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Mehr Welt Wissen Bunt statt beige: Warum Styling keine Frage des Alters ist
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11:22 25.10.2019
Auch, wenn man in die Jahre kommt, darf man sich weiterhin modisch kleiden. Quelle: Getty Images/iStockphoto
Berlin

"So kannst du nicht rumlaufen!" Viele Teenager müssen sich diesen Satz anhören - und ältere Menschen manchmal auch, vor allem Frauen. Weil sie knallige Farben statt Beigetöne wählen oder Schuhe mit hohen Absätzen statt flacher Bequemtreter. Und, oh großer Schreck, vielleicht sogar noch einen kurzen Rock. "Es gibt tradierte Bilder, dass ältere Frauen sich optisch zurückzuziehen haben. Das haben viele verinnerlicht und erwarten es auch von anderen", erklärt Elke Giese. Die 69-jährige Trendforscherin und Modedesignerin aus Berlin leitete fast 20 Jahre lang das Ressort Mode beim Deutschen Mode-Institut. Zugleich erreicht nun eine Generation das Seniorenalter, die so aktiv, fit und junggeblieben ist wie keine vor ihr. Und die deshalb auf gar keinen Fall alt aussehen möchte. In diesem Spannungsfeld als älterer Mensch seinen Modestil zu finden, ist gar nicht so leicht.

Kleider machen Leute: Neue Generation der Senioren

Man drückt mit seinem visuellen Erscheinungsbild immer sich selbst aus.

Elke Giese, Trendforscherin und Modedesignern aus Berlin

Der oft zitierte Spruch "Kleider machen Leute" hat in jedem Alter seine Berechtigung, ist Elke Giese überzeugt. Für eine Studie wollte sie vor einigen Jahren von Frauen im Alter zwischen 45 und 70 Jahren wissen, was ihnen modisch wichtig ist und wie sich ihr Stil im Laufe der Jahre gewandelt hat. Ergebnis: Sie wollen nicht mit Jüngeren konkurrieren - aber attraktiv sein. "Man drückt mit seinem visuellen Erscheinungsbild immer sich selbst aus", sagt Giese. "Und das beeinflusst, wie man angesprochen, wie mit einem umgegangen wird." Wer durch einen betont unauffälligen Stil optisch verschwindet, werde auch als Person weniger wahrgenommen.

Das gilt besonders für eine Farbe, die viele Älteren nach wie vor gerne tragen: "Beige ist zum in Mitteleuropa vorherrschenden Hautton grundsätzlich keine gute Wahl. Es lässt die Konturen verschwinden, man wirkt weniger klar, weniger strukturiert", erklärt die Farb- und Stilberaterin Jasmin Link aus Stromberg (Rheinland-Pfalz).

Ein lockeres Verhältnis zu sich selbst entwickeln

Viele ihrer älteren Kundinnen kommen zu ihr in einer Phase, in der sich im Leben etwas verändert, erzählt Link. Wenn sie in Rente gehen zum Beispiel. "Sie wollen weiterhin aktiv und agil wirken." Und sie merken gleichzeitig, dass sich der Körper verändert: die Haarfarbe, die Haut - und dass sich manches Kleidungsstück und mancher Look früherer Jahre nicht mehr passend anfühlt.

"Man rutscht zusammen, am Hals, in der Taille. Die Arme sehen nicht mehr so schön aus", beschreibt Mode-Expertin Elke Giese. Es sei zwar nicht immer ganz leicht, die Veränderungen zu akzeptieren, lohne sich aber. Denn: "Frauen sollten nicht zwanghaft versuchen, jünger auszusehen, das geht immer nach hinten los." Ein lockeres Verhältnis zu sich selbst mache attraktiv - für Männer gelte dies übrigens auch.

