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Wissen Auf zu neuen Abenteuern: Bereit fürs Ungewisse
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10:57 14.06.2019
Warum nicht mal eine Nacht in der Hängematte an der Elbe verbringen? Christo Förster hat es ausprobiert. Quelle: Torsten Kollmer
Hannover

Christo Förster ist Experte für Motivation, Veränderung und Persönlich­keitsent­wicklung und gilt als begeisternder Vortragsredner. Er studierte an der Deutschen Sporthochschule in Köln und ließ sich an der Berliner Journalistenschule zum Redakteur für Print, TV und Hörfunk ausbilden. Sein neuestes Buch „Raus und machen“ basiert auf dem gleichnamigen Mikroabenteuer-Projekt, das Förster seit 2017 leidenschaftlich vorantreibt. Im Interview erzählt der Abenteurer unter anderem, warum es sich lohnt, auch mal ins Unbekannte aufzubrechen.

Sie sind leidenschaftlicher Abenteurer, Autor von vier Büchern und Motivationstrainer. Gibt es Momente, in denen Ihnen langweilig ist?

Momentan selten. Wobei ich keine Angst vor Langeweile habe. Es ist ja schön, runterzukommen, Langeweile ist ein guter Nährboden für Kreativität und das Auseinandersetzen mit sich selbst.

In Ihrem Buch „Raus und machen“ geht es um Mikroabenteuer. Was macht ein Abenteuer für Sie aus?

Zu einem Abenteuer gehört für mich immer das Ausbrechen aus gewohnten Mustern, neue Wege zu gehen und auch Ungewissheit zu akzeptieren. Das ist oft das Schwerste für den Menschen – sich in etwas hineinzubegeben, ohne genau zu wissen: Schaff ich das? Aber es dann trotzdem zu tun, weil man sich davon einen Wert verspricht.

Funktionieren Abenteuer nur in einer unbekannten Umgebung?

Die vermeintlich vertraute Umgebung hält oft die dicksten Überraschungen bereit, wenn wir sie anders betrachten oder uns anders in ihr bewegen als sonst. Das beginnt schon dabei, einfach andere Wege zu wählen, Umwege in Kauf zu nehmen. Auch die Ecken, die nicht so einladend erscheinen, sind es meist wert, dass wir sie uns mal genauer ansehen. Warum nicht mal eine S-Bahn-Linie komplett abwandern oder den eigenen Wohnort umrunden?

Abenteuer Christo Förster liebt es aus gewöhnlichen Mustern auszubrechen. Quelle: Torsten Kollmer

Ihr Buch richtet sich an ein breites Publikum. Was hält viele Menschen davon ab, das Abenteuer zu suchen, obwohl sie Sehnsucht danach haben?

Ich halte es für wichtig, dass jeder mit sich selbst ausmacht, wo seine Komfortzone endet und sein Abenteuer beginnt. Wir vergleichen uns viel zu oft mit Extremen, mit extremen Abenteurern, extremen Sportlern, mit Menschen, die ganz Tolles geleistet haben. Und wir kommen dann schnell an den Punkt, uns klein, schwach und unbedeutend zu fühlen. Entscheidend ist aber die Frage: Was ist für mich ein Abenteuer? Und zwar jenseits des Höher, Schneller, Weiter. Ein Abenteuer ist nicht automatisch an eine extreme körperliche Leistung geknüpft. Es kann, muss aber nicht darum gehen, den Körper an und über die eigenen Grenzen zu pushen. Genau das nicht zu tun, und zum Beispiel die Umgebung ganz achtsam wahrzunehmen, ist für viele sogar die viel größere Herausforderung.

Warum lohnt es sich, die eigene Komfortzone zu verlassen und sich scheinbar grundlos in der Natur aufzuhalten?

Weil wir uns jenseits der Komfortzone weiterentwickeln, auch persönlich. Die eigenen Stärken und Schwächen besser einschätzen zu können, ist ein wertvoller Aspekt des Abenteuererlebens. Für dieses Abenteuererleben ist es aber nicht entscheidend, ob mein Vorhaben einen tieferen Sinn verfolgt oder ich in einer spektakulären Landschaft unterwegs bin. Ich liebe sinnfreie Ideen. Sie bieten einfach nur einen Anlass, aufzubrechen, aber das ist ja meist der schwerste Schritt. Wenn ich mit dem Fahrrad nach Brasilien fahren will, ein Ort an der Ostseeküste, dann nehme ich mir das nicht vor, weil Brasilien so schön ist, sondern weil es so eine herrlich bekloppte Idee ist. Zählen tut der Weg, das Erlebnis, und am Ende habe ich eine schöne Geschichte zu erzählen.

Was nehmen analoge Mikroabenteuer im digitalen Zeitalter für eine Bedeutung ein?

