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Wirtschaft e.on verkauft Holding Thüga
Mehr Welt Wirtschaft e.on verkauft Holding Thüga
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10:22 08.08.2009
Von Jens Heitmann
Die Stadtwerke Hannover – und mit ihnen die drei Türme des Heizkraftwerkes Linden – gehören künftig noch mehr zur Landeshauptstadt. Quelle: Michael Thomas
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Der Kaufpreis belaufe sich knapp 3 Milliarden Euro, verlautete am Freitag aus Konzernkreisen in Düsseldorf. Dem Vernehmen nach haben sich die Unterhändler beider Seiten grundsätzlich auf die Modalitäten des Verkaufs verständigt.

Danach übernehmen die Stadtwerke Hannover, Frankfurt und Nürnberg mit ihrer neu gegründeten Gesellschaft Integra in einem ersten Schritt jeweils rund 20 Prozent der Thüga-Anteile, knapp 40 Prozent gehen an einen Zusammenschluss von 46 kleineren Versorgern (Kom 9) unter Führung der Freiburger Badenova. Sprecher der Unternehmen wollten das gestern jedoch nicht bestätigen.

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In einem zweiten Schritt planen Integra und Kom 9 offenbar, einen weiteren Investor ins Boot zu holen – die Rede ist vom dänischen Energiekonzern Dong. Die Skandinavier könnten am Ende rund ein Viertel der Thüga-Anteile bekommen, hieß es. Die Beteiligungen der Stadtwerke-Gruppen würden dann entsprechend schrumpfen.

Die Verhandlungen über den Thüga-Verkauf laufen seit Monaten. e.on hatte sich unter anderem auf Druck der Kartellbehörden zum Abschied von der Holding entschlossen – zudem brauche der Konzern dringend Geld, hieß es in Düsseldorf. Auf im Ausland überteuert eingekaufte Unternehmenstöchter waren zuletzt milliardenschwere Abschreibungen nötig geworden.

Konzernintern ist der Verkauf der Thüga umstritten. Insbesondere auf Arbeitnehmerseite gebe es starke Bedenken gegen die Veräußerung der ertragsstarken Unternehmensgruppe, verlautete aus Konzernkreisen. Investmentbanker sollen der e.on-Führung vorgeschlagen haben, die Thüga zu „filettieren“ und die Stadtwerke-Beteiligungen einzeln zu verkaufen, weil so mehr zu verdienen sei. Der Verkauf an einen ausländischen Konkurrenten sei hingegen nie ernsthaft in Betracht gezogen worden, hieß es.

Nach Angaben aus Konzernkreisen soll die Thüga nicht komplett verkauft werden. Die Beteiligungen an den Stadtwerken Duisburg, Karlsruhe und Darmstadt gehörten nicht zum Paket, auch die Berliner Gasag und einzelne Eigenbetriebe in Bayern blieben außen vor. Dadurch sei der Kaufpreis etwas geringer ausgefallen als ursprünglich erwartet, hieß es. Zusammen erreichen die verbleibenden 95 Thüga-Töchter einen Umsatz von etwa 14 Milliarden Euro.

Dem Vernehmen nach wollen die beteiligten Stadtwerke den Kauf der Thüga weitgehend aus eigener Kraft stemmen. Die zu erwartende Dividende sei höher als die Aufwendungen für Zinsen und Tilgung der entstehenden Verbindlichkeiten, hieß es. Zudem erhofften sich die kommunalen Versorger Einsparungen – etwa beim gemeinsamen Einkauf von Energie bei den großen Erzeugern. Darüber hinaus setzen die Stadtwerke auf Wachstum. Insbesondere in Ostdeutschland gebe es eine Reihe von Städten, die für ihre Energieunternehmen nach einem starken Partner Ausschau hielten, hieß es in der Branche.