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Wirtschaft Weitere Zölle angekündigt: Darum riskiert Trump im Handelsstreit mit China so viel
Mehr Welt Wirtschaft Weitere Zölle angekündigt: Darum riskiert Trump im Handelsstreit mit China so viel
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15:03 02.08.2019
Jetzt baut Trump maximalen Druck auf China auf. Quelle: AP
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Washington

US-Präsident Donald Trump verschärft den Handelskrieg gegen China und bricht damit ein Versprechen, das er Regierungschef Xi Jinping gegeben hatte. Weltweit brechen die Aktienkurse ein. Wir erläutern, warum nun auch die deutsche Wirtschaft ins Trudeln geraten könnte.

War diese Eskalation des Konflikts erwartet worden?

Nein. Experten waren einhellig der Auffassung, dass Trump sein Versprechen hält, das er Xi Jinping im Juni beim G20-Gipfel in Osaka gegeben hatte – nämlich auf weitere Strafzölle zu verzichten, solange die Verhandlungen über ein neues Handelsabkommen mit China laufen.

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Womit droht der Präsident jetzt?

Er droht damit, auf China-Importe mit einem Volumen von jährlich zusätzlich 300 Milliarden Dollar Strafzölle von zehn Prozent vom 1. September an zu verhängen. Diese könnten auf 25 Prozent oder mehr noch gesteigert werden, so Trump. Damit würden auf so gut wie alle Einfuhren aus der Volksrepublik Zusatzabgaben erhoben. Nun soll es auch elektronische Geräte wie Smartphones und Laptops oder Kinderbekleidung treffen. Volkswirte gehen davon aus, dass US-Konsumenten sehr schnell bei vielen Produkten Preisaufschläge hinnehmen müssen.

Wie wird der überraschende Schritt begründet?

Nach einer längeren Verhandlungspause war diese Woche eine hochrangige US-Delegation nach Schanghai zu Gesprächen gereist. Es konnten offenbar keine Fortschritte erzielt werden. Und Trump teilte per Twitter mit, dass Xi seinerseits sein Versprechen vom G20-Gipfel nicht gehalten habe, mehr Agrarprodukte aus den USA zu importieren und illegale Exporte des Narkosemittels Fentanyl zu stoppen, das Tausende US-Bürger süchtig gemacht hat. Trump deutete in einer Rede am Donnerstagabend an, dass er zu weiteren Verschärfungen des Handelskrieges bereit sei – solange bis die Chinesen einlenken.

Wie reagiert China?

Mit Härte. Außenminister Wang Yi bezeichnete weitere Strafzölle in einer ersten Stellungnahme als den falschen Weg, um den Handelskonflikt zu lösen. Ein Sprecher des Ministeriums legte am Freitag nach, und kündigte „notwendige Gegenmaßnahmen“ an. Die Taktik des maximalen Drucks werde nicht akzeptiert und es werde keine Kompromisse bei prinzipiellen Fragestellungen geben. Details wurden nicht genannt. Der chinesische Handelsexperte Zhou Xiaoming sagte dem Finanzdienst Bloomberg, Trump habe nun endgültig seine Glaubwürdigkeit verloren. China sei für den schlimmsten Fall vorbereitet.

Ist damit eine Einigung unmöglich geworden?

Sie ist zumindest in weitere Ferne gerückt. Aber nach Informationen des Finanzdienstes Bloomberg wird vorerst an einem Termin für neue Gespräche Anfang September festgehalten. Trump hält die Tür offen. Man wolle den Dialog mit den Chinesen fortführen. Aber Xi bewege sich nicht schnell genug.

Welche Vergeltungsmaßnahmen sind von den Chinesen zu erwarten?

Naheliegend wären höhere Strafzölle auf US-Exporte nach China. Allerdings gibt es hier ein massives Ungleichgewicht. Die USA führt jährlich nur Waren im Wert von 120 Milliarden Dollar in die Volksrepublik aus, während in die Gegenrichtung Produkte mit einem Volumen von 540 Milliarden gehandelt werden. Weitere Eskalationsstufen könnten sein, dass die Aktivitäten von US-Firmen in China gebremst werden. Das würde vor allem Hightech-Firmen und Dienstleister treffen. Als eine Art Nuklearwaffe bezeichnen Volkswirte die Möglichkeit, dass die kommunistische Regierung US-Staatsanleihen aus ihrem riesigen Bestand auf die Finanzmärkte wirft. Der Dollar würde dann massiv aufwerten, was erhebliche Verwerfungen für die US-Wirtschaft, aber auch für die globale Ökonomie bringen würde.

Wie haben die Finanzmärkte auf die Eskalation reagiert?

Mit massiven Kursverlusten bei Aktien. Der Dax verlor am Freitag bis zum Nachmittag zeitweise mehr als 2,5 Prozent. In gleichem Maß gab der Euro Stoxx 50 nach. Auch die US-Börsen verzeichneten teils heftige Verluste. Die Kursgewinne in jüngster Zeit wurden vor allem davon getragen, dass unter Börsianern die Hoffnungen auf einen Kompromiss im Handelsstreit gewachsen waren und zugleich Zinssenkungen erwartet wurden. Nun hat es eine kleine Zinssenkung von der US-Notenbank Fed gegeben und ein Ende des Handelskriegs ist nicht absehbar. Trump betonte indes, die negativen Reaktionen der Finanzmärkte berührten ihn nicht.

Was führt der Präsident im Schilde?

Klar ist, dass er im US-Wahlkampf im nächsten Jahr Erfolge bei diversen Handelsstreitigkeiten zeigen will. Unter Beobachtern wird gemutmaßt, dass die chinesische Seite genau dies verhindern will und nun mauert – auch in der Hoffnung auf einen Regierungswechsel in Washington. Deshalb womöglich jetzt die harte Reaktion von Trump: Er versucht, die Chinesen noch rechtzeitig zum Einlenken zu bringen.

Wie könnte eine Art Friedensvertrag aussehen?

Trump hat strukturelle Veränderungen gefordert: Streichung staatlicher Subventionen für chinesische Firmen und Abbau von erzwungenem Know-how-Transfer für US-Unternehmen, die in der Volksrepublik aktiv sind. Mehr Schutz geistigen Eigentums. Das rührt an den Grundpfeilern des Staatskapitalismus und würde die dominierende Rolle der kommunistischen Partei untergraben. Deshalb dürfte nur eine kleine Lösung - ein Waffenstillstand - möglich sein. Mehr Schutz für US-Unternehmen vor Know-how-Transfer und Industriespionage und Erleichterungen für Investitionen der Amerikaner in China. Das wäre kein Friedensvertrag, aber immerhin ein Waffenstillstand.

Welche Auswirkungen wird Eskalation auf Deutschland haben?

Die Gefahren eines globalen wirtschaftlichen Abschwungs steigen. Darunter würde die von Exporten stark abhängige deutsche Wirtschaft besonders stark leiden. Die Konjunktur ist in den vergangenen Wochen ohnehin schon immer fragiler geworden. Das schwer berechenbare Verhalten des US-Präsidenten könnte zudem auch unvermittelt und unmittelbar die deutsche Autoindustrie treffen. Es drohen auch hier Strafzölle. Eigentlich sind diese bis Ende Oktober auf Eis gelegt.

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Von RND/Frank-Thomas Wenzel

Der Artikel "Weitere Zölle angekündigt: Darum riskiert Trump im Handelsstreit mit China so viel" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.