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17:48 03.03.2011
E10 wurde bisher bei knapp der Hälfte der bundesweit 15.000 Tankstellen eingeführt. Quelle: Kristoffer Finn
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Droht Deutschland ein Biosprit-Debakel? Darüber entscheiden die nächsten zwei Wochen. Bisher herrscht an der Zapfsäule große Verwirrung. Viele Autofahrer tanken lieber das bis zu acht Cent teurere Super Plus, anstatt sich das neue E10 mit einer Beimischung von zehn Prozent Ethanol in den Tank zu füllen.

Nach den massiven Engpässen zieht die Mineralölbranche nun die Notbremse: Vorerst wird E10 nicht an weiteren Tankstellen eingeführt. Damit bleibt unter anderem Nordrhein-Westfalen erstmal E10-freie Zone. Wo es das E10 bereits gibt, kann dies natürlich auch weiterhin getankt werden. Der Bio-Sprit wird nicht zurückgezogen, sondern nur vorerst nicht an den noch E10-freien Tankstellen eingeführt - damit bleiben zunächst rund 7500 Tankstellen ohne E10. Wegen des Chaos berief Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) einen Benzin-Gipfel ein. Er solle „zeitnah“ stattfinden.

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Klaus Picard, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV), verteidigte am Donnerstag mit eindringlichen Worten das vorläufige Aussetzen der weiteren Einführung: „Das System platzt sonst“. Während derzeit bis zu vier Mal täglich die kleineren Tanks mit Super Plus unter den Zapfsäulen wieder aufgefüllt werden müssen, schlummert das E10 in den größeren Tanks weitgehend unberührt vor sich hin. Und die ersten Raffinerien könnten schon bald gedrosselt werden, weil die E10-Tanks sonst überlaufen. Zudem gibt es an ersten Tankstellen bereits kein Super Plus mehr. Auch deshalb gibt es nun den Stopp bei der Einführung an weiteren Tankstellen.

Bis zu 70 Prozent der Benzin-Autofahrer verschmähen E10, das das frühere Super-Benzin ablöst. Die stattdessen viel häufiger als früher getankte Sorte Super Plus kann die Riesen-Nachfrage aber wegen viel kleinerer Tanks unter den Zapfsäulen und aus technischen Gründen nicht decken. Das Verbraucherverhalten hat die Branche schlicht kalt erwischt.

Die Mineralölbranche und das zuständige Bundesumweltministerium schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter für die Misere zu. Die Branche würde E10 am liebsten zurückziehen, zeigt auf die Politik und sagt, sie sei nur Erfüllungsgehilfe für gesetzgeberische Vorgaben. Die EU hatte höhere Biokraftstoffquoten verlangt und die deutsche Regierung schließlich entsprechende Gesetze erlassen - in der Annahme, das E10 komme an. Tut es aber nicht.

Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) kritisiert nun, dass die Branche nicht ausreichend an Tankstellen für den neuen Biosprit geworben habe. In anderen Ländern wie Frankreich hat die E10-Einführung reibungsloser geklappt, dort wurde zum Beispiel pauschal gesagt, dass alle Modelle ab dem Baujahr 2000 E10-verträglich sind.

Für die Politik könnte die Situation ungemütlich werden, da viele Autofahrer erzürnt sind. Viele greifen noch zum teurerem Sprit. Kurz vor wichtigen Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ist die Brisanz der Lage nicht zu unterschätzen. Im Umweltministerium hofft man, dass mehr und bessere Informationen an den Tankstellen E10 doch noch zum Erfolg verhelfen.

Schließlich vertragen 93 Prozent aller in Deutschland angemeldeten Benziner den Sprit, von den deutschen Fabrikaten sind es sogar 99 Prozent. Ein Anruf beim Autohändler würde genügen, um sicher zu gehen, zumal E10 bis zu acht Cent billiger ist als Super Plus mit fünf Prozent Ethanol. Neben der Verunsicherung, ob E10 nicht die Motoren ruiniert, gibt es folgendes Problem: Der Kraftstoff ist weniger leistungsstark, das hebt den Preisvorteil schon wieder etwas auf.

Doch was passiert, wenn sich in den nächsten Tagen nicht grundlegend etwas ändert? Dann dürfte es zum Krisengespräch zwischen Regierung und Mineralölwirtschaft kommen. Der E10-Grundrohstoff kann wegen seiner speziellen Zusammensetzung nicht einfach ins Ausland verkauft werden. Letztlich dürfte die Spritbranche unter anderem wieder mehr Super Plus mit fünf Prozent Ethanol produzieren und Strafzahlungen von 2 Cent pro Liter auf die Kunden umlegen.

Die Vorsitzende des Bundestags-Umweltausschusses, Eva Bullig-Schröter (Linke), betont: „E10 ist ein Rohrkrepierer - nicht nur an den Tankstellen, sondern auch im Klimaschutz.“ Sie fordert: „Die Bundesregierung muss die E10-Einführung aussetzen und in der EU für ein Moratorium werben, um die Erfahrungen der Einführungsphase auszuwerten und noch einmal eine ehrliche Öko-Bilanz vorlegen zu können.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.