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Wirtschaft Warum Aramco so reich ist – und noch reicher sein könnte
Mehr Welt Wirtschaft Warum Aramco so reich ist – und noch reicher sein könnte
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15:53 02.04.2019
Öl aus der Wüste ist für Aramco ein einträgliches Geschäft. Quelle: AP
Frankfurt

Die Wüste kann ein ziemlich erträgliches Betätigungsfeld für ein Unternehmen sein – zumindest wenn sich im Wüstenboden ein übelriechender zähflüssiger Stoff befindet. Die Saudi Arabian Oil Company (genannt Saudi Aramco) stellt dies eindrucksvoll unter Beweis. Der Konzern, der de facto dem Könighaus Al Saud gehört, hat im vorigen Jahr unter dem Strich 111 Milliarden Dollar verdient.

Der Öl-Gigant ist damit das profitabelste Unternehmen der Welt. Es macht mehr Gewinn als Apple, die Google-Mutter Alphabet und der US-Ölkonzern Exxon Mobil zusammen.

100 Dollar Einnahmen – 60 Dollar Gewinn

Dabei schüttet der Staatskonzern riesige Summen an Dividenden an das Königshaus aus. Und es zahlt enorme Steuern an den saudi-arabischen Fiskus. Deshalb ist der Profit aus der betrieblichen Tätigkeit, also vor Abzug der Abgaben, die noch erstaunlichere Zahl. Dieser lag im vorigen Jahr bei 224 Milliarden Dollar.

Das bedeutet, von eingenommenen 100 Dollar blieben rund 60 Dollar übrig. Zum Vergleich: Volkswagen, der weltgrößten Autobauer, hat mit 100 Euro Umsatz im vorigen Jahr ein operatives Ergebnis von nur sechs Euro eingefahren.

Wie sind derart gigantische Erträge möglich? Die Antwort hat viel mit der Wüste zu tun. Nirgendwo auf der Welt ist es so einfach wie in Saudi-Arabien, den noch immer wichtigsten Rohstoff an die Oberfläche zu pumpen. Die Förderung kostet dort nach Berechnungen des US-Finanzdienstes Bloomberg pro Fass (159 Liter) im Schnitt weniger als drei Dollar. Dieses Öl kann derzeit auf dem Weltmarkt für knapp 70 Dollar verkauft werden.

Dass all die Zahlen nun bekannt werden, ist keine Selbstverständlichkeit. Jahrzehntelang war so gut wie nichts über Aramco bekannt. Doch als die Ölpreise 2016 in den Keller gingen – mit zeitweise weniger als 30 Dollar pro Fass - sah es plötzlich gar nicht mehr so rosig aus, Aramco konnte gerade noch so schwarze Zahlen verbuchen.

Das Königshaus entwickelte damals auch eine neue Strategie, um vom Verkauf des so genannten schwarzen Goldes unabhängiger zu werden – der maßgebliche Akteur war dabei der höchst umstrittene Kronprinz Mohammed bin Salman. Um sich große Mengen Kapital am Finanzmarkt zu beschaffen, wurde seinerzeit der Börsengang von Aramco geplant – es wäre der mutmaßlich größte in der Geschichte der Aktienmärkte geworden. Er wurde aber auf unbestimmte Zeit verschoben, weil es Unstimmigkeiten über die Bewertung des Unternehmens gab.

Dafür planen die Herrscher auf der arabischen Halbinsel nun, dass Aramco neben dem Weltmeister-Titel in der Ölförderung auch noch zur globalen Nummer eins unter den Energiekonzernen werden soll – davon geht jedenfalls Stewart Williams von der Beratungsfirma Wood Mackenzie aus. Und er fragt sich, welche Konzerne sich die Araber in nächster Zeit schnappen werden.

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Bei all diesen Konzepten spielt auch eine wichtige Rolle, dass im Zuge der globalen Klimaschutzbemühungen die Nutzung der fossilen Energieträger Öl und Gas im Verkehrs-, Wärme- und Stromsektor sukzessive zurückgefahren werden sollen. Um Aramco langfristig auf sichere Beine zu stellen, soll deshalb der Ölförderer zunächst einmal 70 Prozent der Anteile der Saudi Basic Industries Corporation (Sabic) übernehmen. Das ist ein Chemieunternehmen, das bislang vollständig dem saudi-arabischen Staatsfonds PIF gehört.

Auch in Deutschland aktiv

Sabic betreibt in vielen westlichen Ländern Fabriken, die Öl verarbeiten, um daraus unter anderem Kunststoff machen. Der Sabic-Standort in Gelsenkirchen etwa stellt Polyethylen und Polypropylen her. Das sind die Stoffe, aus denen unter anderem Plastiktüten, Folien und Lebensmittelverpackungen gemacht sind.

Die Sabic-Übernahme soll auch mittels einer Anleihe gestemmt werden, die Aramco internationalen Investoren offerieren will. Der Gang an die Finanzmärkte verlangt allerdings, dass die finanziellen Verhältnisse publik gemacht werden. Das haben die Ratingagenturen Fitch und Moody’s nun getan.

Die Benotungen fallen aber schlechter aus als bei den Konkurrenten Shell, Total und Exxon Mobil. Das hat mit dem Landesrating von Saudi-Arabien zu tun. Das Land ist mit vielen seiner Nachbarn verfeindet, es führt einen Krieg im Jemen. Große Teile der Aramco-Gewinne gehen für den Kauf von Waffen drauf, das Luxusleben Hunderter Prinzen muss genauso finanziert werden wie ein aufwendiges Sozialsystem für die Untertanen, mit denen das Königshaus seine Macht stabilisiert.

Die Analysten von Moody’s und Fitch machen auch auf die Risiken durch Raketenangriffe auf Anlagen von Aramco und auf ein mögliches Vorgehen der US-Regierung gegen das Opec-Kartell aufmerksam. Zudem wird erwähnt, dass Aramco bereits das Opfer erfolgreiche Cyber-Attacken gewesen sei.

Von Frank-Thomas Wenzel/RND/

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