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14:10 28.04.2010
Der Chef des Münchner ifo-Institutes, Hans-Werner Sinn, zeichnet ein drastisches Bild griechischen Finanzlage.
Der Chef des Münchner ifo-Institutes, Hans-Werner Sinn, zeichnet ein drastisches Bild der griechischen Finanzlage. Quelle: ap
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Griechenlands Schuldenkrise spitzt sich zu. Dies setzt die EU-Staaten unter massiven Handlungsdruck, ein Übergreifen auf andere Staaten wie Portugal zu verhindern. Kanzlerin Angela Merkel, Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) und die Spitzen der Bundestagsfraktionen wollten sich am Mittwoch in Berlin mit dem Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, sowie dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, treffen.

Der Chef des Münchner ifo-Institutes, Hans-Werner Sinn, glaubt derweil nicht, dass Griechenland Hilfen an Deutschland jemals zurückzahlen könnte. Sinn sagte MDR Info, die Regierung in Athen werde letztlich nicht in der Lage sein, den verlangten harten Sparkurs zu fahren. Auf politischem Wege werde dann mit von den Griechen und der anderen problematischen Länder ein Schuldenerlass von Deutschland verlangt. Sinn äußerte Verständnis für das Zögern der Bundesregierung bei der Hilfszusage. Wenn das Geld erst einmal bereit gestellt sei, „dann hat man kein Druckmittel mehr gegenüber Griechenland. Das macht die Bundesregierung absolut richtig“.

Mit Spannung erwartet wird die weitere Reaktion der Börsen. Sie gaben bereits am Dienstagabend nach, als das Rating für griechische Staatsanleihen von der Ratingagentur Standard & Poor’s auf das Ramschniveau „BB+“ gesenkt wurde. Zusätzliche Besorgnis löste die Nachricht aus, dass auch das Euro-Land Portugal, das ebenfalls mit einem großén Defizit zu kämpfen hat, erneut herabgestuft wurde. Experten warnen vor einer Kettenreaktion. Der Euro fiel mit rund 1,3290 Euro auf einen der niedrigsten Stände seit einem Jahr.
Der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, Ulrich Blum, sieht in der Einstufung der Kreditwürdigkeit Athens auf „Junk“ eine Vorentscheidung für eine mögliche Zahlungsfähigkeit. „Die Märkte sind offenbar zur Entscheidung gekommen, dass Griechenland anhand schlechter Fundamentaldaten die Schulden nicht mehr aus eigener Kraft zurück zahlen kann“ sagte Blum dem MDR. „Die Gläubiger müssen erkennen, dass die ganzen Ausleihungen von fast 200 Milliarden Euro nicht mehr einbringbar sind“, sagte der Ökonom und kam zu dem Fazit: „Der Stab über Griechenland ist damit eigentlich gebrochen.“

Alleine deutsche Banken haben mehr als 30 Milliarden Euro an Griechenland ausgeliehen, „Davon werden sie nicht viel wiedersehen“, sagte Blum. „Es gibt eine Bank, Hypo Real Estate, die dabei sehr gut mitgemischt hat. Wenn die wieder 10 Milliarden Euro benötigt, dann ist es der Bundeshaushalt, aus dem das gezahlt wird.“ Negative Folgen für den Euro erwartet Blum dennoch nicht. Aber es bestehe - auch mit Blick auf Portugal die Gefahr eines Lawineneffektes.

Portugal wehrt sich derweil gegen die Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit. Das Land müsse sich „gegen diesen Angrif der Märkte“ zur Wehr setzen, erklärte Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos am Mittwoch in Lissabon. Wie in der Vergangenheit werde die Regierung das Nötige tun, um das Defizit zu verringern und die Wettbewerbsfähigkeit der portugiesischen Wirtschaft zu stärken. Die Ratingagentur Standard & Poor’s hatte die Kreditwürdigkeit des Landes am Dienstag gleich zwei Stufen herabgestuft. Spekulanten könnten das Land nun zu ihrem nächsten Ziel machen.

Der portugiesische Finanzminister wies jeden Vergleich zu Griechenland zurück: Es sei Mehrheitsmeinung, dass die Lage in Portugal und die in Griechenland „zwei verschiedene Realitäten“ seien, sagte Teixeira dos Santos. Er verwies dabei auf den Internationalen Währungsfonds, die Europäische Zentralbank, die EU-Kommission und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

dpa/afp

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