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16:36 26.06.2019
Eine Wildkamera fotografierte im Bereich des Klausenwaldes bei Reutte in Tirol diesen jungen Braunbären. Quelle: Privat/dpa
München/Reutte

Im österreichischen Bezirk Reutte, der nur etwa 20 Kilometer von der Grenze zu Bayern entfernt ist, war der junge Braunbär in eine Fotofalle getappt. Jetzt werden Erinnerungen an Bruno und alte Ängste wieder wach. Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk (BR) äußerte sich Bauernobmann Nikolaus Grasegger aus Grainau, wo sich vor 13 Jahren der aus Italien eingewanderte Bruno herumtrieb, schon einmal argwöhnisch: „Ein ganz ungutes Gefühl ist das. Wir haben das ja damals mitgemacht, wo er in Siedlungen eingedrungen ist und etwa 15 Schafe gerissen hat; kein schöner Anblick.“

Bär könnte bereits in Bayern sein

Johannes Fritz, Tiroler Amtstierarzt des Bezirks Reutte, hält es nicht für unwahrscheinlich, dass sich das Tier bereits in Bayern aufhalte. Er sagte, ebenfalls im BR: „Das ist durchaus möglich von der Mobilität des Tieres her, denn die schaffen locker 30 Kilometer am Tag. Da kann er locker schon ein gutes Stück in Bayern vorangekommen sein. Seit dort haben wir keine konkreten Hinweise auf die Anwesenheit des Bären bekommen, insofern muss ich vermuten, dass er meinen Bezirk schon verlassen hat. Nur welche Himmelsrichtung er nimmt, das kann niemand sagen.“

Ein Sprecher des Bayerischen Umweltministeriums schränkt jedoch ein: „Derzeit gibt es keine Hinweise, dass der Bär die Grenze nach Bayern passiert hat.“ Auf den Tag genau vor 13 Jahren war der Braunbär Bruno im Rotwandgebiet erschossen worden. Wochenlang hatten die Behörden damals versucht, den Bären zu fangen, der Schafe riss, Bienenstöcke plünderte und sogar durch Ortschaften marschierte. Auch eigens eingeflogene finnische Bärenjäger konnten den verhaltensauffälligen Bruno nicht fassen. Er wurde erschossen. Heute ist der ausgestopfte Bruno im Münchner Museum Mensch und Natur zu sehen.

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Der ausgestopfte Bruno im Museum Mensch und Natur in München. Quelle: Peter Kneffel/dpa

Der namenlose Bär ist scheu

Es gibt allerdings einen gravierenden Unterschied zu JJ1, wie Bruno damals offiziell genannt wurde. „Das Tier ist komplett scheu, unauffällig und meidet menschliche Siedlungen. Sonst wäre er irgendwie gesichtet worden. Es hat uns niemand mitgeteilt, dass etwas passiert wäre. Der ist nicht vergleichbar mit dem Bär Bruno 2006“, sagt Amtstierarzt Fritz.

Das bestätigt auch Moritz Klose, Wildtierreferent bei der Naturschutzorganisation WWF Deutschland. Das Tier zeige „keine Neigung, an und in Siedlungen nach Nahrung zu suchen, sondern verhält sich sehr vorsichtig und unauffällig. Aber: „Bayern muss sich, ebenso wie Baden-Württemberg, auf sommerlichen Bärenbesuch einstellen.“

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Anders als damals sieht sich der Freistaat heute gut auf die Ankunft eines Bären vorbereitet. Ein Plan regelt den Umgang mit dem Wildtier und die Schritte, falls es Probleme gibt. Derzeit stehe das bayerische Landesamt für Umwelt in engem Kontakt mit den Kollegen in Österreich, sagte der Ministeriumssprecher. „Die Lage und die Entwicklung werden genau beobachtet.“ Dem widerspricht allerdings der Grünen-Landtagsabgeordnete Christian Hierneis, der vor 13 Jahren an dem Managementplan mitarbeitete. „Wenn der Bär bei uns bleibt, haben wir keinen Plan, kein Monitoring, gar nichts [...] Es fehlen die Spezialisten, die das beobachten, einschätzen und damit umgehen können.“

Für den WWF jedenfalls wäre ein neuerliches Auftauchen eines Braunbären in Deutschland ein Gewinn. Denn schließlich waren Braunbären bis weit ins 19. Jahrhundert hinein Teil der heimischen Natur.

Von RND/dk