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Wirtschaft Zu schmutzig? Kult-Automarke Lada zieht sich vom deutschen Markt zurück
Mehr Welt Wirtschaft Zu schmutzig? Kult-Automarke Lada zieht sich vom deutschen Markt zurück
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15:46 24.04.2019
Auf Oldtimer-Treffen sind die Fahrzeuge noch omnipräsent. Doch gerade Neufahrzeuge wird es in Deutschland bald nicht mehr zu kaufen geben. Quelle: Bert Endruszeit
Rostock

Do swidanja (Auf Wiedersehen) Lada! Die robusten russischen Autos werden bald nicht mehr in Deutschland zu kaufen sein. Die Fahrzeuge der Traditionsmarke entsprechen nicht mehr den strengen deutschen Abgasnormen.

Damit geht eine lange Geschichte zu Ende: Ladas galten früher als Edelmarke, wer zu DDR-Zeit einen sein Eigen nennen konnte, war stolz darauf. Heute rollen noch 112 Lada-Oldtimer auf den Straßen des Landes und rund 1000 Fahrzeuge moderneren Typs. Alleine 16 Händler sind in Mecklenburg-Vorpommern von dem geplanten Verkaufsstopp Ende 2019 betroffen.

„Er hängt alle ab“

„Das ist sehr schade und tut meiner Firma richtig weh“, sagt Maik Schröter, der als einer von 16 Lada-Händlern des Bundeslandes in seinem Pkw-Motorrad-Service in Kalkhorst (Nordwestmecklenburg) in den letzten zwei Jahren 15 Ladas verkauft hat. „Ich handle seit 15 Jahren mit Ladas und endlich gibt es auch richtig gute Pkw – ich verstehe diesen Schritt nicht.“

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Händler Maik Schröter in Kalkhorst mit einem alten (l.) und einem neuen Lada Quelle: Daniel Heidmann

Vor allem beliebt seien allerdings die Geländewagen aus Russland: „Der Lada Niva – beziehungsweise jetzt Taiga – ist in seiner Preisklasse der absolut beste Geländewagen auf dem Markt. Wenn es so richtig um die Ecke geht, hängt er alle ab.“ Vor allem Jäger zählen zu Schröters Kunden. „Manche finden ihn aber auch einfach urig und fahren damit auf der Straße.“

Rückkehr in naher Zukunft?

Dieter Trzaska, Geschäftsführer bei Lada Automobile Deutschland, bestätigt das zumindest vorläufige Aus, betont aber: „Lada arbeitet an einem Konzept, wie die Marke in naher Zukunft wieder auf den deutschen Markt zurückkehren kann.“ Der Taiga könnte weiterhin in einer Kleinserie vertrieben werden.

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Das würde wohl viele Jäger und Förster freuen. „Der Lada fährt einfach überall hin“, sagt Andreas Baumgart, Leiter des Forstamts Schuenhagen (Kreis Vorpommern-Rügen). Die Vorteile des Geländewagens seien der kurze Radstand und die hohe Bodenfreiheit sowie seine Robustheit. „Er eignet sich sehr gut dazu, erlegtes Wild aus dem Wald zu transportieren, weil man da oft auf Wegen fahren muss, die für Pkw nicht geeignet sind“, so Baumgart. Nachteil sei allerdings der hohe Verbrauch.

80.000 Mark für einen „Shiguli“

Bei den Lada-Pkw werden allerdings viele Fans im Osten an die Klassiker aus Sowjetzeiten denken. Der Lada 1600 „Shiguli“ wurde zwischen 1976 und 2006 mehr als vier Millionen mal gebaut. Autohändler Reinald Lehmann in Möllenhagen (Mecklenburgische Seenplatte) hat gerade einen „Schiguli“ Baujahr 1978 für sage und schreibe 9999 Euro verkauft.

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„Für viele war der Lada zu DDR-Zeiten unerreichbar. Er kostete regulär 27 000 Mark und auf dem Schwarzmarkt auch mal 80.000. Heute können sich die alten Fans einen 1600er erlauben, die fragen dann auch nicht nach dem Preis.“ Einen gut erhaltenen Lada-Oldtimer zu bekommen sei allerdings fast unmöglich – auch daher der hohe Liebhaberpreis.

Lada als Nischenprodukt

Der Lada sei jedoch auch heute eher ein Nischenprodukt, gefragt seien verstärkt wieder Trabbis und Wartburgs, sagt Lehmann. Laut Kraftfahrtbundesamt sind alleine in Mecklenburg-Vorpommern noch immer fast 3000 Trabant und 600 Wartburg angemeldet. Deutlich mehr gibt es von den modernen Varianten der Ostklassiker Skoda (54.000) oder Dacia (13.300).

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