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Wirtschaft Wohlhabende Ärzte stehen in Griechenland am Pranger
Mehr Welt Wirtschaft Wohlhabende Ärzte stehen in Griechenland am Pranger
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22:23 14.05.2010
Quelle: ap (Symbolbild)
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Die Liste enthält Zahnärzte und Kardiologen, Augenärzte und Radiologen, Orthopäden, Frauenärzte und Schönheitschirurgen.

Viele prominente Nachfahren des Hippokrates sind darunter. Detailliert ist in der Liste hinter jedem Namen aufgeführt, welches Steuervergehen festgestellt wurde. Die entsprechenden Steuerstrafverfahren laufen noch. Eine zweite Liste umfasst die Namen von elf Ärzten, denen der Fiskus bereits Strafen aufgebrummt hat – in einem Fall sogar 1,3 Millionen Euro. Und dann kann man in den Zeitungen noch eine dritte Liste studieren. Sie enthält die Namen von 151 Ärzten, die Praxen im Athener Nobelviertel Kolonaki betreiben. Hinter jedem Namen steht, welchen Gewinn der jeweilige Doktor im Jahr 2009 dem Finanzamt deklariert hat. So meldete der Zahnarzt A. K. nur 300 Euro – für das ganze Jahr. Auch sein Berufskollege G. Z. hat offenbar gar nicht gebohrt: Er will lediglich 640 Euro Gewinn erwirtschaftet haben. 38 Ärzte deklarierten Einkommen von weniger als 12 000 Euro im Jahr – das ist zufällig der Grundfreibetrag. Mithin zahlten sie gar keine Einkommensteuer.

Jeder Grieche weiß: Da kann etwas nicht stimmen. Die meisten Kolonaki-Ärzte behandeln nur Privatpatienten. Und wer einen von ihnen aufsucht, wird schon für eine flüchtige Untersuchung oder ein einfaches Beratungsgespräch mit 60 bis 100 Euro zur Kasse gebeten. In vielen Fällen verschwinden die Geldscheine gleich in der Schreibtischschublade des Doktors. Kein Wunder eigentlich, dass nur zehn der 151 Kolonaki-Ärzte Jahreseinkommen von mehr als 100 000 Euro deklarieren.

Und wie reagiert die Zunft darauf, dass nun prominente Mediziner am Pranger stehen? „Ich bin für ein gerechtes Steuersystem“, sagt Emmanouil Kalokairinos, der Vorsitzende des griechischen Ärzteverbandes. „Aber diese Polemik, die sich einseitig gegen die Ärzte richtet, muss aufhören.“ Der Ärztepräsident ist strikt dagegen, dass die Namen von Steuersündern veröffentlicht werden, denn „damit wird der Arztberuf kriminalisiert“. Eine merkwürdige Argumentation: Stehen die Halbgötter in Weiß etwa über dem Gesetz?

Die Ärzte hätten es bei der Steuerhinterziehung besonders leicht, meint Ioannis Kapeleris, der Chef der griechischen Steuerfahndung. Denn zwischen Arzt und Patient herrsche nun einmal ein besonderes Vertrauensverhältnis. Viele Patienten fühlten sich von ihrem Arzt abhängig und hätten deshalb Hemmungen, auf einer Quittung zu bestehen oder etwa einen Krankenhausarzt anzuzeigen, wenn er für eine Operation ein „fakelaki“, ein Schmiergeld verlangt, sagt Kapeleris.

Gerd Höhler

14.05.2010
Stefan Winter 14.05.2010
14.05.2010