitzen im kalifornischen Silicon Valley, das für seine Nonkonformität bekannt ist. Als beispielsweise Facebook-Chef Mark Zuckerberg 2012 Investoren im Hoodie vom Börsengang seines Unternehmens überzeugen wollte, war kurz darauf vom neuen „Kapuzenpulli-Kapitalismus“ die Rede. Die Stilexperten der „Welt“ nahmen die Momentaufnahme sogar zum Anlass, um über „die Relevanz des Hoodies im digitalen Zeitalter“ zu sinnieren.

Meistens im Hoodie: Facebook-Chef Mark Zuckerberg.

Auch in Deutschland befreien sich immer mehr Manager von umständlichen Förmlichkeiten und eng sitzenden Oxford-Schuhen. Dieter Zetsche, ehemaliger Daimler-CEO und mittlerweile Tui-Aufsichtsratsvorsitzender, verkündete die Konzernzahlen des Stuttgarter Autobauers zuletzt am liebsten in Jeans und legerem Hemd. Auf dem Unternehmensblog des Automobilherstellers titelte das Kommunikationsteam schon 2015 „Schlips Ade“. „Beim Daimler“ zähle Persönlichkeit. Deshalb sei auch outfittechnisch im Konzern Individualität gefragt.

Schlips adé und Turnschuhe zum Anzug: Auch in Vorstandsetagen wird’s casual

"Schlips adé": Dieter Zetsche in seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender der Daimler AG.

Eine gute Beratung braucht weder Anzug noch Kostüm.

Stefanie von Carlsburg, Sprecherin der Hamburger Sparkasse

Aber können jetzt alle einfach irgendwie ins Büro kommen? Und darf man, wenn man schon keine Krawatte trägt, auch gleich im Turnschuh ins Meeting? Vor allem konservative Unternehmen sind verunsichert – und suchen Hilfe. Nicht wenige landen bei Imageberaterin Christiane Dierks. Derzeit berät Dierks die Berliner Immobilien Management GmbH. „Da geht es um wertige Objekte“, sagt sie. Das sei kein Grund, auf ein lockeres Hemd und eine lässige Hose verzichten zu müssen. Aber einfach nur die Krawatte wegzulassen sei auch keine Lösung: „Die Mitarbeiter müssen sich angemessen zur Situation kleiden. Legere Kleidung ist im Arbeitsalltag möglich – zu wichtigen Anlässen braucht es dort aber auch weiterhin ein formelles Auftreten“, sagt sie.

Red-Sneaker-Effekt: Manager, die Sneaker tragen, gelten als dynamisch und stark

Durchschlagskraft und Respekt: der Turnschuh am Managerfuß. Quelle: imago/Werner Schulze

Höhepunkt der neuen Individualität ist der Turnschuh. Der Sneaker zur Anzughose ist zwar spätestens nicht mehr neu, seit Moderator Cherno Jobatey regelmäßig verschiedene Modelle im „Morgenmagazin“ des ZDF präsentiert, in so manchem klassischen Kundengespräch aber immerhin noch ungewöhnlich. Dabei hat der Turnschuh gerade in der Geschäftswelt Vorteile, wie Wissenschaftler der US-amerikanischen Harvard-Universität in einer Studie feststellten. Demnach gibt es einen sogenannten Red-Sneaker-Effekt, auf den beispielsweise Allianz-Chef Oliver Bäte setzt. Der rote Turnschuh am Managerfuß soll Durchschlagskraft symbolisieren und Respekt verschaffen, zitiert die „Washington Post“ aus der Untersuchung. Der Turnschuh stehe für den Kulturwandel, den viele Unternehmen in Zeiten der Digitalisierung anstreben. Der Lederschuh sei dagegen ein Überrest der Old Economy. Heißt: Menschen, die zum Sneaker greifen, wirken offenbar selbstbewusster.

Lesen Sie auch: Stilvoll angezogen: „Ein angemessener Look zeigt Respekt“

Das wusste offenbar schon Steve Jobs. Der Apple-Gründer, bekannt für seinen Normcore-Stil (graues T-Shirt, schwarzer Rollkragenpullover, Jeans) verhalf seinerzeit dem New-Balance-Schuh der Serie 990 zu neuer Prominenz. Nur auf Signalfarben verzichtete er noch.

Von Nora Lysk/RND

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