Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wirtschaft VW und Porsche schaffen den Durchbruch
Mehr Welt Wirtschaft VW und Porsche schaffen den Durchbruch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:21 13.08.2009
Von Stefan Winter
Anzeige

Die Aufsichtsräte von VW und Porsche haben am Donnerstag den Weg für eine Fusion beider Autokonzerne freigemacht. Nach zweiwöchigen Marathonverhandlungen saßen die Porsche-Juristen allerdings auch am Donnerstag noch bis zum Abend über der Grundlagenvereinbarung, ehe beide Seiten Erfolg vermelden durften. Der entscheidende Schritt in eine gemeinsame Zukunft sei gemacht, erklärte VW-Chef Martin Winterkorn: „Das Ergebnis dieser Integration werden die besten Fahrzeuge für unsere Kunden, sichere Arbeitsplätze und die Schaffung von langfristigem Wert für unsere Aktionäre sein.“

In einem ersten Schritt kauft sich VW über eine Kapitalerhöhung beim Sportwagenhersteller Porsche AG ein und besitzt danach dort 42 Prozent. Die neuen Aktien kosten 3,3 Milliarden Euro. Das heißt, dass die Porsche AG insgesamt im Moment mit 12,4 Milliarden Euro bewertet wird und damit höher, als von den meisten Experten erwartet. Außerdem verkaufen die Porsche-Eigentümer ihre Autohandelsgruppe mit Sitz in Salzburg nach Informationen dieser Zeitung für 3,5 Milliarden Euro an VW. Aus den Erlösen kann die Familie einen Teil ihrer hohen Schulden bezahlen.

Anzeige

Für die Beteiligungsholding der Familien, die Porsche SE, ist ebenfalls eine Kapitalerhöhung geplant. Details dazu wurden nicht genannt, nach bisherigen Plänen sollen die neuen Aktien aber an das Emirat Katar gehen, mit dem dann erstmals ein familienfremder Investor Mitspracherecht bei Porsche hätte. Am Ende soll 2011 eine Verschmelzung von VW mit der Porsche SE stehen. Der genaue genaue Ablauf ist allerdings noch unklar. Sollte es nicht zur Verschmelzung kommen, kann VW die restlichen Aktien der Porsche AG, also das gesamte operative Geschäft, übernehmen.

VW wird allerdings ebenfalls sein Kapital erhöhen, um das Geschäft zu finanzieren. Details sind noch offen, es sollen jedoch in der ersten Hälfte 2010 keine Stamm-, sondern lediglich stimmrechtslose Vorzugsaktien ausgegeben werden. Auf diese Art kann das Land Niedersachsen seinen Einfluss behalten, ohne viel Geld für neue Aktien ausgeben zu müssen. Finanzexperten sehen diesen Weg skeptisch: Erst im Frühjahr hat VW bei seinen Vorzugsaktionären keine Mehrheit für eine Kapitalerhöhung bekommen.

Das Land Niedersachsen bekommt in der neuen Satzung des Gemeinschaftskonzerns alle bisherigen Rechte unabhängig vom Fortbestand des VW-Gesetzes garantiert: Das Land darf zwei Mitglieder des Aufsichtsrats stellen, solange es mit mindestens 15 Prozent an VW beteiligt ist. Außerdem bleibt die Sperrminorität bei 20 Prozent. Überdies ist bis 2020 ein Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag zwischen VW und der Porsche SE ausgeschlossen. Angesichts der Gesamtkonstruktion wäre der allerdings ohnehin kaum denkbar.

Neben der Landesregierung hatten auch die Betriebsräte beider Unternehmen diese Garantien gefordert. Die Rechte der Arbeitnehmer würden in dem neuen Konzern deutlich gestärkt, sagte VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh. Am Freitag sollen die Mitarbeiter in Wolfsburg auf einer außerordentlichen Betriebsversammlung über die Vereinbarung informiert werden.

„Der Weg ist jetzt frei für eine tolle Zusammenarbeit“, sagte sein Gegenüber bei Porsche, Uwe Hück. Porsche bleibe als eigenständige Marke mit Sitz in Zuffenhausen erhalten.

Insbesondere ist sichergestellt, dass unsere Entwicklung, unsere Produktion und unser Vertrieb auch künftig eigenständig bleiben. Porsche könne seine Investitionsentscheidungen weiter selbst treffen, für die Miarbeiter gelte der Flächentarif Baden-Württemberg. „Kurzum: Porsche bleibt Porsche“, sagte Hück. Als Modell für die künftige Rolle von Porsche gilt die VW-Tochter Audi.

Wirtschaft Opel-Übernahmevertrag - Magna einigt sich mit GM
13.08.2009