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Wirtschaft Warum der Sprit so teuer ist
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22:51 18.06.2009
Von Carola Böse-Fischer
Teuer wie lange nicht: Benzin in Hannover. Quelle: Tobias Kleinschmidt

Der Dieselpreis kletterte auf durchschnittlich 1,117 Euro.

Von den 20 untersuchten Städten war Hannover am teuersten. Hier mussten Autofahrer sogar mehr als 1,38 Euro zahlen, für Diesel 1,122 Euro. Das könne damit zusammenhängen, dass in Niedersachsen nächste Woche die Sommerferien beginnen, hieß es beim ADAC. Traditionell drehen die Mineralölkonzerne zum Beginn der Reisezeit an der Preisschraube, weil viele Bundesbürger mit dem Auto in den Urlaub starten.

Peu à peu haben die Spritpreise zugelegt, seit Ende 2008 um rund 24 Cent je Liter, wie Heino Elfert vom Hamburger Energieinformationsdienst (EID) beobachtet hat. Auch die Preise für Rohöl, aus dem die Raffinerien Benzin, Diesel und Heizöl herstellen, befinden sich seither auf Klettertour. Infolge der Wirtschaftskrise war der Preis für Öl von seinem Rekordniveau von fast 150 Dollar je Fass im Juli 2008 auf nur noch 35 Dollar im Dezember abgestürzt. Inzwischen ist er wieder auf 70 Dollar hochgeschnellt.

An den Zapfsäulen ist der Preisanstieg noch nachvollziehbar, wie EID-Experte Elfert sagte. „Das ist die übliche Frühjahrsknappheit.“ Seit Jahren decken sich dann die USA in Europa mit Sprit ein. Viele Raffinerien in Amerika sind just zu dieser Zeit außer Betrieb, weil sie überholt werden. Dann fehlen die nötigen Spritmengen für die US-Bürger. Ohnehin reichten die US-Kapazitäten nicht für die eigene Versorgung aus, hieß es beim Mineralölwirtschaftsverband in Hamburg. Deshalb kaufen die Amerikaner am Rotterdamer Spotmarkt zu, der Drehscheibe für Ölprodukte in Europa. Knapp 690 Dollar kostet laut EID die Tonne Benzin, verglichen mit 301 Dollar Ende 2008 – ein Anstieg um 130 Prozent.

Beim Öl hingegen müssten die Preise wegen der „fundamentalen Marktdaten“ eigentlich sogar sinken, erklärt Elfert. Wegen der weltweiten Rezession ist die Nachfrage niedrig, die Lager quellen über, volle Öltanker dümpeln auf See. Ein Preis von 70 Dollar ist laut Elfert nicht gerechtfertigt. Für die steigenden Ölpreise macht er Spekulanten verantwortlich. Kaum gebe es die kleinste Hoffnung auf eine Besserung, wetteten sie wieder auf höhere Preise. Analysten von Goldman Sachs sähen den Ölpreis zum Jahresende bei 85 Dollar.

Käme es dazu, könnte ein Wirtschaftsaufschwung im Keim erstickt und die nächste Krise ausgelöst werden. Für den Konsum wäre das Gift, so Elfert. Bisher wirkten billiges Öl und Benzin als Konjunkturprogramm, die Verbraucher hatten mehr Geld im Portemonnaie und stützten die angeschlagene Wirtschaft. Das könnte schnell vorbei sein.

Tausende Beschäftigte des Energiekonzerns e.on haben am Donnerstag für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstriert. Zu den Protesten gegen das geplante Sparprogramm des Unternehmens hatte die Gewerkschaft ver.di aufgerufen, die den Abbau von 6000 Stellen befürchtet.

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