Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wirtschaft e.on-Mitarbeiter sollen weich fallen
Mehr Welt Wirtschaft e.on-Mitarbeiter sollen weich fallen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:00 24.01.2012
Von Stefan Winter
Die Konzernzentrale in Düsseldorf wird unter den Kürzungen besonders leiden.
Die Konzernzentrale in Düsseldorf wird unter den Kürzungen besonders leiden. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Nach mehrwöchigen Verhandlungen haben sich beide Seiten auf die Rahmenbedingungen des „e.on 2.0“ genannten Konzernumbaus geeinigt. Angesichts der Vielzahl der vereinbarten „sozialverträglichen“ Instrumente seien betriebsbedingte Kündigungen „de facto ausgeschlossen“, sagte ver.di-Sprecher Christoph Schmitz.

e.on bleibt bei seinem Plan, weltweit 11 000 der 85 000 Stellen zu streichen. Für die 6000 betroffenen Mitarbeiter in Deutschland wurde nun ein Tarifvertrag vereinbart, der bis 2016 läuft und mehrere Instrumente für Personalabbau bereithält.
Den größten Effekt erhoffen sich die Gewerkschaften vom Vorruhestand, der für alle Mitarbeiter der Jahrgänge 1958 und älter vereinbart wurde. Details dazu wurden noch nicht genannt, er sei aber „vernünftig ausgestattet“, hieß es bei ver.di. Die Resonanz bleibe abzuwarten, aber der Vorruhestand könne bereits einen „sehr großen Teil“ der betroffenen Stellen abdecken.

Der zweite Schritt ist eine konzerninterne Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft, in der Mitarbeiter für zwei Jahre weitergebildet werden. Nach Gewerkschaftsangaben bleiben sie dabei tarifliche e.on-Mitarbeiter. Offenbar hofft man, dass der Weg aus dieser Gesellschaft möglichst oft in eine andere Funktion im Konzern führt, denn eine Transfergesellschaft, die Mitarbeiter in ein anderes Unternehmen oder eben die Arbeitslosigkeit entlässt, gilt nur als allerletztes Mittel. Sie soll ausdrücklich „zeitlich nachgelagert“ gegründet werden – also nur, wenn alle anderen Instrumente nicht ausgereicht haben.

ver.di-Sprecher Schmitz hob hervor, dass der gesamte Prozess vom Betriebsrat „sehr stark begleitet“ werde. Dazu gehöre auch eine paritätisch von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite besetzte Kommission, die sich unter anderem mit Härtefällen in der Belegschaft befassen werde. „Man kann sich immer noch mehr vorstellen“, sagte Schmitz. Aber angesichts der Tatsache, dass auch Kündigungen im Raum gestanden hätten, sei man mit dem Ergebnis zufrieden.

„Ich freue mich für alle unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über das Ergebnis“, sagte Personalvorstand Regine Stachelhaus. Mit dem Tarifvertrag könne man gleichzeitig „Beschäftigte von Arbeit in Arbeit bringen“ und die Ziele der Konzernstrategie „e.on 2.0“ erreichen. Die sehen unter anderem vor, die „beeinflussbaren Kosten“ bis 2015 auf 9,5 Milliarden Euro zu reduzieren. Im Moment liegen sie bei 11 Milliarden.

Der größte deutsche Energieversorger ist gleich an mehreren Fronten unter Druck geraten. Mit der Öffnung des Energiemarktes haben Wettbewerb und Preisdruck zugenommen, außerdem beschloss die Bundesregierung den schnellen Ausstieg aus der Kernenergie. Mindestens genauso schwer wiegen bei e.on allerdings Altlasten: Milliarden wurden in Auslandsgeschäfte investiert, von denen viele längst zur Last geworden sind.

24.01.2012
Carola Böse-Fischer 23.01.2012