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Wirtschaft VW stellt die Managervergütung um
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21:21 16.12.2009
Von Stefan Winter
VW-Vorstände
VW-Vorstände Quelle: ddp (Archivbild)
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Konzernchef Martin Winterkorn ließ schon im Sommer durchblicken, dass sich auf diesem Feld etwas ändern müsse, wenn Top-Manager glaubwürdig bleiben wollten. Das Ergebnis ist eine völlige Abkehr vom Aktienkurs als Messgröße.

Die neuen Regeln gelten für alle VW-Manager weltweit, die zumindest zahlenmäßig selbst schon einen Konzern bilden könnten. Von insgesamt 370 000 Mitarbeitern zählen nach Angaben vom Frühjahr 5200 zum unteren und 3900 zum oberen Management sowie 310 zum Topmanagement. Sie alle haben einen variablen Anteil in der Entlohnung, der mit dem beruflichen Aufstieg zunimmt. Im Management kann er maximal die Hälfte des Gesamteinkommens ausmachen, im Vorstand sogar 70 Prozent.

So weist der Geschäftsbericht 2008 für Winterkorn ein Festgehalt von 1,6 Millionen Euro aus und variable Bezüge von 4,5 Millionen Euro. Die anderen vier Vorstandsmitglieder bekamen jeweils rund 900 000 Euro fest und 2 Millionen Euro erfolgsabhängig. Außerdem nutzten alle den durch die Porsche-Spekulation hochgetriebenen Aktienkurs und machten ihre über die Jahre als Teil der Vergütung angesammelten Aktienoptionen zu Geld. So kamen bei Winterkorn weitere 12,7 Millionen und bei seinen Kollegen jeweils mindestens 6,8 Millionen Euro hinzu. So wurde dank des astronomischen Aktienkurses aus einem Fixgehalt von 5,4 Millionen Euro für fünf Manager ein tatsächliches Gesamteinkommen von 45,4 Millionen Euro – fast dreimal mehr als im Jahr davor. Ein Zehntel des Aktiengewinns, 2,5 Millionen Euro, wurden gespendet.

Wollen die Vorstände wieder am VW-Kurs verdienen, müssen sie künftig eigenes Geld einsetzen, denn der Aktienoptionsplan wird im neuen Modell komplett gestrichen. Bisher war er einer von vier Bestandteilen der variablen Vergütung. Außerdem gehört der Konzernbonus dazu, der vom Gewinn des Gesamtkonzerns abhängt, sowie ein Unternehmensbonus, der nach dem Gewinn der jeweiligen Tochtergesellschaft berechnet wird – in der Regel ein Glück für Manager bei Audi und Financial Services, Pech für die Kollegen bei Seat. Vierter variabler Bestandteil ist ein persönlicher Bonus, der sich danach richtet, ob der jeweilige Manager seine ein Jahr zuvor festgelegten Ziele erreicht hat.

Aufgegeben wird nun lediglich der Aktienoptionsplan, die anderen drei Faktoren bleiben im Spiel. Dafür kommt der neue „Langzeitbonus“ hinzu, der künftig einen „erheblichen“ Teil der variablen Vergütung ausmacht – den genauen Anteil behält VW für sich.

Für den Langzeitbonus werden die Ergebnisse der vergangenen vier Jahre auf vier Feldern ausgewertet: Es geht um Kundenzufriedenheit, Rendite, Mitarbeiterzufriedenheit sowie Wachstumsziele bei Autoverkauf und Marktanteil. Auch die „weichen“ Faktoren seien objektiv messbar, heißt es bei VW. Die Kundenzufriedenheit etwa wird regelmäßig von der unabhängigen Marktforschungsgesellschaft J.D. Power untersucht.

Die vier Größen richteten sich konsequent an den Zielen der „Strategie 2018“ aus, sagte Personalvorstand Horst Neumann. VW will bis dahin nicht nur größter und ertragsstärkster Autokonzern der Welt werden, sondern auch ein besonders attraktiver Arbeitgeber, um genügend Fachkräfte anzuziehen.

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