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14:12 18.01.2013
Der Dresdner Klinikdirektor Prof. Gerhard Ehninger hält viel von der neuen Therapieform mit Arsen. Quelle: dpa
Dresden

Hoffnung für einige Blutkrebspatienten: Menschen mit einer Unterform der akuten Leukämie könnte eine herkömmliche Chemotherapie erspart bleiben. Ein deutsch-italienisches Forscherteam hat die Wirkung von Arsentrioxid bei einer Form der akuten Leukämie bestätigt.

In einer Kombination mit einem Vitamin-A-Abkömmling sei es gelungen, den Krebs in nur sechs Monaten verschwinden zu lassen, sagte der Dresdner Onkologe und Hämatologe Gerhard Ehninger der Nachrichtenagentur dpa. Die bisher übliche Chemotherapie dauere zweieinhalb Jahre. Ohne diese „chemische Keule“ habe es bei Patienten mit Promyelozytenleukämie bessere Ergebnisse bei weniger Nebenwirkungen wie Fieber oder Knochenmarksschädigungen gegeben.

Der Leukämie-Experte Prof. Michael Hallek, Direktor für Innere Medizin an der Uniklinik Köln, sprach von einer bedeutenden Therapie. Er plädiert für die bundesweite Einführung dieser Methode, auch wenn die Studie kürzer war als die für eine sichere Heilungsprognose bei Krebs nötigen fünf Jahre. „Für uns sind die Ergebnisse Grund genug, unser Verhalten zu ändern“, sagte der Hämatologe und Onkologe. Er wende die Kombi-Therapie bereits an. Mit ihr verbessere sich die Prognose bei Promyelozytenleukämie sehr deutlich.

Bisher führten Chemotherapeutika bei Leukämie oft zu langanhaltender Unterdrückung der Blutbildung, erklärte Ehninger. „Die dabei auftretenden Infektionen sind oft lebensbedrohlich.“ Bei der neuen Therapie komme es dagegen zu einer Ausreifung der Zellen und erst danach zum Zelltod. „Alle Patienten wurden krankheitsfrei.“ Die Heilungsrate nach drei Jahren lag bei 95 Prozent, die Überlebensquote - sie beinhaltet auch Rückfälle - bei 98 Prozent. An der Studie nahmen rund 160 Patienten mit Promyelozytenleukämie teil.

Bei anderen Blutkrebsformen sei die Methode noch nicht direkt anwendbar, dazu seien weitere Studien nötig. Sie ist laut Ehninger jedoch ein Beispiel für eine Alternative zur herkömmlichen Chemotherapie. US-Forscher haben bereits von erfolgreichen Tierversuchen mit Arsenvarianten bei einer Hirntumorform berichtet („PNAS“, Bd. 170, S. 13432).

Vergiftungen durch Arsen gebe es bei der Therapie nicht, da die verabreichte Menge mikroskopisch klein sei, erläuterte Ehninger. „Herzrhythmusstörungen sind mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit möglich, dafür werden die Patienten aber überwacht.“ Arsentrioxid kann unter anderem zu Nieren- und Leberstörungen führen. Es ist in Europa bereits in gewissen Fällen zur Behandlung von Promyelozytenleukämie erlaubt.

Die Mediziner aus Dresden und die kooperierenden italienischen und deutschen Kliniken waren nach Angaben Ehningers die ersten, die die Kombi-Behandlung in einer sogenannten randomisierten Studie überprüften. Damit könnten künftig die jährlich etwa 150 an Promyelozytenleukämie Erkrankten in Deutschland schonender behandelt werden. Eine Veröffentlichung der Studie werde derzeit vorbereitet. 

dpa

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