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Wirtschaft Verbände streiten weiter über die Umweltzonen
Mehr Welt Wirtschaft Verbände streiten weiter über die Umweltzonen
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18:18 30.12.2009
Zum neuen Jahr werden die Umweltzonen von bundesweit 34 auf 40 Städte ausgeweitet. Quelle: ddp
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Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert bundesweit strengere Regeln für die Umweltzonen. Als Vorbild müssten Berlin und Hannover dienen, wo ab Januar nur noch Fahrzeuge mit grüner Feinstaubplakette in der Innenstadt unterwegs sein dürfen. Zugleich begrüßte die DUH die Ausweitung der Umweltzonen zum neuen Jahr von bundesweit 34 auf 40 Städte. Auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Berlin hoben die positive Wirkung der Einfahrtsbeschränkungen hervor. Der ADAC kritisierte die Fahrverbote hingegen scharf.

„Die Umweltzonen haben sich bewährt“, sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch am Mittwoch in Berlin. Die Einführung der Plakette habe zu einer verstärkten Nachrüstung mit Partikelfiltern sowie zu einer Erneuerung des Fahrzeugparks geführt. Resch forderte die Bundesregierung auf, ihre Entscheidung zur längeren Förderung der Nachrüstung von Pkw mit Rußpartikelfiltern sowie die Ausdehnung des Programms auf leichte Nutzfahrzeuge schnell umzusetzen.

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Dabei verwies Resch auch auf die neu eingeführten Richtlinien für die Stickstoffdioxidbelastung der Luft. Der Höchstwert von 200 Mikrogramm pro Kubikmeter dürfe ab 1. Januar nur noch an 18 Tagen pro Jahr überschritten werden. Zugleich gelte ein Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm. Derzeit lägen die Messwerte in vielen Großstädten weit über dieser Grenze.

Bernd Lehming von der Berliner Senatsumweltverwaltung wies darauf hin, dass schon jetzt die positiven Effekte der Umweltzone in der Bundeshauptstadt erkennbar seien. Insgesamt würden an den Messstellen weniger Grenzüberschreitungen bei der Feinstaubbelastung ermittelt. Im Jahresmittel seien drei Prozent weniger Feinstaub und zehn Prozent weniger Stickstoffdioxid gemessen worden. Die Rußpartikel-Belastung habe um 16 Prozent abgenommen.

Von der Verschärfung der Regelung ab 2010 erhofft sich Lehming ähnliche Verbesserungen. Innerhalb des S-Bahn-Rings dürfen dann nur noch Autos mit grüner Plakette fahren. In der Hauptstadt erfüllen nach Angaben der DUH derzeit fast 83 Prozent der Fahrzeuge die für die grüne Plakette erforderliche Abgasnorm Euro 4.

Ab 2010 führen auch Freiburg, Heidelberg, Münster, Bonn, Osnabrück und das baden-württembergische Pfinztal Umweltzonen ein. Verschärft werden bestehende Regelungen außer in Berlin und Hannover auch in Bremen und Frankfurt am Main, wo das Fahrverbot jedoch nur für Fahrzeuge mit roter Plakette gilt. Resch rechnet nach eigenen Worten damit, dass viele Städte den Beispielen Berlins und Hannovers freiwillig folgen werden. Gleichzeitig werde die DUH aber auch Musterklagen betroffener Bürger unterstützen.

Der Referent für Verkehrspolitik beim BUND, Martin Schlegel, sagte, angesichts der neuen Stickstoffdioxid-Grenzwerte sei die Verschärfung ab Januar „nicht nur richtig, sondern auch notwendig“.

Während der VCD die Umweltzonen ebenfalls als ein „erfolgreiches Instrument der Luftreinhaltung“ bezeichnete, kritisierte der Automobilclub ADAC die Regelungen als „teuren Irrweg“. Die Umweltzonen seien kaum geeignet, die Luft in den Städten zu verbessern, sagte der ADAC-Vizepräsident für Verkehr, Ulrich Klaus Becker. Schließlich trage der Pkw-Verkehr nur mit fünf Prozent zur Feinstaubbelastung bei. Die Fahrverbote verursachten aber „einen gigantischen Verwaltungsaufwand und immense Kosten“.

ddp