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Wissen Archäologen stoßen in der Pfalz auf Hinweise für Kannibalismus
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17:33 08.12.2009
Archäologen entdecken in Herxheim Hinweise auf Kannibalismus.
Archäologen entdecken in Herxheim Hinweise auf Kannibalismus. Quelle: ddp
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Archäologen haben bei Ausgrabungen im pfälzischen Herxheim Hinweise auf Kannibalismus gefunden. „Wir sind auf zerstückelte menschliche Überreste gestoßen“, sagte Andrea Zeeb-Lanz, Projektleiterin bei der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, am Dienstag. Die Erkenntnisse des Anthropologen Bruno Boulestin, der die Knochenfragmente untersuchte, wurden nun in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Antiquity“ veröffentlicht.

Die Überreste der rund 500 Toten, die bei den Ausgrabungen entdeckt wurden, seien vermutlich vor etwa 7000 Jahren rituell geopfert worden. „Die Schnittspuren deuten darauf hin, dass ihnen wie Schlachtvieh zuerst das Fleisch von den Knochen abgeschabt und danach die Knochen gebrochen wurden“, erläuterte Zeeb-Lanz. Es scheine sich dabei um „eine Art Opferung“ zu handeln, denn die Knochen wiesen keinerlei Spuren eines vorherigen Kampfes auf: „Boulestin geht davon aus, dass die menschlichen Überreste im Rahmen eines Rituals gegessen wurden“, sagte Zeeb-Lanz.

Unter den Funden waren menschliche Überreste aus jeder Altersstufe. „Vom neugeborenen Säugling bis zu älteren Menschen im Alter von etwa 60 Jahren war alles dabei“, sagte Zeeb-Lanz. Bisher wurde knapp die Hälfte der Fundstätte freigelegt. „Wir rechnen mit insgesamt rund 1000 Toten, wenn wir weiter graben würden“, sagte sie. Jedoch solle die Stätte nicht weiter freigelegt werden, damit die Funde geschützt im Boden blieben.

Die Toten, das ergaben die Ausgrabungen, stammten nicht aus Herxheim. Denn neben den menschlichen Überresten wurde auch zerschlagene „qualitätsvolle“ Keramik gefunden, die die Menschen vermutlich mitgebracht hatten. „Die Keramikscherben zeigen unterschiedliche Stilvarianten auf und sind verschiedenen Regionen zuzuordnen“, erläuterte die Wissenschaftlerin. So sei Keramik aus dem unteren Elbtal, aus dem Rhein-Main-Gebiet und aus dem Raum Kassel dabei.

ddp