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Wirtschaft Vermieter umgeht Mietpreisbremse mit legalem Trick
Mehr Welt Wirtschaft Vermieter umgeht Mietpreisbremse mit legalem Trick
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10:04 09.04.2019
Ein Vermieter verlangt dreimal so viel Miete wie es durchschnittlich üblich ist. Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa
Rostock

Steigende Mieten werden zu einem bedrohlichen Problem: „Die Mieten sind rasant gestiegen“, sagt Kai-Uwe Glause, Geschäftsführer des Mieterbunds Mecklenburg-Vorpommern (MV). In Rostock legten die Wohnungskosten von 2014 bis 2018 um sieben Prozent zu. Das geht aus dem zuletzt im Januar aktualisiertem Mietspiegel der Hansestadt hervor.

Der bildet die Bestandsmieten ab, bei Neuvermietungen sind noch größere Sprünge möglich. In Rostock-Dierkow beispielsweise verlangt ein Makler im Internet 1500 Euro für eine Dreizimmer-Wohnung. Die Kaltmiete ist mit knapp 20 Euro je Quadratmeter mehr als dreimal so hoch wie der Rostocker Durchschnittswert von 6,13 Euro.

Die Wohnung wird möbliert angeboten, womit laut Glause offensichtlich die seit Oktober in Rostock und Greifswald geltende Mietpreisbremse umgangen werden soll – die für möblierte Zimmer und Wohnungen nicht gilt. Glause befürchtet, dass sich dieser legale Kniff unter Privatvermietern ausbreiten könnte.

Wohnungsnot bremst Unternehmen

Fehlende und unbezahlbare Wohnungen bremsen die Wirtschaft, erklärt Rolf Kammann, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Vorpommern in Greifswald. „Weil keine geeigneten Wohnungen da sind, wird es schwierig, dringend benötigte Arbeitnehmer zu finden“, sagt Kammann. Das Problem „wird immer dringlicher“. Betroffen sind längst nicht mehr nur Tourismusbetriebe in hochpreisigen Seebändern, sondern viele Branchen und Standorte im Land.

Kampf gegen Schwarz-Vermietung über Airbnb

Unterdessen will die rot-schwarze Schweriner Landesregierung die „Schwarz-Vermietung“ über Online-Plattformen wie Airbnb eindämmen. Private Wohnungen werden heimlich zu Ferienapartments umgewandelt, was die Probleme auf den Wohnungsmärkten zusätzlich anheizt. Seit das Land 2004 seine Zweckentfremdungsverordnung strich, fehlt Gemeinden in MV die Handhabe gegen derartigen Missbrauch.

SPD und CDU wollen eine neue Regelung finden. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband MV begrüßt das: „Diese Wohnungen fehlen dem schon stark unter Druck stehenden Wohnungsmarkt insbesondere in urbanen Zentren und in touristischen Ballungsgebieten“, kritisiert Hauptgeschäftsführer Matthias Dettmann.

„MV ist nicht Berlin oder München“

Forderungen der Bundes-SPD, Mieten in Ballungsräumen für fünf Jahre „einzufrieren“, stoßen im Nordosten auf Skepsis. MV sei nicht Berlin oder München, meint Christiane Berg, wohnungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion. Das Einfrieren von Mieten schaffe keine Anreize, in Greifswald und Rostock neue Wohnungen zu bauen. Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen, wirft der SPD „Linkspopulismus“ vor.

Parteien zu Enteignungen

Bürgerinitiative:
Dieser Mann will die Deutsche Wohnen enteignen

Grüne:
Habeck hält Enteignungen für denkbar

CSU:
„Sozialistische Ideen“: Söder lehnt Enteignung von Wohnkonzernen ab

SPD:
Stegner für Enteignungen „als letztes Mittel“

Merkel:
Kanzlerin spricht sich gegen Enteignungen aus

Von RND/Gerald Kleine Wördemann

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