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Wirtschaft VW sammelt 4,5 Milliarden Euro ein
Mehr Welt Wirtschaft VW sammelt 4,5 Milliarden Euro ein
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09:57 24.03.2010
Von Lars Ruzic
Quelle: ap (Symbolbild)
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Damit nutzt der Wolfsburger Autobauer seinen Spielraum zunächst bei Weitem nicht aus. Eine außerordentliche Hauptversammlung hatte den Vorstand im Dezember ermächtigt, bis zu 135 Millionen neue Vorzugsaktien auszugeben.

Die Kapitalerhöhung geht nach demselben Prozedere vonstatten, das unlängst auch Continental eine Milliarde Euro in die Kasse spülte. Dabei verpflichtet sich zunächst ein Bankenkonsortium, alle neuen Aktien zu übernehmen. Damit hat das Unternehmen das Geld binnen Tagen sicher. Die Banken übernehmen anschließend den Weiterverkauf an neue und alte Anteilseigner, die ihr Interesse bekunden.
Die VW-Großaktionäre Porsche, Land Niedersachsen und Emirat Katar, auf die gut 90 Prozent aller stimmberechtigten Stammaktien entfallen, haben ihre Bezugsrechte zunächst an die Banken abgetreten. Katar behält sich allerdings vor, später noch neue Vorzüge zu zeichnen. Der Einstieg von VW beim Porsche-Sportwagengeschäft hatte die Kapitalerhöhung nötig gemacht. Damit spielt VW nun etwas mehr Geld ein, als man zuvor für den Porsche-Anteilserwerb ausgegeben hatte. „So schaffen wir eine wichtige Voraussetzung für eine weiterhin gesunde Finanzierungsstruktur“, sagte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch. Der Konzern will durch die Folgen der Übernahmeschlacht mit Porsche in seiner Kreditwürdigkeit nicht herabgestuft werden.

Bereits am Dienstag wurden die Aktien bei den Investoren platziert. Der endgültige Preis wird hierbei erst ermittelt und voraussichtlich am Freitag bekannt gegeben. Die Altaktionäre können dann vom 31. März bis zum 13. April ihre Bezugsrechte ausüben.

VW hatte zuletzt angekündigt, bei der Geldbeschaffung nicht allein auf eine Kapitalerhöhung zu setzen und auch Finanzinstrumente wie Wandelschuldverschreibungen zu nutzen. Auch dafür ist eine Zustimmung der Hauptversammlung notwendig, die sich allerdings noch im April in Hamburg trifft. Obwohl die Kapitalerhöhung dadurch kleiner ausfällt und der Wert alter Aktien nicht zu stark verwässert wird, reagierte die Börse mit Verkäufen. VW-Vorzüge waren mit einem Minus von zeitweise mehr als 7 Prozent Tagesverlierer im Dax.

Bei vielen Altaktionären war die Kapitalerhöhung, die allein über Vorzugsaktien abgewickelt wird, auf Kritik gestoßen. Damit schützten die Stammaktionäre ihre Macht, da nur sie bei Aktionärstreffen stimmberechtigt sind, hieß es. Mehrere Kleinaktionäre haben die Beschlüsse der vergangenen Hauptversammlung vor dem Landgericht Hannover angefochten. Die 6. Kammer für Handelssachen verhandelt darüber erstmals am morgigen Donnerstag. Die Kapitalerhöhung als solche sei dadurch jedoch nicht gefährdet, sagte ein VW-Sprecher. Sie sei bereits im Handelsregister eingetragen und damit rechtskräftig.