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Wissen Brot, Brötchen und Müsli ade: Was wir uns beim Frühstück von anderen Ländern abschauen können
Mehr Welt Wissen Brot, Brötchen und Müsli ade: Was wir uns beim Frühstück von anderen Ländern abschauen können
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16:32 08.04.2021
In rußgeschwärzten Kesseln wird dampfende Pho zubereitet, die klassische nordvietnamesische Frühstückssuppe. In Deutschland sind Suppen zum Frühstück noch umstritten.
In rußgeschwärzten Kesseln wird dampfende Pho zubereitet, die klassische nordvietnamesische Frühstückssuppe. In Deutschland sind Suppen zum Frühstück noch umstritten. Quelle: GoodEats YQR/Unsplash
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Die Luft ist in Hanoi auch noch nach Sonnenaufgang so feucht, dass man sie auswringen könnte, wenn man sie nur zu fassen bekäme. Das Thermometer zeigt über 30 Grad. Trotzdem versammeln sich Vietnamesen in der ganzen Stadt an Suppenküchen, die mit der Dämmerung öffnen.

In rußgeschwärzten Kesseln wird dampfende Pho zubereitet, die klassische nordvietnamesische Frühstückssuppe mit leichter Hühnerbrühe und Reisbandnudeln. Hinzu kommt meist rohes oder gekochtes Rindfleisch. In manchen Teilen des Landes wird die Suppe auch mit Huhn, Fisch, Ente, Schwein, Schweineherz, Ei oder Bohnen serviert. Was nie fehlt: eine Schüssel in der Tischmitte mit Salaten und Kräutern wie Thai-Basilikum, Minze oder Koriander, die mit Stäbchen roh durch die heiße Brühe gezogen werden – und natürlich Chilis, die jedem Europäer endgültig den Schweiß auf die Stirn treiben.

Ein Suppenfrühstück ist aber nicht nur in Vietnam beliebt, auch in anderen asiatischen Ländern gehört es zum Standard: Kao Tom in Thailand, Kuy Teav in Kambodscha, Misosuppe in Japan. In China sind Suppen so fest in der Kultur verankert, dass sie im Berliner Hotel Intercontinental Teil des Frühstücksbüfetts sind.

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Suppen zum Frühstück: In Deutschland noch umstritten

„Morgens sind Gäste nicht experimentierfreudig“, sagt Küchenchef Henning Drenkhahn, weswegen bei Chinesen das klassische Congee hoch im Kurs stehe. Das ist ein flüssiger Brei, gekocht aus Jasmin- und Klebreis, Hühnerbrühe, Ingwer und Frühlingszwiebeln. „Das Grundrezept ist in China überall ähnlich, nur mit den Einlagen wird von Region zu Region variiert.“ Viele Gäste rühren sich rohes Eigelb in die Suppe, aber auch fermentierter Tofu, getrocknete Shrimps, Schweinewürste, Enteneier oder Chili sind beliebt.

Aus China auf den Frühstückstisch der Welt: Congee, ein flüssiger Brei,unter anderem aus Jasmin- und Klebreis, Hühnerbrühe und Frühlingszwiebeln. Quelle: Thaishutter_2528/Getty Images

Obwohl das Interesse an dem Suppenangebot des Berliner Luxushotels steigt, spielen sie bei europäischen Gästen aber letztlich keine tragende Rolle. Liegt es vielleicht nur an der Exotik der Suppen? Im Luxushotel Arlberg Hospiz in Österreich gehört zum Frühstücksangebot nicht nur ein üppiges Büfett, sondern obendrein ein Frühstück à la carte, inklusive traditioneller Tafelspitzbrühe oder Gulaschsuppe – Kraftfutter für den Tag? „Man sagt ja, Brühe restauriert den Magen. Wer also am Abend zu viel gesündigt hat, der greift gern zur Brühe, manchmal wird auch ein Minutensteak gegessen“, erzählt Hotelier Florian Werner und fügt an, dass die Renner aber zweifelsohne Waffeln oder klassische Eierspeisen wie Omelette oder Spiegeleier mit Schinken seien.