Ganz praktisch bedeutet das: lieber eine leichte Leinenbluse mit Kragen anstelle eines ärmellosen Sommerkleids abziehen, lieber eine gerade Hose statt einer eng anliegenden Skinny-Jeans oder ein buntes Tuch zum Shirt kombinieren. "Es lohnt sich, nach guten Schnitten zu schauen, die mit einer leichten Taillierung die Figur unterstreichen", sagt Giese.

Schluppenbluse und klassische Kostüme machen alt

Auch Typberaterin Jasmin Link empfiehlt eine gute, nicht zu enge, aber auch nicht zu weite Passform. Längere Oberteile und Cardigans seien meistens eine gute Wahl. Eine Schluppenbluse - mit einem Textilband am Kragen - und klassisches Kostüme dagegen "machen alt".

Die Farben dürften kontrastreich sein, "besonders zu grauen und weißen Haaren", sagt Link. Das gelte in ähnlicher Weise für das Make-up: Zart nachgezeichnete Brauen und Lippenstift sorgen für Kontur. Und mit Rouge, das von der Mitte der Wangenknochen Richtung Schläfen verstrichen wird, lasse sich ein natürlicher Lifting-Effekt erzielen. Puder ist keine gute Wahl: Es setzt sich in Fältchen ab.

Auch ältere Männer sind in Stilfragen unsicher

Viele Männer versuchen, mit den Jüngeren und deren starkem Körperkult zu wetteifern.

Trendforscherin Elke Giese

Unsicherheit in Stilfragen beobachtet Trendforscherin Elke Giese nicht nur bei Frauen: "Viele Männer versuchen, mit den Jüngeren und deren starkem Körperkult zu wetteifern." T-Shirts, Jerseyhosen oder nackte Beine - da seien "gruselige Dinge" zu sehen. Dabei gebe es auch für ältere Männer stilvolle Casual-Mode, etwa Polohemden.

Oft fehlen jedoch inspirierende Vorbilder, wenn Frauen oder Männer nach einem Stil suchen, der zum Lebensalter passt und nicht altbacken aussieht. Die Models auf den Laufstegen sind jung, auch die meisten Modelabel haben eine jüngere Zielgruppe im Blick.

Modeblogs zeigen stylische ältere Menschen

Doch allmählich werden die Älteren sichtbarer. Die 97-jährige New Yorkerin Iris Apfel, die ihre Styles auf Instagram postet, ist Kult. Ari Seth Cohen fotografiert den Streetstyle älterer Menschen in aller Welt und zeigt die Bilder in seinem Blog.

Gabriele Thiel-Hebborn aus Bonn ist eine der wenigen Ü60-Modebloggerinnen in Deutschland. Als "Gabriele immerschön" schreibt die 61-Jährige seit 2015 auf, was sie bewegt und antreibt, und zeigt dazu ihren ganz persönlichen Look. Viele Kleidungsstücke stammen aus Second-Hand-Läden. Schnelllebige Trend-Teile, die nach einer Saison in den Container wandern, sind ihr ein Graus. Man brauche sie auch gar nicht, um attraktiv aufzutreten.

Präsenz ist ein Geschenk des Älterwerdens

"Modisch bin ich mit dem, was zu meiner Lebensweise passt", sagt die Bloggerin. "Grundvoraussetzung, um zu wissen, was ich tragen möchte, ist, mich zu fragen, wer ich bin. Nicht, wie mich die anderen sehen."

Modetrends hinterher zu hecheln, sei der falsche Weg. Das hätten ältere Frauen auch gar nicht nötig, findet Thiel-Hebborn. Sie will auch kein modisches Vorbild sein - eher eine Mutmacherin für andere Frauen, zu sich und zur eigenen Lebensweise zu stehen und weniger die Last des Alterns zu sehen als die Freiheiten, die sich bieten, wenn die Pflichten in Job und Familie weniger werden.

"Präsenz, darum dreht sich alles bei Frauen in unserem Alter", sagt Thiel-Hebborn. "Diese Präsenz ist nur möglich, wenn ich bei mir bleibe. Das zu können, ist auch ein Geschenk des Älterwerdens."

RND/dpa

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