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Wirtschaft Versorger warnen vor Stromlücke
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17:29 23.04.2012
Von Jens Heitmann
Quelle: dpa
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Hannover

„Der nächste Winter wird noch einmal außerordentlich eng“, sagte die Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Branchenverbandes BDEW, Hildegard Müller, am Montag in Hannover. Die Stabilität der Versorgung hänge extrem von der Witterung ab. „Wir können noch keine Entwarnung geben.“ Nach der Stilllegung von sieben Atomkraftwerken war es 2011 mehrmals zu Engpässen gekommen. Die Netzbetreiber mussten auf Reservekraftwerke zurückgreifen, um Stromausfälle zu vermeiden. Während Deutschland 2010 noch 18 Terawattstunden Strom in die Nachbarländer exportierte, sanken die Ausfuhren im vergangenen Jahr auf ein Drittel dieser Menge.

Mit einer gewissen Entspannung rechnet die Branche erst ab 2015, wenn die Erzeugungskapazität wieder wachsen soll. Laut BDEW befinden sich 69 Kraftwerke in der Planung, die bis 2020 mit einer Leistung von insgesamt 35700 Megawatt ans Netz gehen sollen; 15 weitere Projekte könnten noch hinzukommen - das entspräche dann einem Investitionsvolumen von insgesamt rund 60 Milliarden Euro. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Gaskraftwerken und Windkraftanlagen.

Gleichzeitig sieht die Branche schon den nächsten Engpass voraus: Wenn die letzten Atomkraftwerke bis 2022 vom Netz gehen, bedeute das einen zusätzlichen Bedarf von bis zu 16000 Megawatt, sagte Müller - das entspricht in etwa der Leistung von 16 Großkraftwerken.

Dass alle Anlagen auch gebaut werden, ist jedoch keineswegs sicher. Neben schwierigen Genehmigungsverfahren bremse auch das Zögern der Investoren den Ausbau. Nach Angaben des BDEW zweifeln sie an der Wirtschaftlichkeit vieler Projekte, weil Ökostrom mit Vorrang ins Netz gespeist wird. So werde die Erzeugung durch konventionelle Kraftwerke bis 2020 um durchschnittlich 40 Prozent schrumpfen - gebraucht würden sie aber trotzdem, falls der Ökostrom wetterbedingt ausfällt.

Doch auch beim Ausbau der Windkraft hapert es. Der Anschluss der Offshore-Windparks ans Stromnetz und auch der Ausbau der Höchstspannungsleitungen im Binnenland stockten, erklärte Müller. Insbesondere der Netzbetreiber Tennet steht in der Kritik, weil er sich die milliardenschweren Investitionen offenbar nicht leisten kann. Wenn sich daran nichts ändere, müssten die Aufträge zum Netzanschluss neu ausgeschrieben werden, sagte Müller. Die Branche wünsche sich noch vor der parlamentarischen Sommerpause ein politisches Signal, wie es hier weitergehe.

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