Vom Frühstück zum Mittag- oder Abendessen bis zur Mischung aus Breakfeast und Dinner

Wobei sich hier Urlaub, Wochenende und Alltag oft erheblich unterscheiden. An Werktagen frühstücken die Deutschen eher selten warm. Laut Umfragen des Statistikportals Statista aus den Jahren 2017 und 2019 essen morgens immerhin 72 Prozent der Deutschen überhaupt etwas. Eierspeisen lassen sich nur 16 Prozent schmecken.

Eine Zahl, die am Wochenende auf 61 Prozent klettert. Wenn mehr Zeit da ist, dann scheint also die Lust aufs Schlemmen zu steigen. Die erste Mahlzeit des Tages schiebt sich dann vielleicht auch weiter in den Vormittag, der Appetit ist größer und die Lust auf gehaltvollere, deftigere Gerichte steigt, wie etwa ein klassisches englisches Frühstück mit Speck, Würstchen, Eiern, Bohnen, Toast und Zi­trus­marme­la­de.

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Ohnehin bieten sich viele Frühstücksgerichte nicht nur als Brunch, sondern auch als Mittag- oder Abendessen an, wie ein Blick auf die Speisekarten der Seven-Sundays-Filialen aus Düsseldorf und Hannover beweist, in denen ganztägig Frühstück serviert wird. Darauf finden sich etwa Frühstücks-Burritos aus den Südstaaten der USA (Weizentortillas gefüllt nach Lust und Laune, mit Speck, Ei, Käse, Avocado oder Bohnen) oder das israelische National- und Frühstücksgericht Schakschuka (ein Tomaten-Paprika-Eintopf mit Ei und Gewürzen). Beide Gerichte sind auch als herrlich deftiger Lunch geeignet. Und wer sich, wie in deutschen Asiarestaurants oft zu beobachten ist, eine Pho als Abendessen gönnt, der frönt aus Sicht eines Nordvietnamesen eher dem Trend des „Brinners“: dem Mix aus Breakfast und Dinner.

Das Frühstück der Deutschen: Brot, Brötchen und Müsli erfreuen sich großer Beliebtheit

Wird auf dem Esstisch die Marmelade gegen Wurst und Käse getauscht, die Brötchen gegen Brot, dann ist aus dem klassischen Frühstück auch recht schnell ein Abendbrot geworden. Ohnehin machen über 3000 Brotspezialitäten Deutschland und den deutschsprachigen Raum zum Spitzenreiter bezüglich einer hochwertigen Auswahl an feinsten Backwaren. „Die Corona-Krise hatte aus unserer Sicht einen interessanten Nebeneffekt: die Renaissance des Abendbrots und Frühstücks. Da viele Menschen im Homeoffice sind, ist mehr Zeit zum Frühstücken. Dies spiegeln auch erste statistische Marktzahlen wieder: Vor allem die wohnortnahen Bäckereibetriebe profitierten mit Brot und Backwaren in der Corona-Krise, wobei dies die verlorenen Umsätze in den Cafés nicht wettmachen kann“, sagt Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks.

Auch ein Blick auf die Entwicklung der vergangenen Jahre bestätigt das: Obwohl die Anzahl an Bäckereibetrieben und -beschäftigen in der Bundesrepublik seit Jahren rückläufig ist, sind hierzulande die Umsatzzahlen des Bäckerhandwerks im Zeitraum von 2012 bis 2019 von 13,15 auf 15,22 Milliarden Euro gestiegen. Wie viel davon allein auf das „Kaffeegeschäft“ entfällt, ist leider nicht ersichtlich, aber an Wochenenden steigt laut Statista die Beliebtheit von Backwaren auf stattliche 87 Prozent.

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Unter der Woche müssen sich Brot und Brötchen den Platz auf der Beliebtheitsskala mit Müsli teilen (beide 59 Prozent), was sicher nicht nur der Einfachheit der Zubereitung geschuldet ist. Schließlich wird in manchen Haushalten am Morgen der Müslibausatz aufgeklappt und Schalen mit Nüssen, Kernen, Getreide und buntem Obst befüllt, mit Quinoa, Goji oder sogar Avocado – auch vor dem Müsli macht die Exotik eben nicht Halt.

Von Hannes Finkbeiner/RND

Der Artikel "Brot, Brötchen und Müsli ade: Was wir uns beim Frühstück von anderen Ländern abschauen können" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.