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Wirtschaft Wechsel des Stromversorgers spart mehr als 150 Euro
Mehr Welt Wirtschaft Wechsel des Stromversorgers spart mehr als 150 Euro
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19:08 18.02.2011
Von Jens Heitmann
Viele Stromanbieter locken Kunden mit dem Preis - und tricksen dabei.
Viele Stromanbieter locken Kunden mit dem Preis - und tricksen dabei.
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Wettbewerb könnte so einfach sein. Die Stromversorger müssten nur klipp und klar sagen, was sie für eine Kilowattstunde verlangen und welchen Grundpreis sie verlangen – und schon auf den ersten Blick wüssten alle Kunden, welcher Anbieter der billigste ist. Für die Unternehmen allerdings wäre so viel Transparenz von Nachteil: Wer nicht zur kleinen Garde der günstigen gehört, könnte sich auch gleich vom Markt zurückziehen. Strom und Gas gelten wie Zahnpasta oder Zement als „homogene Güter“ – da sich die Qualität nicht unterscheidet, entscheidet für den Kunden allein der Preis.

Aus diesem Dilemma gibt es für die Unternehmen nur zwei Auswege: Entweder laden sie ihr Produkt emotional so auf, dass es zu einer „Marke“ wird – oder sie geben sich als Billigheimer aus. Für die erste Variante entscheiden sich meist die Anbieter vor Ort. Stadtwerke wie Hannover („enercity“) oder Wunstorf („Meerstrom“) vertrauen auf die Verbundenheit der Bürger mit „ihrem“ lokalen Unternehmen, das der Kommune gehört und am heimischen Standort brav seine Steuern zahlt. Für den großen Rest aber bleibt als Argument nur der Preis – und deshalb müssen sie tricksen.

Bonus: Das beliebteste Instrument ist der Bonus für Neukunden. Wer von einem Versorger zum anderen wechselt, kann leicht ein paar 100 Euro sparen – sofern die Bedingungen im Kleingedruckten nicht überlesen werden. In der Regel knüpfen die Unternehmen die Auszahlung der Prämie an eine bestimmte Lieferfrist: Meist wird der Bonus erst nach einem Jahr gutgeschrieben. Wer also vorher erneut seinen Lieferanten wechselt, geht leer aus. Und spätestens nach den ersten zwölf Monaten sollte man prüfen, ob der gewählte Versorger auch ohne Bonus günstig ist. Sollte dem nicht so sein, bietet sich der Wechsel zu einem anderen Anbieter an – wenn der wieder einen Bonus für Neukunden bietet: umso besser.

Vorkasse: Bei den Vergleichsrechnern im Internet wie Toptarif, Check24, Verivox oder Energieverbraucherportal stehen häufig auch Stromlieferanten ganz oben auf der angezeigten Liste, die auf Vorkasse bestehen. Hier zahlt der Verbraucher den Preis für seinen voraussichtlichen Energiebedarf ein Jahr im Voraus – er gewährt den Unternehmen also einen Kredit. Den Preisvorteil bezahlen die Kunden mit einem gewissen Risiko: Geht der Lieferant pleite, sind die Vorauszahlungen weg. Die Stiftung Warentest hat jüngst die Bonität diverser Stromanbieter mit Vorkassetarifen von der Wirtschaftsauskunft Creditreform prüfen lassen. Ergebnis: Meist raten die Verbraucherschützer von Vorkasse ab.

Doch selbst wenn es zu einer Insolvenz ihres Lieferanten kommen sollte, sitzen die Verbraucher nicht im Dunkeln – der regionale Netzbetreiber (entweder die Stadtwerke oder ein Regionalversorger wie e.on Avacon) springt in diesem Fall ein und übernimmt die Versorgung. Die Verbraucher werden dann zwar im teuersten, dem sogenannten Grundversorgungs- oder Ersatzstromtarif eingestuft, sie können sich aber nach vier Wochen einen neuen Anbieter suchen.

Preisgarantie: Manche Versorger versuchen ihre Kunden auch mit einer Preisgarantie für sich zu gewinnen. Das klingt mit der Aussicht auf stetig steigende Tarife zunächst nicht schlecht – aber auch dieses Angebot hat Nachteile. Meist kommt es von Unternehmen, die eher zu den teuren Anbietern gehören. Mit anderen Worten: Bei einem Wechsel zu einem günstigeren Konkurrenten lässt sich in der Regel mehr sparen, selbst wenn dieser später seine Preise erhöhen sollte. Zudem bedeutet ein Festpreis auch immer, dass sich der Kunde für einen bestimmten Zeitraum an „seinen“ Versorger bindet. Damit verbaut er sich innerhalb dieser Frist den Wechsel zu einem billigeren Wettbewerber.

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