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Wirtschaft Verbraucherschützer kritisieren Qualität von Onlinesupermärkten
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09:34 04.10.2010
Onlinesupermärkte in der Kritik: Ein Knackpunkt ist die Kühlung.
Onlinesupermärkte in der Kritik: Ein Knackpunkt ist die Kühlung. Quelle: dpa
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Amazon war vorgeprescht, jetzt ziehen immer mehr Anbieter nach: Den Trend zum Onlinesupermarkt will niemand verschlafen – und das obwohl Experten und Verbraucherschützer heftige Kritik äußern. Ein Knackpunkt ist die Kühlung.

Eingedrückte Konservendosen, eine geöffnete Packung Hackfleisch und schlecht gekühlte Milch – so sah der Inhalt von Lebensmittelpaketen aus, die in den vergangenen Tagen im Dortmunder Fraunhofer-Institut ankamen. Die Stichprobe des Instituts zu Angebot und Lieferung der deutschen Onlinesupermärkte ergab eindeutig: „verbesserungswürdig“. Keine der vier Bestellungen mit jeweils 17 Produkten konnte alle Anfor-
derungen erfüllen.

Auch Verbraucherschützer hatten die Onlineangebote in den vergangenen Wochen immer wieder kritisiert: zu teuer, zu wenig transparent. Die Verbraucherzentrale Hamburg prüft sogar rechtliche Schritte gegen den Onlineeinzelhändler Amazon, weil dieser die Lebensmittel in seinem Angebot nicht ausreichend kennzeichne.

Aber trotz aller Kritik: Die deutschen Lebensmittelhändler haben den Onlinesupermarkt zum Trend erklärt. Knapp drei Monate nachdem Amazon mit einer groß angelegten Lebensmittelplattform vorgeprescht war, wollen immer mehr Anbieter nachziehen. So kündigte die hessische Supermarktkette Tegut gemeinsam mit dem bereits bestehenden Onlinelebensmittel-Anbieter Gourmondo einen neuen Internetsupermarkt an.

Metro will die Zahl seiner „Drive-in“-Stationen weiter erhöhen, in denen online bestellte Ware zu einer bestimmten Uhrzeit abgeholt werden kann.
Auch die Einzelhandelskette Rewe will mitmischen. „Wir können es uns nicht leisten, wichtige Trends zu verschlafen“, sagte Rewe-Chef Alain Caparros in einem Interview mit der „Wirtschaftswoche“.

In bis zu drei deutschen Städten sollen im kommenden Winter zwei unterschiedliche Onlinekonzepte getestet werden. Wo genau und wie die Konzepte im Detail aussehen, ist bislang unklar. Aus wettbewerbstechnischen Gründen könnten dazu keine Angaben gemacht werden, sagte eine Rewe-Sprecherin. Amazon erweitert unterdessen nach eigenen Angaben stetig sein Angebot. „Wir sind sehr zufrieden mit der Resonanz unserer Kunden“, sagte eine Sprecherin.

Marktexperten bleiben trotzdem skeptisch – vor allem bei kompletten Supermarktsortimenten, die auch frische Produkte enthalten. „Ein Lebensmittel-Lieferservice mit Frische ist in Deutschland nicht profitabel machbar“, sagt Experte Björn Weber vom Handelsinformationsunternehmen Planet Retail.

Auch wenn der Onlinesupermarkt in anderen Ländern schon weitaus etablierter sei als in Deutschland – profitabel sei er dort meistens auch nicht. Europaweit behaupte nur die Einzelhandelskette Tesco aus Großbritannien, dass sie mit diesem Service bereits schwarze Zahlen schreiben würde.

Knackpunkt ist die Frische: Lebensmittel dürften nicht in einem normalen Styroporpaket zum Kunden geliefert werden. „Das ist unverantwortlich.“ Anstelle dessen müssten spezielle Lieferwagen mit Kühltechnik angeschafft werden – das schlägt auf den Preis, sagt Einzelhandelsfachmann Weber. „Wir haben ausgerechnet, dass das alles zusammen den Kunden dann durchschnittlich etwa 9 Euro mehr kostet als direkt im Laden – das ist weit über der Schmerzgrenze.“

dpa