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Wirtschaft Verkauf von Opel verzögert sich
Mehr Welt Wirtschaft Verkauf von Opel verzögert sich
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22:08 15.10.2009
Die für Donnerstag geplante Unterzeichnung des Kaufvertrags für Opel durch den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna und den Alteigentümer General Motors (GM) ist nicht zustande gekommen.
Die für Donnerstag geplante Unterzeichnung des Kaufvertrags für Opel durch den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna und den Alteigentümer General Motors (GM) ist nicht zustande gekommen. Quelle: ddp
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Es sei aber möglich, dass der Übernahmevertrag noch „diese Woche unterzeichnet werden kann“, erklärte GM-Chef Fritz Henderson. Es gelte noch viele Fragen zu klären, selbst wenn sich die Abgesandten vom GM, Magna, der russischen Sberbank und der deutschen Treuhand bei einem Notar treffen sollten, um den Vertrag zu unterzeichnen, hieß es.

Klar ist bisher nur, dass sich die Beteiligten darauf geeinigt haben, dass Magna, die Sberbank und GM künftig das Sagen bei Opel haben sollen. 35 Prozent wollen die Amerikaner behalten, jeweils 27,5 Prozent wollen Magna und die Sberbank übernehmen, wobei die Russen ihre Stimmrechte an den Zulieferer abgeben wollen, damit der die operative Führung bei „New Opel“ hat. Die restlichen 10 Prozent sollen die Beschäftigten von Opel und Vauxhall bekommen. Dafür sollen sie im Gegenzug auf Leistungen im Wert von jährlich 265 Millionen Euro für die nächsten fünf Jahre verzichten. Nur aus Spanien liegt noch keine Zusage vor, da dort die Beschäftigten und die Gewerkschaft mit den Magna-Plänen nicht einverstanden sind. Die neuen Mehrheitseigentümer wollten am liebsten einen großen Teil der Fertigung des Kleinwagens Corsa aus Saragossa nach Eisenach verlagern. Inzwischen gibt es einen Kompromissvorschlag, über den die Gewerkschaft aber erst am Montag entscheiden will.

Erst dann wird sich auch die spanische Regierung konkreter dazu äußern, ob sie sich an den geplanten Staatsgarantien für insgesamt 4,5 Milliarden Euro Kredit für „New Opel“ beteiligen wird. Den Spaniern, aber auch den Briten, Belgiern und Polen ist das unabgestimmte Vorgehen der Bundesregierung sauer aufgestoßen. Um bei GM für die Magna-Lösung zu werben, hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Mitstreiter den Amerikanern signalisiert, dass man die Finanzspritze notfalls vorfinanzieren würde, wenn die anderen Länder mit GM-Werken nicht gleich mitzögen. Diese Zusage hat auch die EU-Kommission in Brüssel irritiert. EU-Kommissarin Neelie Kroes will das Vorhaben „hart“ prüfen.

Ohne die Milliarden der Steuerzahler aber wäre eine Opel-Sanierung aussichtslos, entsprechend gibt es in dem Vertrag auch den Vorbehalt, dass alle anderen Vereinbarungen hinfällig wären, wenn keine Staatshilfe kommt. Magna und die Sberbank wollen nur rund 350 Millionen an frischem Eigenkapital einbringen. Das würde nicht reichen, um den Umbau von Opel zu bewerkstelligen. Derzeit verbrennt das Unternehmen Monat für Monat Millionen, die ersten 1,5 Milliarden Euro Kredit reichen nach Expertenschätzungen nur bis Anfang 2010. Die Pläne von Magna sehen den Abbau von europaweit rund 10 500 Stellen vor, davon gut 4000 in Deutschland. Ursprünglich sollte das Werk in Antwerpen geschlossen werden, inzwischen hat Magna zugesagt, die Entscheidung noch einmal zu überprüfen. Für die zwei britischen Werke gibt es angeblich Garantien bis zum Jahr 2013, dafür verzichten die 5500 Mitarbeiter dort auf Gehaltserhöhungen.

von Klaus Dieter Oehler