Es tut uns sehr gut, wenn wir uns mal aus dem digitalen Würgegriff befreien. Schließlich ist die Natur unser ursprünglicher Lebensraum, nicht die Technologie und das Digitale. Es geht nicht darum, den Fortschritt zu verdammen, und wir müssen auch nicht wieder als Jäger und Sammler leben, aber der Mensch ist ja selbst Natur, deswegen fühlt er sich intuitiv wohl da draußen, das dürfen wir nicht vergessen. Die digitale Kommunikation führt auch dazu, dass wir uns immer mehr vergleichen. Wir sehen ständig in den sozialen Medien, an welchen beeindruckenden Orten andere unterwegs sind, was sie sich leisten können, wie glücklich sie sind. Sich von diesem gläsernen Fake-Gehabe zu lösen ist sehr befreiend. Es geht doch darum, wo mein persönlicher Kraftort liegt. Das ist für mich eine Gratwanderung, weil ich meine Botschaften auch über die sozialen Medien verbreite. Aber das eine schließt das andere nicht aus, solange wir die Kontrolle über die digitale Kommunikation haben und sie nicht über uns.

Sie lassen sich durch Abenteurer wie Alastair Humphreys oder Wim Hof inspirieren und sind durch Ihre Bücher, Vorträge und Beiträge in den sozialen Medien selbst Vorbild für viele andere geworden. Was können Abenteurer voneinander lernen?

Ich glaube, es geht dabei viel um den Mut, sein Ding zu machen und Träume wahr werden zu lassen. Letztlich kann ich von einem Abenteurer aber auch nicht mehr oder weniger lernen, als von jedem anderen Menschen auch. Sich gegenseitig zu inspirieren ist immer wertvoll. Mit Alastair Humphreys zum Beispiel tausche ich mich regelmäßig aus. Das Feedback, das ich von Lesern oder Zuhörern bekomme, bestärkt und motiviert mich ungemein, mit dem weiterzumachen, was ich tue. Es ist ein fantastisches Gefühl, vielleicht einen Hauch dazu beigetragen zu haben, dass jemand anderes für sich etwas verändert hat.

Mikroabenteuer können nach Ihren Vorstellungen zwischen acht Stunden und drei Tagen dauern. Können Sie sich an Ihr kürzestes Abenteuer erinnern?

Ich habe diese Zeitregel mal festgelegt, um ein Mikroabenteuer für mich abzugrenzen von anderen Draußenaktivitäten. Natürlich gibt es auch Abenteuer, die Minuten dauern. Ein kurzes, einfaches Mikroabenteuer ist es zum Beispiel, morgens zum Sonnenaufgang das Haus zu verlassen und den ganzen Tag zu Fuß draußen unterwegs zu sein, ohne irgendwo einzukehren, und bei Sonnenuntergang mit öffentlichen Verkehrsmitteln den Rückweg anzutreten. In Hamburg kenne ich eine schöne Stelle am Containerhafen mit wunderbarem Panoramablick auf den Hafen und die Elbphilharmonie. Da habe ich in meiner Hängematte schon des öfteren eine Nacht verbracht und bin morgens mit der Fähre zurückgefahren. Auch das ist ein großartiges kleines Abenteuer.

Apropos körperliche Anstrengung: Sie haben sich 2018 mit Ihrem damals siebenjährigen Sohn auf den Weg zur Zugspitze gemacht. Wie war die Reise unter einfachen Bedingungen mit einem Kind?

Unvergesslich. Ich wusste, dass mein Sohn für so ein Abenteuer ein guter Partner ist. Es war ja nicht das erste Mal, dass ich mit ihm draußen unterwegs war. Er hatte Riesenlust auf diese Herausforderung. Es gibt einem auch unglaublich viel fürs Selbstbewusstsein, wenn man merkt, was man zu leisten imstande ist. Ich musste mich ganz schön ranhalten, dass ich hinterherkomme, denn ich hatte natürlich den deutlich größeren Rucksack, mit unserer ganzen Ausrüstung. Er trug einen kleinen Alibirucksack, aus Prinzip, aber drin war da nicht viel. Die Bedingungen waren schwierig, aber wir wurden mit einem einzigartigen Sonnenaufgang am Gipfelkreuz belohnt.

Und nun will Ihr Sohn auch Abenteurer werden?

Ich würde natürlich gerne sagen, dass er Abenteurer werden will, aber Fußballprofi ist wahrscheinlich gerade einen Tick vorne. Ich war aber sehr berührt, dass er neulich in ein Freundebuch geschrieben hat: „Mein schönstes Erlebnis: Mit Papa auf die Zuspitze steigen“.

Christo Förster war Sportchef der Zeitschrift „Fit for Fun“ und Chefredakteur der Zeitschrift „Men’s Fitness“. Sein neuestes Buch „Raus und machen“ (14,99 Euro) ist im Harper-Collins-Verlag erschienen. Quelle: HarperCollinsGermany

Von RND / Juliet Ackermann

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