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Wirtschaft Wo Biosprit längst Alltag ist
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08:26 09.05.2011
Von Helmuth Klausing
Im CeBIT-Partnerland Brasilien, hier Rio de Janeiro, ist Biosprit normal. Quelle: Archivbild
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„Die mischen munter Alkohol und Benzin – und die Motoren machen das ohne Probleme mit“, sagt Oliver Parche, Südamerikaexperte beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in Berlin. Und die Software der Deutschen Börse in Frankfurt stamme auch komplett aus Brasilien.

Nur zwei Beispiele, die illustrieren, dass das riesige südamerikanische Land mehr zu bieten hat als Zuckerrohr und Kaffee. Wenn Brasilien also im kommenden Jahr Partnerland der Hightech-Messe CeBIT in Hannover ist, dürfen die Besucher schon mehr erwarten als ein „Samba-Summit“, von dem bereits die Rede war. Es wird ein Gipfeltreffen ganz anderer Art, auf das sich deutsche Unternehmer bereits freuen.

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Sie wittern Absatzchancen in einem Markt mit mehr als 190 Millionen Menschen allein in Brasilien und darüber hinaus eine Gelegenheit, einen ganzen Kontinent zu erobern. Dabei ist das Potenzial des Schwellenlandes längst erkannt. An die 1000 deutsche Unternehmen haben sich allein im Bundesstaat São Paulo angesiedelt, der wirtschaftlich am stärksten wachsenden Region des Landes. Die Deutschen erwirtschaften laut DIHK 10 Prozent des industriellen Bruttoinlandsprodukts von Brasilien.

Deutsche Wirtschaftsdelegationen geben sich in Brasilien die Klinke in die Hand: 40 besuchen allein in diesem Jahr das Land. Die gerade zu Ende gegangene Reise des Bundespräsidenten, der ebenfalls Unternehmer im Schlepp hatte, ist dabei noch nicht eingerechnet. Auch Niedersachsen sieht sich gut vorbereitet. Im Herbst fährt Ministerpräsident David McAllister nach São Paulo. Im März war bereits Wirtschaftsminister Jörg Bode dort und eröffnete das „Niedersachsen Business Center“.

Die Aussichten dafür seien ausgesprochen günstig, sagt Kirsten Redelfs, Außenhandelsexpertin bei den Wirtschaftsförderern von NGlobal. Anders als etwa in Asien gebe es dort praktisch keine Probleme mit Produktpiraterie. „Die Brasilianer wollen ‚Made in Germany‘ im Land haben und sich dieses Qualitätsmerkmal auch nicht kaputt machen.“ Volkswagen baut seit 1953 Autos in Brasilien. „Die sehen VW dort gar nicht mehr als deutsches Unternehmen an“, sagt Redelfs. Bosch habe in Brasilien schon vor 15 Jahren die „Flexfuel“-Technik entwickelt, die Motoren sogar mit E 95 fahren lässt. „Brasilien hat da einen Vorsprung von Jahren.“ Der Bedarf an deutschem Know-how aus allen Bereichen sei schier grenzenlos.

Auch DIHK-Fachmann Parche gerät über Brasilien rasch ins Schwärmen. Die Bevölkerung sehe sich traditionell Europa nahestehend. Inzwischen habe in den Wirtschaftsbeziehungen aber Asien den Europäern den Rang abgelaufen. Während China vor allem an den Rohstoffen des Riesenlands interessiert sei, gehe Deutschland einen anderen Weg: „Wir setzen auf Technologiekooperationen“, erläutert der Südamerika-Fachmann. „Das kommt in Brasilien ganz besonders gut an.“ Das Land muss in den nächsten Jahren Milliarden in seine Infrastruktur stecken. Brasilien richtet die Fußball-Weltmeisterschaft 2014, die Fußball-Südamerikameisterschaft Copa América 2015 und die Olympischen Sommerspiele 2016 aus.

Die großen Stücke dieser Kuchen seien zwar bereits verteilt, sagt Redelfs, aber bei Zulieferern und so am Rande gebe es noch jede Menge Chancen für deutsche und auch niedersächsische Unternehmen, Geschäfte zu machen. Dabei sei die Präsenz vor Ort besonders wichtig. „Da läuft viel über Vertrauen und persönliche Kontakte.“ Ein Punkt störe aus deutscher Sicht aber dennoch: Die Einfuhrzölle seien in Brasilien noch sehr hoch, sagt Redelfs. Aber auch daran werde „gearbeitet“.

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