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Wirtschaft Volkswirte trauen Dax bis September kaum Gewinne zu
Mehr Welt Wirtschaft Volkswirte trauen Dax bis September kaum Gewinne zu
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08:41 23.03.2010
Für September prognostizierten Experten dem deutschen Leitindex im Durchschnitt 5.980 Punkte.
Für September prognostizierten Experten dem deutschen Leitindex im Durchschnitt 5.980 Punkte. Quelle: dpa (Archiv)
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Volkswirte trauen dem DAX in den nächsten Monaten kaum Gewinne zu: Ohne eine nachhaltige Konjunkturerholung in Europa und den USA sowie langfristige Lösungen für die Finanzsorgen einiger Euro-Länder werde sich daran nichts ändern. Belastungsfaktoren seien zudem die weiteren Maßnahmen der Notenbanken zur Abschöpfung von Liquidität und Belastungen für Unternehmen und Konsum durch auslaufende Konjunkturprogramme sowie eine striktere Haushaltspolitik.

Für September prognostizierten die Experten von BayernLB, DekaBank, Helaba, HSH Nordbank und Nord/LB dem deutschen Leitindex im Durchschnitt 5.980 Punkte - im Vergleich zum Schlussstand vom vergangenen Freitag würde er damit fast unverändert notieren. Ein ähnliches Bild ergibt sich beim EuroStoxx 50, den sie im Herbst nur geringfügig über dem aktuellen Niveau bei 2.920 Punkten sehen.

Mit einer „ordentlichen, aber nicht guten Wirtschaftsbelebung in den USA“ rechnet Jürgen Pfister von der BayernLB. Dagegen dürfte die Erholung in Europa nur schwach ausfallen. Die positiven Markterwartungen für die Unternehmensgewinne als Kurstreiber seien zwar gerechtfertigt, seiner Einschätzung nach aber etwas zu optimistisch. Für Martina Noß von der Nord/LB sind diese Erwartungen schon großenteils eingepreist, weshalb sie Potenzial für negative Überraschungen sieht. Sie rät, künftig stärker auf defensive Branchen wie die Bauindustrie zu setzen.

Auch Dirk Gojny von der HSH Nordbank äußerte sich skeptisch: „Die konjunkturelle Wachstumsdynamik ist schwach und die Unternehmen müssen ihre Umsätze schon deutlich steigern, um die Gewinnerwartungen zu erfüllen.“ Asien bleibe zwar der globale Wachstumstreiber, werde die USA aber nicht ersetzen können. Auch könne man inzwischen weder in Europa noch in den USA von sehr günstigen Bewertungen an den Aktienmärkten sprechen. „Die Zeit ist reif für eine Korrektur - jedenfalls ein bisschen“ lautet daher Gojnys Fazit.

Es gibt jedoch Argumente, die zumindest gegen einen Ausstieg bei Dividendentiteln sprechen. „Von Euphorie an den Aktienmärkten ist derzeit überhaupt nichts zu spüren“, sagte etwa Ulrich Kater von der DekaBank. Dazu kommen laut Gojny attraktive Dividendenrenditen, Aktienrückkäufe durch die Unternehmen, zunehmende Fusionen und Übernahmen sowie fehlende Anlagealternativen. Helaba-Volkswirt Markus Reinwand sieht die wirtschaftliche Stimmungsaufhellung zunehmend von „harten Daten“ wie den Auftragseingängen unterstützt. „Allerdings haben die Börsen hier schon viel vorweggenommen, so dass die Anleger zumindest einen Teil der Ernte einfahren sollten“, gab er zu bedenken.

Vom anstehenden EU-Gipfel erwartet BayernLB-Experte Pfister weder konkrete Hilfsangebote für das angeschlagene Griechenland noch eine grundsätzliche Lösung dafür, wie mit verschuldeten Mitgliedsländern künftig umgegangen werden soll. Dennoch glaubt er an keine langfristige Belastung für die europäischen Aktienmärkte. „Wir werden mit einem blauen Auge aus der Sache herauskommen, weil sich die europäischen Länder im Zweifelsfall hinter Griechenland stellen werden“, lautet seine Überzeugung. Kater pflichtete bei: „Der Euro wird an dieser Episode nicht scheitern.“ Jedoch könnte es in der Zukunft zur Zerreißprobe kommen, „falls wir daraus nichts lernen“.

dpa

23.03.2010
Jens Heitmann 23.03.2010