Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wissen Astronomen entdecken ungewöhnlich kühlen Stern
Mehr Welt Wissen Astronomen entdecken ungewöhnlich kühlen Stern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:55 23.03.2011
Die Illustration zeigt eine künstlerische Interpretation des Doppelsternensystems mit der Katalognummer CFBDSIR 1458+10B.
Die Illustration zeigt eine künstlerische Interpretation des Doppelsternensystems mit der Katalognummer CFBDSIR 1458+10B. Quelle: dpa
Anzeige

In seiner Atmosphäre ist es kaum wärmer als in einer Sauna: Ein französisch-amerikanisches Astronomenteam hat ein ungewöhnlich kühles sternartiges Objekt entdeckt. Bei dem Himmelskörper handelt es sich um einen sogenannten Braunen Zwerg, wie die Europäische Südsternwarte ESO am Mittwoch in Garching bei München mitteilte. Braune Zwerge sind gescheiterte Sterne - zu groß für einen Planeten, aber zu klein, um das Kernfusionsfeuer in ihrem Inneren dauerhaft zu unterhalten, das Sterne zum Leuchten bringt. „Die Oberfläche des Objekts hat in etwa dieselbe Temperatur wie eine Tasse heißer Tee“, berichtete die ESO.

Der kühle Zwerg ist Teil eines Doppelsystems, in dem sich zwei Braune Zwerge umkreisen. Das 75 Lichtjahre von der Erde entfernte System wurde mit dem Keck-Teleskop auf Hawaii erstmals in seine beiden Komponenten aufgelöst. Mit dem Very Large Telescope der ESO maßen die Astronomen die Temperatur. Es zeigte sich, dass der lichtschwächere der beiden Braunen Zwerge eine Oberflächentemperatur von nur etwa 100 Grad Celsius hat. Zum Vergleich: Die Außenschicht unserer Sonne ist etwa 5500 Grad heiß.

„Bei so einer Temperatur erwartet man von einem Braunen Zwerg ganz andere Eigenschaften als von den bisher bekannten Vertretern dieser Gattung“, erläuterte Michael Liu von der Universität von Hawaii. „Das Objekt dürfte einem großen Gasplaneten ähneln - es könnte in seiner Atmosphäre sogar Wolken aus Wasserdampf geben.“ Er präsentiert die Beobachtungen des Objekts mit der Katalognummer CFBDSIR 1458+10B zusammen mit seinem Team im Fachblatt „The Astrophysical Journal“.

Die Suche nach kühlen Objekten wie Braunen Zwergen ist derzeit ein aktuelles Thema in der Astronomie, wie die ESO betont. Erst kürzlich habe das Infrarot-Weltraumteleskop „Spitzer“ zwei andere besonders lichtschwache Objekte entdeckt, die ebenfalls Kandidaten für die kühlsten Braunen Zwerge seien. Allerdings seien deren Temperaturen bisher nicht so genau bestimmt.

Der Übergang zwischen Braunem Zwerg und Riesenplanet ist derzeit fließend. Die Internationale Astronomische Union (IAU) rechnet zu den Braunen Zwergen gegenwärtig Objekte mit mehr als 13 Mal soviel Masse wie der Gasriese Jupiter, der größte Planet in unserem System. Eine charakteristische Eigenschaft Brauner Zwerge ist ihre höhere Dichte. Braune Zwerge leuchten vor allem, weil sie sich durch die Zusammenballung ihrer Materie aufgeheizt haben.

dpa

Mehr zum Thema

Der gesamte Himmel auf über einer Million Bilder: Rund sieben Monate nach ihrem Start hat eine NASA-Sonde das Firmament einmal komplett im Infrarotlicht abgelichtet.

17.07.2010

Amerikanische Astronomen haben um 410 Lichtjahre von der Erde entfernt eine gewaltige Staubscheibe entdeckt, die einen extrem hellen Stern umkreist. Die Ansammlung von Material ist so gewaltig, dass sie - übertragen auf unser Sonnensystem - vom innersten Planeten Merkur bis fast zum Jupiter reichen würde.

26.09.2009

Astronomen an der europäischen Südsternwarte (ESO) haben eine junge Riesensonne beobachtet, die sich gerade aus ihrem Staubkokon schält. Den neuen Stern umgibt ein massiver Ring aus Staub, wie die Forscher im britischen Fachjournal „Nature“ berichten.

14.07.2010