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Wirtschaft Wenig Begeisterung für Fiat
Mehr Welt Wirtschaft Wenig Begeisterung für Fiat
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22:50 24.04.2009
Von Stefan Winter
Fiat-Chef Marchionne ist beleidigt: Günther Verheugen traut seinem Unternehmen den Kraftakt nicht zu. Quelle: Damien Meyer/afp
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„Mein erstes Gefühl ist doch das einer Überraschung“, sagte er im Bayerischen Rundfunk und verwies auf das ebenfalls geplante Engagement von Fiat bei Chrysler: „Ich frage mich, woher dieses hochverschuldete Unternehmen die Mittel hernehmen will, um gleichzeitig zwei solche Operationen zu stemmen.“

Fiat-Chef Sergio Marchionne reagierte „verblüfft über Ton und Inhalt“. Es sei nicht die Aufgabe eines EU-Kommissars, eine Nation zu begünstigen. Italiens Außenminister Franco Frattini kritisierte Verheugens „inakzeptable Einmischung“.

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Die Blicke richten sich nun auf die USA, wo der Opel-Mutterkonzern General Motors ebenso ums Überleben kämpft wie der potenzielle Fiat-Partner Chrysler. Marchionne wollte sich am Freitag in die USA aufmachen, um mit Chrysler zu verhandeln. Die Amerikaner stehen extrem unter Druck, weil Präsident Barack Obama bis zum 30. April Klarheit über das bisher nur vage vereinbarte Bündnis mit Fiat verlangt. Erst danach will er über weitere Finanzhilfen entscheiden, ohne die Chrysler schon bald in die Insolvenz gehen müsste.

Wegen der Doppelrolle von Fiat wird inzwischen auch über ein Dreierbündnis der Italiener mit Opel und Chrysler spekuliert. Dabei hätte allerdings Chrysler-Konkurrent General Motors ein Wort mitzureden, denn der amerikanische Marktführer will bei Opel wenigstens mit einer Minderheit beteiligt bleiben. Nachdem in den USA auch schon über eine Verbindung von GM und Chrysler nachgedacht wurde, wäre sogar eine Vierer-Allianz denkbar.

Auch deutsche Regierungsvertreter reisten gestern in die USA. Sie wollen sich in Washington über die Sanierungspläne von General Motors informieren, um Planungsgrundlagen für Opel zu bekommen. Das oberste Ziel sei es, Standorte und Arbeitsplätze des Unternehmens in Deutschland zu erhalten, sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Daran sei auch Fiat zu messen: Sollten die Italiener ernsthaft an einem Einstieg interessiert sein, müsse ein zukunftsfähiges Konzept für den deutschen Konkurrenten auf den Tisch.

Von Opels Gewerkschaftern kamen gestern gemischte Töne zu einem Fiat-Einstieg. Opel-Aufsichtsratsmitglied Armin Schild von der IG Metall sagte im ZDF, das würde nicht zu mehr Autonomie der deutschen Marke führen. Gerade die sei aber notwendig: „Die unternehmerische Führung muss nach Rüsselsheim.“ Auch Konzern-Betriebsratschef Klaus Franz hatte sich zuvor ablehnend geäußert.

Der Chef des Bochumer Opel-Betriebsrats, Rainer Einenkel, würde eine Zusammenarbeit mit dem kanadischen Zulieferer Magna bevorzugen, der ebenfalls Interesse zeigt. Er sei allerdings dagegen, andere Interessenten von vornherein auszuschließen. Vor allem sei es erfreulich, dass überhaupt mehrere ernsthafte Kandidaten angeklopft hätten. Weitaus positiver beurteilte der Betriebsrat des Eisenacher Opel-Werkes die Gedankenspiele bei Fiat. Es gebe gute Erfahrungen aus einer früheren Zusammenarbeit mit den Italienern, sagte Harald Lieske im RBB-Inforadio.