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Wirtschaft Weniger Kinderarmut in Niedersachsen
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21:38 26.01.2012
Von Alexander Dahl
Rund 1,6 Millionen Kinder unter 15 Jahren benötigen staatliche Grundsicherung.
Rund 1,6 Millionen Kinder unter 15 Jahren benötigen staatliche Grundsicherung. Quelle: dpa
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Hannover

In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl armer Kinder in Niedersachsen stark zurückgegangen. Gab es im September 2006 noch 201.600 Hartz-IV-Empfänger unter 15 Jahre, waren es im September 2011 noch rund 161.800 – ein Rückgang um 19,8 Prozent. Gleichzeitig ging die Zahl der Hartz-Bezieher, die älter als 15 Jahre sind, mit rund 18,6 Prozent in einem ähnlich hohen Umfang zurück.

„Die Entwicklung in Niedersachsen zeigt, dass das Gesamtkonzept der vergangenen Jahre Früchte trägt“, sagte die niedersächsische Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) am Donnerstag dieser Zeitung. Dazu hätten größere Vermittlungsanstrengungen der Arbeitsagenturen ebenso beigetragen wie ein besseres Zusammenwirken von Arbeitgebern und Gewerkschaften.

Auf der Hitliste der Bundesländer steht Niedersachsen auf Platz vier.  Bayern konnte mit 22,1 Prozent den größten Rückgang der unter 15-jährigen Hartz-IV-Bezieher verzeichnen, gefolgt von Thüringen (21,7 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (20,7 Prozent). Während in Bayern nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit die große Wirtschaftskraft den Hartz-Bezug abschmelzen ließ, sind die guten Werte für die ostdeutschen Länder eher auf die Abwanderung Richtung Westen zurückzuführen. Mit großem Abstand Schlusslicht ist Berlin, wo die Zahl armer Kinder lediglich um 1,2 Prozent zurückging. Deutschlandweit sank die Zahl der unter 15-Jährigen, die von Hartz IV abhängen, zwischen September 2006 und September 2011 von 1,9 Millionen auf 1,64 Millionen – ein Minus von 260.000 (13,7 Prozent). Für Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ist dies das Ergebnis einer „familienfreundlichen Unternehmenspolitik, Frauen mit Kindern einzustellen“. Unter Alleinerziehenden mit Kindern ist die Hartz-IV-Rate besonders hoch.

Auch in der Region Hannover ist die Kinderarmut stark gesunken. Im September 2006 bezogen noch 32.552 unter 15-Jährige Unterstützung, im September 2011 lag deren Zahl bei 28.291 – ein Minus von 13,1 Prozent. Besonders nach Auslaufen der Rezession Ende 2009 gab es deutliche Rückgänge. „Die Stärke des Arbeitsmarktes in der Region, der mit einem hellblauen Auge durch die Wirtschaftskrise 2009 gekommen ist, hat wesentlich zu diesem Ergebnis beigetragen“, sagt Rainer Kessler, Sprecher der Arbeitsagentur Hannover.

Der Deutsche Kinderschutzbund sah die bundesweiten Daten kritisch. Seit 2006 sei die Zahl der Kinder in Deutschland auch in absoluten Zahlen gesunken, „da ist es keine Überraschung, dass immer weniger von Sozialleistungen leben“, sagte dessen Präsident Heinz Hilgers. So seien nach einer eigenen Statistik des Kinderschutzbundes 2006 16,6 Prozent der Kinder hilfsbedürftig gewesen; 2011 aber immer noch 15,1 Prozent.

Albrecht Scheuermann 26.01.2012
26.01.2012