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Wissen 140 Nationen stimmen Quecksilber-Reduzierung zu
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17:30 20.01.2013
Ein Kind zeigt seine Hände in einer Goldminein Burkina Faso. Mit Henna versuchen die Kinder die Haut zu schützen, die durch das Arbeiten mit Quecksilber stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Quelle: dpa Archiv
Genf

Nach vierjährigen Verhandlungen zur Reduktion von giftigem Quecksilber haben rund 140 Staaten in der Nacht zum Samstag den Durchbruch zu einer völkerrechtlich verbindlichen Konvention erzielt. Dadurch könnten weltweit Gefahren für die Gesundheit von Millionen von Menschen verringert werden, erklärte Achim Steiner, der Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms (Unep) zum Abschluss des Verhandlungsmarathons in Genf. Die Europäische Union und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) begrüßten die Einigung.

„Nach sehr komplexen und oft nächtelangen Sitzungen haben die Staaten heute die Grundlage für ein globales Vorgehen gegen einen Schadstoff gelegt, dessen Gefährlichkeit seit mehr als einem Jahrhundert bekannt ist“, sagte Steiner. Die Konvention wird im Oktober in der japanischen Stadt Minamata zur Unterzeichnung für alle Staaten ausgelegt. Spätestens 15 Jahre nach Inkrafttreten des Vertragswerkes soll die Gewinnung von Quecksilber abgesehen von einigen Ausnahmen weitgehend eingestellt worden sein.

Das Vertragswerk wird auch „Minamata Convention“ genannt, weil die Stadt in den 1950er Jahren weltweit zum Begriff für Gefahren durch Quecksilber wurde: Tausende von Menschen erlitten dort aufgrund von Quecksilbervergiftungen durch Abwässer eines Chemiewerkes schwere und teils tödliche Schäden am zentralen Nervensystem.

Jährlich gelangen 2000 Tonnen Quecksilber in die Umwelt

Die Konvention sieht längerfristig die Reduktion von Emissionen des flüssigen Schwermetalls in Industrieanlagen vor sowie mittelfristig Verbote für zahlreiche Produkte, die Quecksilber enthalten. Dazu gehören bestimmte Arten von Batterien - mit Ausnahme sogenannter Knopfzellen, die in medizinischen Körperimplantaten benötigt werden. Jährlich gelangen derzeit noch etwa 2000 Tonnen Quecksilber in die Umwelt, etwa die Hälfte davon in Gewässer.

Quecksilber soll auch aus Energiesparlampen, elektrischen Schaltkreisen, Kosmetika, Thermometern, Blutdruckmessgeräten verbannt werden. Ausnahmen wurden auch beim Einsatz von Quecksilber zur Haltbarmachung von Impfstoffen sowie „für religiöse oder traditionsgebundene Aktivitäten“ vereinbart.

Forderungen nach einem obligatorischen Abbau der Quecksilber-Emissionen bei der Goldgewinnung in Kleinunternehmen sowie bei der Energieerzeugung durch Kohleverbrennung konnten nur in abgeschwächter Form durchgesetzt werden. Davon sind vor allem Entwicklungsländer betroffen. Dort sind mit dem Anstieg des Goldpreises massenweise kleine Schürfunternehmen entstanden, die Quecksilber einsetzen, um das Edelmetall vom Erz zu trennen.

Große Gesundheitsgefahr und schwache Kontrollen

Die WHO würdigte die Einigung in Genf als wichtigen Fortschritt beim Gesundheitsschutz. EU-Umweltkommissar Janez Potocnik sagte in Brüssel, die Europäische Union habe seit Jahren für ein weltweites Quecksilber-Abkommen gekämpft. In der EU werde Quecksilber bereits kontrolliert. Es stelle eine große Gesundheitsgefahr dar, wenn es in die Nahrungskette gelange. In weiten Teilen der Welt fehlten solche Kontrollen aber bislang.

Nichtstaatliche Organisationen, die sich für ein umfassendes Quecksilberverbot einsetzen, übten Kritik an dem Konventionstext. Dass es überhaupt zu einem verbindlichen Vertrag kommt, sei zwar zu begrüßen, erklärte Michael Bender von der Dachorganisation Zero Mercury Working Group. „Doch die Wirksamkeit ist eingeschränkt, weil die Kontrollen der Quecksilberemissionen aus Hauptquellen wie Kohlekraftwerken zu schwach sind.“

Die rund 140 beteiligten Staatenvertreter - darunter auch Deutschlands - einigten sich auf Kontrollmaßnahmen für größere industrielle Anlagen von Kohlekraftwerken über Hüttenwerke für Zink- und Gold bis zu großen Zementfabriken. Die Kritiker bemängeln aber, dass viele dieser Maßnahmen bei älteren Anlagen erst innerhalb von zehn Jahren umgesetzt werden müssten und bei neuen erst in fünf Jahren vorgeschrieben seien.

dpa

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