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Wissen Anstieg des Meeresspiegels: Wird Norden Deutschlands 2050 jährlich überflutet?
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20:42 30.10.2019
Helgoland könnte wegen des steigenden Meeresspiegels der Nordsee schon in gut 30 Jahren von jährlichen Überflutungen bedroht sein. Quelle: Christof Martin/dpa

Müssen Deutschlands Küstenstädte in gut 30 Jahren mit jährlichen Überflutungen rechnen? Berechnungen von Forschern der gemeinnützigen Agentur "Climate Central" im US-amerikanischen Princeton zufolge könnten die Gefahren eines steigenden Meerespiegels für Küstengebiete und ihre Bewohner höher sein, als zuvor angenommen. 2100 könnten unter anderem das Ostfriesland, Bremen und Hamburg jährlich überflutet werden, legen die im Fachblatt "Nature Communications" veröffentlichten Ergebnisse nahe.

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Ungenaue Höhenangaben von Küstenlinien in bisherigen Datensätzen

Die Studienautoren Benjamin Strauss und Scott Kulp sagten, dass bei dem vom NASA ermittelten Datensatz (2000) zu den Gefahren des klimawandelbedingten Meeresanstiegs die Höhe der Küstenlinie überschätzt wurde. Denn: Der Datensatz enthielt Höhenangaben von Flächen, die dem Himmel am nächsten sind – also wurden beispielsweise auch Baumkronen einberechnet. Die beiden Forscher haben in dreijähriger Arbeit die Höhe neu berechnet, indem sie die Messungen mit Laserstrahlen statt Radardaten nutzten. Da diese Messungen aber nur für einige der globalen Küsten vorliegt, glichen sie ihre Ergebnisse mit den Radardaten der NASA ab.

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630 Millionen Menschen bei weiterhin hohen CO₂-Emissionen gefährdet

"Climate Central" veröffentlichte eine interaktive Karte für das Jahr 2050, in der Strauss und Kulp ihre Berechnungen darstellten. Dort wird deutlich: Ab 2050 wären Gebiete an der Küste in Deutschland einmal im Jahr überflutet – es sei denn, es wird ein weiterer Küstenschutz gebaut. Stark betroffen wäre auch die Niederlande, wo ein steigender Meeresspiegel den Einschätzungen zufolge bis nach Amsterdam und Rotterdam drücken könnte.

Traut man den Berechnungen, leben derzeit mehr als eine Milliarde Menschen in einem Gebiet, das weniger als zehn Meter über den derzeitigen Flutlinien liegt. Werden die CO₂-Emissionen nicht reduziert, könnten bis 2100 ganze 630 Millionen Menschen durch den klimawandelbedingten Meeresanstieg gefährdet sein. Das sind dreimal mehr, als zuvor vermutet. Bei niedrigen Emissionen wären es 150 bis 250 Millionen Menschen. Zum Vergleich: Heute sind es um die 110 Millionen. Die Ergebnisse zeigen nach Ansicht der Studienautoren, dass es einen großen Bedarf an Datensätzen mit genaueren Höhenangaben gebe und Küstengebiete sich auf eine weitaus kompliziertere Zukunft einstellen müssten.

Von Ben Kendal/RND