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Wirtschaft e.on sortiert Regionalversorger neu
Mehr Welt Wirtschaft e.on sortiert Regionalversorger neu
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21:23 04.06.2012
Von Jens Heitmann
Foto: Sitz von e.on Avacon in Helmstedt: Der Konzern und die Kommunen ringen um die Mehrheit.
Sitz von e.on Avacon in Helmstedt: Der Konzern und die Kommunen ringen um die Mehrheit. Quelle: dpa
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Hannover

e.on Mitte in Kassel, e.on Thüringen in Erfurt und e.on Westfalen Weser in Paderborn stünden zum Verkauf, sagte der für das Netzgeschäft zuständige e.on-Manager Thomas König am Montag der HAZ: „Die vier Unternehmen, auf die wir uns konzentrieren wollen, bilden einen schlagkräftigen Verbund, um die Herausforderungen der Energiewende zu meistern.“

Der Konzern will sein Regionalgeschäft künftig auf e.on Avacon in Helmstedt, e.on Edis in Fürstenwalde, e.on Hanse und e.on Bayern konzentrieren. Das Quartett verfüge über große zusammenhängende Netzgebiete und sei damit für die Zukunft gut gerüstet, sagte König. Der Manager war früher Chef von e.on Avacon und steht dort heute an der Spitze des Aufsichtsrates des Helmstedter Unternehmens, das auch Teile der Region Hannover versorgt.

Als Grund für die angestrebte Neuordnung nennt e.on die Umstellung der Stromwirtschaft von atomaren und fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Ressourcen. Der dafür nötige Ausbau der Netze und der dezentralen Erzeugung mache deutlich höhere Investitionen erforderlich, sagte König. Für die nächste Dekade rechne man für das deutsche Netzgeschäft insgesamt mit Ausgaben von einer Milliarde Euro pro Jahr – für e.on Avacon seien das zwischen 120 und 140 Millionen Euro. In Norddeutschland drängt vor allem Windstrom in die Netze, im Süden werden viele Photovoltaikanlagen installiert.

Als Käufer für die ausgemusterten Regionalversorger hofft man bei e.on auf die Kommunen, die bereits an den Unternehmen beteiligt sind. Im Bereich Westfalen-Weser hatte e.on zuletzt zahlreiche Konzessionen zum Betrieb von Netzen an örtliche Stadtwerke verloren. Aus dem einst fast geschlossenen Verteilergebiet, das bis vor die Tore Hannovers reicht, drohte ein Flickenteppich zu werden. Um diesen Prozess zu stoppen, hatte e.on bereits im Februar Signale für einen Verkauf gegeben. Dem Vernehmen nach erhofft man sich einen Erlös von 550 Millionen Euro – König wollte diese Zahl nicht bestätigen.

Bei e.on Mitte in Kassel hatte es in der Vergangenheit nach Informationen dieser Zeitung öfter Probleme mit den kommunalen Anteilseignern gegeben, die sich zu wenig eingebunden fühlten. In Erfurt liegen ohnehin nur 53 Prozent der Thüringer Energienetze GmbH bei e.on – das sichere der Tochter schon heute große Freiheiten, hieß es am Montag in Konzernkreisen. Beide Unternehmen stünden wirtschaftlich gut da und man befinde sich in konstruktiven Gesprächen, betonte Netzmanager König.

Der Konzern will die Rolle der Kommunen aber auch bei den vier Regionalversorgern stärken, die künftig das Verteilergeschäft tragen sollen. Bei e.on Avacon sollen die kommunalen Partner noch enger in strategische Überlegungen eingebunden werden, sagte König. Der Konzern sei auch offen für eine Aufstockung der kommunalen Beteiligungen – e.on wolle aber die Mehrheit am Unternehmen behalten.

Wegen Pannen etwa bei Abrechnungen und der Bearbeitung von Verträgen hat e.on Avacon zuletzt viele Kunden verloren. In den vergangenen beiden Jahren hat das Unternehmen nach Informationen der HAZ 130.000 Kündigungen erhalten.

04.06.2012
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