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17:02 18.09.2019
Verzehr von Aktivkohle: Verbraucherschützer raten zur Zurückhaltung. Quelle: anaumenko - stock.adobe.com
Hannover

Manchmal liegen die Dinge des Lebens eng beieinander. Da diskutiert Deutschland seit Monaten verbissen über den Kohleausstieg, und ausgerechnet in dieser Zeit gilt es als besonders angesagt, sich im kleinen Café um die Ecke Croissants mit Aktivkohle zum Frühstück zu bestellen. Selbstverständlich handelt es sich bei Aktivkohle um eine ursprünglich medizinische Variante, aber auch diese wird mitunter aus pflanzlichen, tierischen, mineralischen oder petrochemischen Stoffen wie Braun-, Steinkohle oder verschiedenen Kunststoffen hergestellt. Mit der Kohle, die in Deutschland noch gewonnen wird, ist der Gesundheitsstoff also zumindest ganz entfernt verwandt.

Aktivkohle in Smoothies, Zahnpasta oder Eis

Zurzeit ist der Stoff fast allgegenwärtig. Man findet ihn in Duschgel, Eis, Smoothie, Zahnpasta und anderen Produkten. Das schwarze Pulver gehört neben Protein, Soja und Veggie zu den am stärksten wachsenden Ernährungs- und Lifestyle-Trends. In New York gab es bereits vor zwei Jahren zum Beispiel einen „Goth Latte“ mit untergerührter Aktivkohle oder auch Cocktails und Eis in Schwarz.

Auch auf Instagram und in Szenekneipen taucht das schwarz eingefärbte Essen immer mal wieder auf. Beim „Black Food Festival“ widmeten sich im August mehrere Gastronomen dem Thema: In einem Biergarten zwischen Spree und Landwehrkanal gab es an rund zwei Dutzend Ständen schwarzen Hummus aus der syrischen Küche und schwarze Churros aus Spanien. Lange Warteschlangen bildeten sich vor Ständen mit schwarzen Hot-Dog-Würstchen und frittierten italienischen Teigtaschen – natürlich ebenfalls in Schwarz.

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Aktivkohle: Prominente schwören auf körperreinigende Wirkung

Die Aktivkohle verleiht der Zahnpasta ihre auffällig schwarze Farbe. Quelle: pamela_d_mcadams - stock.adobe.com

Einer der Veranstalter sagte vorab, es sei spannend zu schauen, wie sich das Geschmackserlebnis verändere, wenn man Essen einfärbe. Diesen Effekt dürften Eltern schon mal erlebt haben, wenn für den Kindergeburtstag plötzlich Kekse pink oder blau sein sollen. Mit dieser gezielten Enttäuschung der Erwartung spielt die Lebensmittelindustrie immer wieder, etwa wenn sie Schokoriegel, die sonst mit hellbrauner Vollmilchschokolade überzogen sind, plötzlich mit weißer oder rosafarbener Schokolade überzieht oder gar Variationen in Mate-Tee-Grün auf den Markt bringt.

Die Aktivkohle im Frühstückscroissant allerdings hat nicht nur einen optisch überraschenden Effekt. Vielmehr reiht sie sich ein in eine lange Liste der Superfoods, von denen seit einigen Jahren immer mehr auf den Markt gebracht werden. Aktivkohle kann andere Stoffe an sich binden, deshalb wird sie zu medizinischen Zwecken auch zur Entgiftung eingesetzt. Influencer und Prominente beschwören derzeit eine körperreinigende Wirkung. Der Verzehr soll sich positiv auf die Verdauung auswirken oder das Hautbild verbessern. In der EU ist Aktivkohle zudem als Farbstoff zugelassen, der in Fruchtsaftkonzentraten, aber auch in Lakritzprodukten verwendet wird.

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Aktivkohle: Verbraucherschützer raten zur Zurückhaltung

Mediziner sind zurückhaltend, wenn es um Empfehlungen geht. Und nach Meinung der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt sollte man davon nicht zu viel essen. Sonst drohten Verstopfung oder eine nachlassende Wirkung von Medikamenten, wie die Verbraucherschützer online schreiben. Beim häufigen Verzehr könnten zudem Vitamin- und Mineralstoffmängel auftreten.

Zurück zum Croissant: In Coffeeshops, auf deren Karte Avocadotoasts und Eiweißomelettes stehen, zählt es freilich zum guten Ton, dass ein Croissant eine ordentliche Portion angeblich reinigender Aktivkohle enthält. Ob man gleichzeitig ein Produkt französischer Lebensart zu sich nehmen will, und ein Mittel, das auch gegen Magen-Darm-Erkrankungen zum Einsatz kommt, ist wiederum eine ganz andere Frage.

Von Dany Schrader/RND

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