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Wirtschaft Weil will Hilfe für Schlecker-Transfergesellschaft
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14:56 19.03.2012
Foto: Schlecker hat am 14. März die Liste der Filialen veröffentlicht, die voraussichtlich geschlossen werden.
Schlecker hat am 14. März die Liste der Filialen veröffentlicht, die voraussichtlich geschlossen werden. Quelle: dpa
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Kassel

Die Einschnitte bei der insolventen Drogeriekette Schlecker fallen etwas weniger drastisch aus als zuletzt befürchtet. Es sei gelungen, die Zahl der vor dem Aus stehenden Filialen von 2400 auf rund 2200 zu verringern, sagte der Verhandlungsführer der Gewerkschaft ver.di, Bernhard Franke, gestern nach Verhandlungen mit Vertretern des Schlecker-Betriebsrats und Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz. Damit fielen auch weniger Arbeitsplätze weg als die bisher genannten knapp 12.000. Unterdessen forderte der niedersächsische SPD-Landesvorsitzende, Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil, die Landesregierung auf, eine Bürgschaft für die Gründung einer Transfergesellschaft für entlassene Schlecker-Beschäftigte in Aussicht zu stellen. Die Landes-CDU hingegen warnte davor, "voreilig nach dem Staat zu rufen".

Der Insolvenzverwalter will die von der Arbeitslosigkeit bedrohten Schlecker-Mitarbeiter von Ende März an in einer Auffanggesellschaft unterbringen. Allerdings ist deren Finanzierung noch offen. Hier müsse die Politik nun Nägel mit Köpfen machen, forderte ver.di-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. "Wir haben alles in unserer Macht stehende getan, damit die akut von Arbeitslosigkeit bedrohten Schlecker-Frauen eine Zukunftsperspektive haben."

Heute wollen die Bundesländer in Berlin darüber beraten und klären, ob sie für einen Kredit bürgen. Dies hat auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) im Magazin "Der Spiegel" gefordert: Einen Kredit der staatlichen Förderbank KfW in Höhe von 71 Millionen Euro werde er nur ermöglichen, "wenn Baden-Württemberg zusammen mit den anderen betroffenen Ländern die volle Haftung übernimmt", sagte Rösler. Das Land Baden-Württemberg, wo Schlecker seinen Firmensitz hat, hatte erklärt, dass auch eine Beteiligung von Geschäftsbanken denkbar sei.

Niedersachsens SPD-Landeschef Weil verlangt von Ministerpräsident David McAllister (CDU), dass er Verantwortung übernehme und sich für die Auffanggesellschaft einsetze. "Wenn Bundeswirtschaftsminister Rösler weiter die Bundesbürgschaft verweigert, dann müssen die Bundesländer den KfW-Kredit absichern." Alleine in Niedersachsen müssten 1000 Frauen um ihre Stelle bei Schlecker bangen. "Die Mitarbeiterinnen haben das jahrelange Missmanagement nicht zu verantworten."

Der Vorsitzende der niedersächsischen CDU-Landtagsfraktion, Björn Thümler, kritisierte Weils Vorstoß: "Anstatt voreilig nach dem Staat zu rufen und den Steuerzahler für eine Unternehmenspleite geradestehen zu lassen, sollte man erst einmal denjenigen in die Pflicht nehmen, der die Insolvenz zu verantworten hat: Schlecker selber." Die Unternehmerfamilie dürfe trotz der Insolvenz nicht aus der Verantwortung für ihre Mitarbeiter entlassen werden. Auch Baden-Württemberg müsse Flagge zeigen und Schlecker beistehen. Baden-Württemberg habe jahrelang von den Steuereinnahmen profitiert. Die vor dem Aus stehenden Schlecker-Geschäfte sollen schon bis nächsten Sonnabend ihre Pforten schließen.

dpa/dis