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Wirtschaft Wende bei VW: Porsche will Fusion statt Übernahme
Mehr Welt Wirtschaft Wende bei VW: Porsche will Fusion statt Übernahme
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22:33 06.05.2009
Von Stefan Winter
Symbolfoto
Symbolfoto Quelle: David Hecker/ddp
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Porsche lehnt sich jetzt an den VW-Konzern an, um seine eigenen Finanzprobleme zu bewältigen. Die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch einigten sich gestern Abend in Salzburg überraschend auf eine radikale Wende: Statt der Übernahme von VW durch Porsche ist nun ein gemeinsames Unternehmen geplant. Unter dessen Dach sollen die verschiedenen Automarken „eigenständig nebeneinander stehen“, teilte Porsche am Abend mit – die Stuttgarter Sportwagen neben den neun Marken des VW-Konzerns. VW begrüßte den Beschluss.

Offenbar konnte man sich in Salzburg allerdings nur auf Eckpunkte einigen. In den nächsten vier Wochen soll eine „Entscheidungsgrundlage“ für die neue Struktur erarbeitet werden. Dabei sollen auch das Land Niedersachsen als zweitgrößter VW-Aktionär sowie die Arbeitnehmervertreter beider Unternehmen „maßgeblich einbezogen“ werden. Angesichts der vielen offenen Fragen blieb VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh gestern skeptisch: „Ob die Gespräche überhaupt zu einem Ergebnis führen, ist aus unserer heutigen Sicht völlig offen.“ Klar sei, dass ein neues Unternehmen die deutsche Mitbestimmung haben müsse und nichts gegen die Wolfsburger Interessen durchgesetzt werden könne. Der Betriebsrat wolle sich „konstruktiv an den Gesprächen beteiligen“.

Am Nachmittag hatten sich die Schlüsselfiguren der Familien Porsche und Piech in Salzburg getroffen, um über die akuten Probleme des Unternehmens zu beraten. Porsche ist in den vergangenen Monaten unter Druck geraten, weil ein Teil der 51-Prozent-Beteiligung bei VW mit Krediten finanziert wurde. In der aktuellen Krise hat der Sportwagenhersteller Probleme, die rund neun Milliarden Euro Schulden aus dem laufenden Geschäft zu bedienen.

Sogar in Stuttgart wurden die meisten von der schnellen Entscheidung offenbar überrascht. Viele Fragen seien offen, und die gesamte Zusammenführung werde schon aus formalen Gründen wohl bis ins nächste Jahr hinein dauern, hieß es in Unternehmenskreisen. Demnach soll die Porsche Automobil Holding SE, zentrale Beteiligungsgesellschaft der Familien, mit der Volkswagen AG zusammengeführt werden. Vorher dürfte allerdings eine milliardenschwere Kapitalerhöhung bei Porsche nötig sein, die wohl von den Familien und freien Vorzugsaktionären gestemmt wird. Nach dem Zusammenschluss von VW und Porsche entstünde eine neue Dachgesellschaft mit bisher ungeklärten Beteiligungsverhältnissen. Es sei nicht sicher, dass die Familien ihre Mehrheit, die sie jetzt bei VW halten, retten könnten, hieß es in Unternehmenskreisen.

Unklar ist auch, welche Beteiligung Niedersachsen an dem Gebilde halten wird und welche Auswirkung das VW-Gesetz haben wird. Man sei sich aber bewusst, dass man dem Land vergleichbaren Ersatz bieten müsse, hieß es in Stuttgart. Um die Fusionsideen der Familien umzusetzen, sind Beschlüsse der Aufsichtsräte und Hauptversammlungen beider Unternehmen nötig. Gegen die Stimmen des Landes ist das bei VW nicht möglich. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff sagte lediglich, er sei „zu Gesprächen bereit“.