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Wirtschaft Vier Bahn-Vorstände müssen gehen
Mehr Welt Wirtschaft Vier Bahn-Vorstände müssen gehen
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07:52 14.05.2009
Quelle: Oliver Lang/afp
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So trennt sich der Konzern zum Monatsende von den Vorstandsmitgliedern Norbert Bensel, Margret Suckale, Otto Wiesheu und Norbert Hansen, wie der Aufsichtsratsvorsitzende Werner Müller am Mittwoch in Berlin sagte. Zudem gebe es in der Führungsebene unterhalb des Vorstands umfangreiche personelle Veränderungen.

In einer außerordentlichen Sitzung nahm der Aufsichtsrat den Abschlussbericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG sowie der ehemaligen Minister Gerhart Baum (FDP) und Herta Däubler-Gmelin (SPD) zur Datenaffäre entgegen. Danach kam es in den zurückliegenden Jahren zu zahlreichen Verstößen gegen das Bundesdatenschutzgesetz, das Betriebsverfassungsgesetz und gegen bahninterne Richtlinien gekommen, wie der neue Vorstandsvorsitzende Rüdiger Grube erläuterte.

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Müller machte allerdings deutlich, dass die Vorstände Bensel (Güterverkehr), Wiesheu (Politik) und Suckale (Personal DB Mobility & Logistics) ihren Rücktritt angeboten hätten, um den Weg für einen Neuanfang freizumachen. Es liege „keinerlei aktives persönliches Fehlverhalten“ vor, betonte der Aufsichtsratschef. Den zuletzt aufgetauchten Berichten über mögliche Schadensersatzansprüche sei damit jegliche Grundlage entzogen. Zudem werde im Zuge der Neuaufstellung des Gremiums Personalvorstand Norbert Hansen gesundheitsbedingt sein Amt ebenfalls zum Monatsende niederlegen.

Die neuen Vorstände könnten möglicherweise schon am 25. Mai benannt werden. „Wir haben hervorragende Persönlichkeiten im Auge“, sagte Müller ohne Namen zu nennen. Zudem soll es künftig ein neues Vorstandsressort „Compliance und Recht“ geben. Finanzvorstand Diethelm Sack, der sein Schicksal lange mit dem des zurückgetretenen Ex-Vorstandsvorsitzenden Hartmut Mehdorn verbunden hatte, wird möglicherweise doch bleiben. Es sei eine gute Zusammenarbeit mit dem neuen Vorstandschef Grube zu beobachten, erläuterte Müller, der Sack einen der „erfolgreichsten Finanzmanager Europas“ nannte.

Unterhalb des Vorstandes wird es der Bahn zufolge aufgrund der Erkenntnisse der Sonderermittler umfangreiche personelle Veränderungen geben. Der Leiter der Konzernrevision, Josef Bähr, werde das Unternehmen ebenso unverzüglich verlassen wie der Leiter der Konzernsicherheit, Jens Puls, und der Anti-Korruptionsbeauftragte, Wolfgang Schaupensteiner. Darüber hinaus werde der Datenschutzbereich umstrukturiert. Zudem würden gegen „rund zwei Dutzend Mitarbeiter“ arbeitsrechtliche Konsequenzen geprüft. Bahn-Chef Rüdiger Grube fügte hinzu: „Fehlverhalten kann und werde ich nicht tolerieren, deshalb brauchen wir einen Neuanfang.“

Die größte Bahngewerkschaft Transnet sprach von einem „Ansatz für einen Neuanfang“. „Wir begrüßen, dass Herr Grube strukturelle Veränderungen angekündigt hat und die Bereiche Datenschutz, Compliance und Recht in einem eigenen Vorstandsressort bündeln will“, sagte Transnet-Chef Alexander Kirchner. Der Bericht der Ermittler habe „bestürzende Organisationsmängel“ aufgezeigt. Man sei mit der Aufklärung einen großen Schritt vorangekommen. Die Aufklärung sei allerdings noch nicht beendet.

Die Deutsche Bahn hatte über viele Jahre die Daten von Mitarbeitern zur Korruptionsbekämpfung mit denen von Lieferanten abgeglichen. Auch der E-Mail-Verkehr von Mitarbeitern wurde teilweise überwacht. Die Vorgänge, die nicht mit den Arbeitnehmervertretern abgesprochen worden waren, sorgten für eine Welle der Empörung. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende Mehdorn, der von den Vorgängen nach eigenen Angaben nichts gewusst hat, war im Zuge der Affäre aufgrund des zunehmenden öffentlichen Drucks zurückgetreten.

ddp