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Wirtschaft Zukunft von Karstadt weiter ungewiss - Angebot von Finanzinvestor
Mehr Welt Wirtschaft Zukunft von Karstadt weiter ungewiss - Angebot von Finanzinvestor
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09:42 24.04.2010
Quelle: ap (Archiv)
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Nach dem Ablauf der Angebotsfrist für mögliche Investoren lag am Freitag nach Angaben von Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg ein Angebot eines Interessenten vor. Ein Name wurde zunächst nicht genannt.

Ein Sprecher des Finanzinvestors Triton hatte jedoch zuvor erklärt, dass das Unternehmen ein Angebot vorgelegt habe. Zudem war auch über weitere Offerten etwa von dem mehrheitlich zu Goldman Sachs gehörenden Immobilien-Konsortium Highstreet spekuliert worden, das rund zwei Drittel der 120 Karstadt-Warenhäuser besitzt.

Auch nach Ablauf der von Görg gesetzten Frist würden weitere Angebote angenommen, sagte Görg-Sprecher Thomas Schulz. Ziel sei es, sobald als möglich einen Kaufvertrag zu unterzeichnen. Für die Unterzeichnung des Kaufvertrags sieht der Insolvenzplan derzeit eine Frist bis zum 30. April vor. Bei der Gläubigerversammlung vor knapp zwei Wochen war auf Antrag eines Gläubigers diese Frist jedoch entschärft worden. Der Gläubigerausschuss kann nun beschließen, die Frist entweder komplett aufzuheben oder auch zu verlängern.

Das nun vorgelegte Angebot werde nun „so zügig wie möglich und gründlich wie nötig“ geprüft, so der Insolvenzverwalter. Die Unterschrift eines Investors ist Voraussetzung für die Bestätigung des Insolvenzplans durch das Gericht. Ein Gerichtstermin ist für den 31. Mai festgesetzt. Der endgültigen Abschluss des Verkaufsprozesses ist bis zum 30. September geplant.

Ziel von Triton sei es, Karstadt als Ganzes zu erhalten, so ein Unternehmenssprecher. „Wir kaufen das Unternehmen nicht, um es zu liquidieren“, sagte er. Zur Höhe des angebotenen Kaufpreises machte er keine Angaben. Vorgesehen seien weitere Einschnitte. Zu Einzelheiten wollte sich der Sprecher nicht äußern.

Triton ist nach eigenen Angaben eine deutsch-skandinavische Beteiligungsgesellschaft, die auf Restrukturierungen, private Beteiligungen und Refinanzierungen spezialisiert ist. Bei dem Unternehmen gebe es Beteiligungen, die bereits über zehn Jahre gehalten würden. Seit der Gründung 1998 sei Triton bei 27 Unternehmen eingestiegen, davon die Hälfte in Deutschland. Zu den Engagements zähle etwa die von Siemens erworbene Dematic oder der Einstieg bei der zuvor zu Evonik gehörenden Rütgers Chemie. Außerdem hatte sich Triton beim Fensterbauer Weru und dem Fertighaushersteller Kampa engagiert.

Die 25.000 Karstadt-Beschäftigten sowie Vermieter und Dienstleister hatten sich bereits im Insolvenzplan zu Einschnitten in Millionenhöhe bereiterklärt. Die Karstadt-Gläubiger sollen auf bis zu 97 Prozent ihrer angemeldeten Forderungen von 2,7 Milliarden Euro verzichten.

Der Insolvenzplan sieht auch zwingend einen Verzicht der großen Mehrheit von 90 Kommunen mit Karstadt-Häusern auf Gewerbesteuerforderungen vor, die nur durch den Gläubigerverzicht entstehen. Mehr als als 60 von 90 betroffenen Kommunen mit Karstadt- Standorten haben sich nach Angaben von Görg-Sprecher Schulz bislang mit dem Verzicht auf die Besteuerung dieses sogenannten Sanierungsgewinns einverstanden erklärt. Notwendig ist eine Zustimmungsquote von 98 Prozent der Gemeinden bis Ende Mai, damit der Insolvenzplan gültig werden kann.

dpa

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