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Wirtschaft Wer bei Hollister falsch würfelt, wird kontrolliert
Mehr Welt Wirtschaft Wer bei Hollister falsch würfelt, wird kontrolliert
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21:52 04.04.2013
Quelle: dpa
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Frankfurt

Wer in Esoterikforen der Bedeutung der Zahl Vier nachspürt, stößt auf den Damba-Baum, angeblich ein buddhistisches Symbol des Lebens. „Er hat vier Zweige und vier Wurzeln“, heißt es da. „Diese entsprechen den vier Wünschen nach: Mitgefühl, Zuneigung, Liebe und Unvoreingenommenheit.“ Für Mitarbeiter der Modekette Hollister in Frankfurt bekommt die Zahl Vier bald eine eher profane Bedeutung: Wer sie beim Verlassen der dortigen Filiale würfelt, muss seine Jacken und Taschen zur Kontrolle öffnen.

So lautet der Kompromiss, auf den sich am Donnerstag das Unternehmen und der Betriebsrat geeinigt haben. Das Landesarbeitsgericht Hessen stellte daraufhin ein Verfahren über die Arbeitsbedingungen bei Hollister ein (Az.: 5 TaBVGa 8/13).

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Bis zum Abschluss einer endgültigen Betriebsvereinbarung unterliegen die Frankfurter Mitarbeiter also dem neuen „Würfelprinzip“: Nur wer Einsen, Zweien, Dreien, Fünfen und Sechsen würfelt, darf unkontrolliert nach Hause gehen.

Nach Angaben der Gewerkschaft ver.di gilt die Einigung lediglich für die Filiale in Frankfurt. Das Misstrauen der Unternehmensleitung soll dem Vernehmen nach in den anderen 16 Läden der Modekette in Deutschland ähnlich groß sein - dort gibt es bisher aber keine Arbeitnehmervertretung.

Die oftmals befristet Beschäftigten hätten häufig Angst, dass ihr Vertrag nicht verlängert werde, wenn sie sich im Betriebsrat engagierten, sagte Gewerkschaftssekretärin Luthfa Rahman. Entsprechend „freiwillig“ öffne daher mancher die Tasche.

Hollister gehört zum amerikanischen Handelskonzern Abercrombie & Fitch, der Mitarbeiter mit Modelmaßen in dunklen Shops mit Moschusdüften und dröhnender Musik auf seine Kunden loslässt.

Der Frankfurter Betriebsrat wolle bei einer endgültigen Vereinbarung erreichen, dass Taschen und Jacken der Mitarbeiter nur noch bei einem begründeten Verdacht durchsucht werden, sagte Anwalt Peter Rölz. Videokameras sollten so angebracht werden, dass die Beschäftigten nicht permanent bei der Arbeit gefilmt würden. Die Betriebsvereinbarung soll voraussichtlich Anfang Mai geschlossen werden. Es wäre die erste bei einer Hollister-Filiale in Deutschland.

Das Unternehmen hatte die Kontrollen mit einem „überdurchschnittlichen“ Schwund von Kleidungsstücken in dem Shop begründet. Taschen- und Jackenkontrollen seien für das Unternehmen existenziell, sagte der Anwalt des Mutterkonzerns AFH Germany.

Der Betriebsrat kritisiert neben Taschenkontrollen und Videoüberwachung auch die aus seiner Sicht überzogenen Kleidervorschriften. Nach Darstellung von Anwalt Rölz sollen sich die Mitarbeiter alle drei Monate mit Teilen der neuen Kollektion ausstatten, die sie mit einem Rabatt von bis zu 50 Prozent selbst kaufen müssten. Es gebe dazu zwar keine ausdrückliche Anweisung des Unternehmens. „Es ist aber das tatsächlich Gelebte.“ Rölz zufolge sind vor dem Arbeitsgericht in Frankfurt noch weitere Verfahren gegen AFH Germany anhängig - unter anderem wegen Verstößen gegen das Mitbestimmungsrecht bei der Einstellung neuer Mitarbeiter.

dpa