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Wirtschaft Verbraucherschützer kritisieren Sportwetten: Auch Kinder können Geld verzocken
Mehr Welt Wirtschaft Verbraucherschützer kritisieren Sportwetten: Auch Kinder können Geld verzocken
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19:54 30.01.2020
Eigentlich dürfte es das nicht geben. Bei Tests haben Verbraucherschützer aber entdeckt, dass das Alter von Onlinezockern nicht geprüft wird. Quelle: picture alliance
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Glücksspiel im Internet ist hierzulande eine heikle und verwirrende Angelegenheit. Vieles geschieht in einer rechtlichen Grauzone. Casinospiele im Internet sind in allen Bundesländern außer Schleswig-Holstein, das dafür im Alleingang Lizenzen vergeben hat, verboten. Wer sich aus welchem Bundesland anmeldet, wird aber nicht überprüft, sagen Verbraucherschützer. Und auch, wie alt die Spieler sind, wird offenbar nicht ausreichend kontrolliert.

Das legt zumindest eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Bayern nahe. Dort für Digitales zuständige Experten des Marktwächterteams haben getestet, ob Onlinewettanbieter bei der Anmeldung das Alter auch wirklich prüfen und ein eindeutiges Ergebnis erzielt. „Das tatsächliche Alter wurde bei keiner einzigen der fünf getesteten Webseiten überprüft“, sagt Verbraucherschützerin Tatjana Halm.

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Schwachstelle Altersprüfung

Versucht haben es ihre Kollegen bei namhaften Anbietern wie Tipico und Bet-at-home. Bei den Testanmeldungen habe man auch ungeprüft Geld einzahlen und Wetten platzieren können. Bezahlt wurde dabei mittels Paysafekarten. Deren Erwerb sollte eigentlich auf Erwachsene beschränkt sein. „Bei unserem Testkauf wurde kein Ausweisdokument verlangt“, klärt Projektleiterin Juliane von Behren von der Verbraucherzentrale Bayern auf. Erwerben kann man solche Karten im Handel, der in diesem Punkt bei der Altersprüfung offenkundig ebenfalls versagt. Altershürden könnten damit auf allen relevanten Ebenen leicht umgangen werden, folgert von Behren.

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Beim Anmelden auf den Seiten von Onlinewettanbietern reicht einfach die Angabe eines falschen Geburtsdatums. Das bestreiten zwei der fünf getesteten Onlinewettbüros. Die drei anderen haben auf Anfragen nicht geantwortet. Widerspruch angemeldet haben Tipico und Bet-at-home. „Jugendschutz besitzt bei Tipico höchste Priorität“, erklärt ein Unternehmenssprecher. Bei jeder Anmeldung müssten sich Nutzer als geschäftsfähige Personen identifizieren und bestätigen, dass sie mindestens 18 Jahre alt sind. Dafür gebe es mehrstufige Sicherungsmaßnahmen und Abgleiche der Anmeldedaten mit Wirtschaftsauskunfteien, Identitätsdatenbanken oder Sperrdateien.

Bet-at-home äußert sich sehr ähnlich. Eine eigene Abteilung überprüfe dort laufend die Rechtmäßigkeit von Kundendateien, wird beteuert. Sollte sich dabei herausstellen, dass Minderjährige gesetzeswidrig gezockt haben, würden sämtliche Transaktionen rückabgewickelt.

Mitspielen ja, Gewinne einfahren nein

Die Verbraucherschützer widersprechen. „Welche mehrstufigen Sicherungsmaßnahmen bei Tipico greifen, können wir nicht nachvollziehen“, sagt von Behren. Eine tatsächliche Überprüfung des Alters finde im Rahmen der Registrierung jedenfalls nicht statt. Mit einem falschen Geburtsdatum könne sich jeder anmelden und habe dann nicht nur Zugriff auf Sportwetten sondern auch auf Onlinecasinos. Ein Minderjähriger könne damit unproblematisch Zugang zu allen Angeboten erhalten und Geld einsetzen. Nur gewinnen könne er nicht. Denn eine Überprüfung des Alters gebe es schon, aber erst bei Gewinnen. Dann werde Minderjährigen eine Ausschüttung verweigert.

Die Verbraucherschützer finden die Lücken im System bedenklich. „Es besteht die Gefahr, das junge Menschen spielsüchtig werden und in eine finanzielle Schieflage geraten“, warnt Halm. Die Ergebnisse der Testanmeldungen sollten deshalb auch Eltern hinsichtlich der Internetaktivitäten ihrer Kindern sensibilisieren.

Hilft der neue Glücksspielvertrag?

Politisch seien die Bundesländer mit der Neufassung des Glücksspielstaatsvertrags in der Pflicht. Sündige Glücksspielanbieter als Verbraucherschützer vor den Kadi zu zerren sei indessen kaum möglich. Die Anbieter hätten ihren Sitz üblicherweise in Ländern wie Malta, Gibraltar oder den Seychellen, wo sie rechtlich ohne größeren Aufwand nicht greifbar seien.

Derzeit wird über einen neuen Glücksspielvertrag diskutiert – doch wie auch immer der aussehen mag: Wenn sich Minderjährige mit einem Klick im Internet volljährig machen können, nutzt jede Neuregelung wenig. Dabei wäre wirksame Kontrolle leicht möglich. „Tipico implementiert gerade Methoden der Video-Identifikation, die sehr zeitnah nach der Registrierung notwendig werden“, sagt ein Firmensprecher. Solche Verfahren werden unter anderem von Banken verwendet. Anmelder müssen dabei ein Ausweisdokument vor eine Bildschirmkamera halten und können damit bei Identität oder Alter nicht mehr schummeln. Bei Onlinewetten mit seinen jährlichen Milliardenumsätzen in Deutschland sollte das zum Standard gehören.

Von Thomas Magenheim/RND

Der Artikel "Verbraucherschützer kritisieren Sportwetten: Auch Kinder können Geld verzocken" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.