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Wissen Archäologen finden 120.000 Jahre alten Klebstoff
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12:22 19.05.2010
Mit dem Kleber aus destillierter Birkenrinde wurden schmale Steinklingen zusätzlich zu den Spitzen in den Speeren befestigt, um nach einem Treffer die Wunde zu vergrößern. Quelle: dpa
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Bei der Ausgrabung eines altsteinzeitlichen Lagerplatzes nahe Jülich sind Wissenschaftler auf den ältesten Klebstoff in Mitteleuropa gestoßen. An 83 Feuersteinklingen hätten sich deutlich sichtbare Reste von rund 120 000 Jahre altem Birkenpech nachweisen lassen, sagte der Archäologe Jürgen Thissen am Mittwoch. Mit dem Kleber aus destillierter Birkenrinde seien die schmalen Steinklingen zusätzlich an Speerspitzen befestigt worden, um bei der Jagd die Wunde zu vergrößern.

Vergleichbar uralter Birkenpech-Kleber ist im thüringischen Fundplatz Königsaue entdeckt und auf „nur“ rund 80 000 Jahre datiert worden. Zwei weitere verklebte Stein-Werkzeuge aus Mittelitalien sind möglicherweise rund 200 000 Jahre alt, erklärte der beim Landschaftsverband Rheinland und der Uni Bonn tätige Archäologe.

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Den unter Luftabschluss bei hoher Temperatur aus Birkenrinde destillierten klebrigen „Ur-Kunststoff“ hätten die Steinzeitmenschen zunächst möglicherweise durch Zufall entdeckt. Dann aber sei die nützliche teerartige Masse als wohl ältestes chemisches Produkt mit komplizierten Verfahren absichtlich hergestellt worden, erklärt Thissen als Ausgräber des Lagerplatzes bei Inden-Altdorf im Rheinischen Braunkohlerevier. Der Fund eines über und über mit Birkenpech verschmierten kleineren Sandsteinstücks in dem rheinischen Steinzeit-Camp spreche für einen solchen Kleber-Herstellungsort. Thissen: „Das ist schon sehr einmalig.“

Sowohl die Bauart der Speere als auch die Herstellung des Klebers „ist eine moderne Technologie, die für dieses Alter überraschend ist“, meinte Thissen. Dies spreche für die Leistung einer früh nach Europa gewanderten Form des modernen Menschen. Andere Experten sehen eher den in Europa siedelnden Neandertaler als Entdecker des Birkenklebers.

Insgesamt seien in dem Lagerplatz rund 700 Steingeräte gefunden worden, von denen viele sehr unterschiedliche Gebrauchspuren aufwiesen, schildert der Wissenschaftler. Erstmals in dieser Epoche sei der durch Kieselsäure entstehende typische „Sichelglanz“ an einzelnen Feuersteinklingen zu sehen, der durch das Schneiden von Gras oder Farn entsteht. Möglicherweise hätten die Steinzeitler mit den Pflanzen ihren Schlafplatz gepolstert.

Der Steinzeitkleber wird im Juni als „Fund des Monats“ im LVR- Landesmuseum in Bonn vorgestellt. Er soll dort in der neuen Dauerausstellung zur Vor- und Frühgeschichte im Rheinland seinen Platz finden.

dpa

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