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17:26 02.01.2010
Die IG Metall erwartet einen weiteren Rückgang bei Ausbildungsverträgen.
Die IG Metall erwartet einen weiteren Rückgang bei Ausbildungsverträgen. Quelle: ap (Symbolbild)
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Das sagte der IG-Metall-Bildungsexperte Klaus Heimann am Wochenende. 2009 waren im engeren Industriebereich der Metall/Elektrobranche noch etwa 80.000 Ausbildungsverträge geschlossen worden. Der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) klagte unterdessen über mangelnde Bewerber für Ausbildungsplätze.

Heimann ist Verfasser einer aktuellen Analyse der IG Metall zum Thema „Die Wirtschaftskrise hat den Ausbildungsmarkt voll erwischt“, über die die „Frankfurter Rundschau“ berichtete. Darin wird unter anderem eine Finanzierung der Ausbildung durch Branchenfonds gefordert. Der IG-Metall-Bildungsexperte verwies im DAPD-Gespräch auf das Beispiel der Baubranche, in der es einen solchen Fonds bereits seit vielen Jahren gebe. Ein solcher sei zumindest nicht völlig konjunkturabhängig, sagte er.

Der neue ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke sagte der „Bild“-Zeitung zufolge, dass das deutsche Handwerk auch in diesem Jahr vermutlich wieder rund 10.000 Lehrstellen nicht besetzen könne. Das liege nicht nur daran, dass sich zu wenige junge Leute um eine Ausbildungsstelle bewerben, sondern auch an der mangelnden Qualifikation von Bewerbern.

Seit Jahren stelle das Handwerk fest, dass immer mehr Schulabgänger nicht die nötigen Grundkenntnisse mitbrächten, sagte Schwannecke: „Einige haben Schwierigkeiten beim Rechnen und Schreiben. Anderen fällt es schon schwer, morgens pünktlich zur Arbeit zu kommen.“ Und einige wollten offensichtlich gar keine Ausbildung machen. Ihnen fehle die Motivation.

Bei Jugendlichen mit schlechter schulischer Vorbereitung setzt die IG Metall auf das Modell “1+3“. Es sieht ein Vorbereitungsjahr im Betrieb und eine anschließende dreijährige Ausbildung vor, die gegebenenfalls auch verkürzt werden kann. Wenn Jugendliche Defizite hätten, müsse man versuchen, diese abzubauen, erklärte Heimann. „Man kann diese Jugendlichen ja nicht aufgeben“, sagte er. Bei vielen sei mit entsprechender Förderung noch eine Menge zu bewegen.

Branchenfonds als Vorsorgestrategie

Dies sei auch deshalb wichtig, weil in bestimmten Bereichen schon jetzt nicht mehr genügend Bewerber zur Verfügung ständen, insbesondere in den östlichen Bundesländern. Betroffen seien hier derzeit einige Handwerksberufe wie Bäcker oder Gastronomie-Fachpersonal. „Das Handwerk ist der erste Verlierer.“ Aber auch in der Metallindustrie werde es künftig Mängel geben. Viele Berufe der Branche seien typische „Blaumann“-Berufe, bei qualifizierten Jugendliche seien jedoch häufig sogenannte white-collar-Berufe erste Wahl.

Die gezielte Förderung von Jugendlichen sowie eine Ausbildungsfinanzierung mit Hilfe von Branchenfonds wäre hier eine sinnvolle Vorsorgestrategie, sagte Heimann. Die Wirtschaft könne sich jetzt so Nachwuchskräfte sichern.

apd